Fisch

Nicht nur die Angler warten auf die Fische

Abfischen: Auf der Höhe von Neuendorf hantiert Urs Läderach mit dem Elektrofischgerät im Mittelgäubach. Seine Vereinskollegen stehen mit Netz und Kübel bereit, um die Fische aufzunehmen.

Abfischen

Abfischen: Auf der Höhe von Neuendorf hantiert Urs Läderach mit dem Elektrofischgerät im Mittelgäubach. Seine Vereinskollegen stehen mit Netz und Kübel bereit, um die Fische aufzunehmen.

Für den Laien hat die Dünnern im Gäu nichts Besonderes zu bieten, für den Fischer hingegen schon, denn dort drin schwimmen Bachforellen. Der Fischereiverein Thal-Gäu ist dafür besorgt, hat aber neuerdings auch Sorgen.

Alois Winiger

Seit dem Wechsel von der Pacht- zur Patentfischerei in diesem Jahr sei die Motivation, Bachforellen aufzuzüchten und in der Dünnern auszusetzen nicht mehr die gleiche, sagt Urs Läderach vom Fischereiverein Thal-Gäu. Er und seine Vereinskollegen René Aeschlimann, Marius Fasel, Bruno Hug, Marc Läderach und Otto Rieder stehen im und am Mittelgäubach bei Neuendorf und fischen unter den wachsamen Augen des Fischereiaufseher Marcel Jäggi Jungfische, beziehungsweise Sömmerlinge ab.

Von schlechter Stimmung ist an diesem Samstagvormittag allerdings nichts zu spüren. Im Gegenteil, die Freude ist gross über die gute «Ernte». Pro Stunde holen die Fischer rund 200 Sömmerlinge in der Grösse zwischen 7 und 14 Zentimeter aus dem Bach. Ab und zu ist eine ausgewachsene Forelle im Netz, die in den Vorjahren nicht erwischt worden ist; an diesem Vormittag ist sogar ein Exemplar von stattlichen 48 Zentimeter dabei. Der ganze Fang wird schliesslich etappenweise an verschiedenen Stellen in der Dünnern ausgesetzt.

Verhältnis stimmt nicht

Von der Gemeindegrenze Hägendorf bis in die Klus, wo sich der Augstbach mit der Dünnern vereinigt, reicht das Gebiet des Fischereivereins Thal-Gäu. Der Mittelgäubach und der Chrebskanal sind ihm für die Aufzucht der Bachforellen zugeteilt. «Seit Jahrzehnten setzen wir im März darin Brütlinge aus und fischen sie dann gegen Ende Jahr als Sömmerlinge ab. So weit, so gut», sagt Urs Läderach. Was aber nicht stimme, sei das Zahlenverhältnis. «Wir sind verpflichtet, 15 000 Brütlinge zu beziehen, können bis 8000 Sömmerlinge dem Aufzuchtbach entnehmen, werden aber vom Kanton nur für 3000 Stück entschädigt.» Das ist die eine Sorge des Vereins.

Eine weitere betrifft das Patentrecht, das für die Fischerei seit diesem Jahr in Kraft ist. «Jetzt kann jeder, der ein Patent gelöst hat, fischen in dem Bereich der Dünnern, den wir bisher gepachtet und somit auch das Sagen hatten.» Es sei nicht fair, wenn sich der Verein mit viel Aufwand um die Aufzucht kümmere, damit die Anderen bequem fischen können. Das sei der Motivation, einem Verein beizutreten, nun wirklich nicht förderlich.

Leichte Beute für Vögel

Mit «den Anderen» meint Läderach aber nicht nur die Angler, sondern auch Fisch fressende Vögel, vorab die Gänsesäger. Sie seien erst in den letzten Jahren aufgetaucht. Bis zu 40 Stück auf einmal habe man schon beobachtet. «Die haben gemerkt, wo leicht Beute zu machen ist. In der kanalisierten Dünnern haben die Fische nämlich keine Versteckmöglichkeiten», erklärt Läderach. Aber das sei halt die Natur, schiebt er nach, «damit haben wir leben gelernt.»

Wie lange der Verein hingegen mit der neue Situation leben will, welche die Patentänderung gebracht hat, das werde die Zukunft zeigen. Was müsste denn passieren, damit der Verein nach wie vor Bachforellen in der Dünnern aussetzt? «Die Entschädigung müsste besser sein, wir wollen kein Defizit einfahren», antwortet Läderach. Man werde die Sache mit Kollegen besprechen und dann beim Kanton vorstellig werden.

Extrem wenig Wasser

Bei einem anderen Problem, das den Verein beschäftigt, werden jedoch auch die Kantonsbehörden keine Lösung parat haben: «Seit 31 Jahren bin ich jetzt im Fischereiverein, aber noch nie habe ich erlebt, dass die Dünnern so wenig Wasser führte wie dieses Jahr», berichtet Urs Läderach. Zudem sei die Wassertemperatur ausserordentlich lange hoch geblieben.

Doch trotz allem betont Läderach: «So schnell geben wir nicht auf. Wir vom Verein sind halt schon sehr fest verwachsen mit der Dünnern und dem Mittelgäubach.» Es wäre sehr schade, wenn es in der Dünnern keine Forellen mehr gäbe. «Denn diese fühlen sich sehr wohl darin, weil das Wasser eine hervorragende Qualität hat.»

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