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Nicht mehr so viel «Mäuse» mit Mäusen

Früher zählte es zu den Arbeiten der Bauern und zu den Hobbys der Buben: Das Mäusefangen. Diese Beschäftigung ist jedoch am Verschwinden.

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Nicht mehr so viel «Mäuse» mit Mäusen

Nicht mehr so viel «Mäuse» mit Mäusen

Simon Tschopp

Der bald 64-jährige Landwirt Adolf Buess aus Wenslingen ist in diesem Metier ein «alter Fuchs». Als Kind fing er jährlich 500 bis 700 Nager und finanzierte sich mit dem Geld, das er durch die abgegebenen Schwänze von der Gemeinde erhielt, sein erstes Velo. Tempi passati. Heute gehen die Knaben anderen Freizeitbeschäftigungen nach, erhalten die Fahrräder von Eltern oder Paten geschenkt, und die Bauern, die früher viel gemaust haben, finden dafür schlicht keine Zeit mehr.

Seit vielen Jahren schon nimmt Adolf Buess in seinem Wohnort Mausschwänze entgegen; von April bis September immer am letzten Freitag im Monat. Für jedes Stück erhalten die Fänger einen Franken. Buess erzählt von einem Brüderpaar – 12- und 14-jährig –, das «noch richtig maust». Die beiden jungen Wenslinger bringen es jährlich auf gut 1300 Schwänze. Einen Teil ihres Ertrags investieren sie in neue Fallen. «Erst kürzlich haben die Buben 20 Exemplare zu 50 Franken gekauft», weiss der Mausexperte und langjährige Gemeinderat.

Wenig Mausfänger

«Die Schwänze werden kontrolliert», versichert Adolf Buess. Nur solche von grossen Feldmäusen nehme er an. Gebe es einzelne von Spitzmäusen, drücke er ein Auge zu. «Derzeit hat es viele Mäuse», verrät der Landwirt. Nur die Fänger fehlen.

Bei der Population der Nager gibts Intervalle; manchmal hats wenig, dann wieder viel, was bei Bauern zu Ertragsausfällen führen kann. «In Baumanlagen muss man mausen», ist Buess überzeugt. Inzucht und Seuchen regulieren die Mausbestände.

Vor einem halben Jahrhundert wurden laut Adolf Buess in Wenslingen jährlich 3000 bis 4000 Mausschwänze abgegeben. Der Rekord der vergangenen Jahre liegt bei 1800. Heute dürften es pro Jahr um die 1500 Stück sein. Eine Umfrage in anderen Oberbaselbieter Kommunen fördert dasselbe Bild zutage. Das Angebot der Gemeinden existiert nach wie vor, es wird jedoch kaum genutzt.

In Buus gibts 50 Rappen pro Schwanz. Die Fänge belasten die Gemeindekasse jährlich mit maximal 500 Franken. «Hauptsächlich Bauern und deren Kinder fangen Mäuse», erklärt Gemeindeverwalter Beat Sägesser, der von einer «schönen Tradition» spricht. «Mäuse hätten wir schon, aber die Bauern haben keine Zeit mehr, sie zu fangen», konstatiert Lampenbergs Gemeindeverwalter Max Gysin. Seit zwei Jahren laufe sehr wenig. Budgetiert für abgegebene Mausschwänze seien 500 Franken, die heuer aber kaum ausgeschöpft würden, glaubt Gysin.

Von ihrem Angebot würde schon seit Längerem praktisch kein Gebrauch mehr gemacht, sagt Willy Fankhauser, der Gemeindeverwalter von Tenniken. Dort erhalten die Mausjäger von der Gemeinde einen Franken pro Schwanz. «Jährlich macht das 50 bis 100 Franken», rechnet Fankhauser vor. Durchschnittlich 150 Franken Mausgeld pro Jahr zahlt Liedertswil an seine Fänger aus. 2008 wurden laut Gemeindepräsidentin Sonja Gschwind aber keine Mausschwänze abgegeben.

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