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Nicht mehr Licht, sondern anderes

Zürichs nächtliches Gesicht wandelt sich. Bereits sind 15 Ideen vom Plan Lumière umgesetzt worden, weitere 15 harren noch der Ausführung. Projektleiter Stephan Bleuel ist überzeugt, dass die Neuerungen zu mehr Lebensqualität beitragen.

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Limmattaler Zeitung

Alfred Borter

Im Sommer 1999 reisten zwei Zürcher Gemeinderatskommissionen nach Lyon und kamen begeistert zurück: Zürich solle sich doch das dort verwirklichte Beleuchtungskonzept zum Vorbild nehmen, meinten sie. Im Auftrag des Amts für Städtebau und weiterer städtischer Amtsstellen erarbeitete das Zürcher Planungsbüro Feddersen & Klostermann in Zusammenarbeit mit dem französischen Lichtgestalter Roland Jéol den Plan Lumière für Zürich. Der Gemeinderat bewilligte einen Rahmenkredit von acht Millionen Franken.

Verborgene Qualitäten betonen

Wie Projektleiter Stephan Bleuel betont, geht es nicht darum, einfach mehr Gebäude anzustrahlen und mehr Licht auf Plätze zu bringen. Die Nacht soll nicht zum Tag werden. «Nicht mehr Licht, sondern anderes Licht», lautet seine Devise. Je nach Objekt geht man anders vor. «Mit Kunstlicht lassen sich städtebauliche oder architektonische Missgeschicke nicht beheben», gibt der studierte Architekt zu verstehen, «aber man kann verborgene Qualitäten sichtbar machen, Akzente setzen und Orte neu inszenieren.»

Schreiende Inszenierungen sind verpönt. Dass am Turbinenplatz mit Farben gearbeitet wird - sowohl die Fassaden der umliegenden Gebäude wie auch die im Boden versenkten Lichter sind in Rot, Gelb, Grün und Blau gehalten -, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass es sich hier um einen wichtigen Platz im aufstrebenden, zur Ausgangsmeile gehörenden Quartier Zürich West handelt. «Sonst halten wir uns daran, dass das Licht eher dezent in Erscheinung tritt», führt Bleuel aus. Und merkt an, das sei nicht darum so, weil eben noch ein zwinglianischer Geist in den Amtsräumen herrschen würde, sondern weil das einfach besser zu Zürich passe.

Zu den verwirklichten Vorhaben gehören etwa die Brücken an der Limmat, von der Quaibrücke bis zur Walchebrücke. Der Tessinerplatz erhielt eine neue Beleuchtung, der Stadelhoferplatz, der Lindenplatz in Altstetten, der Marktplatz in Oerlikon.

Nicht nur Schmuck

Das Echo auf die Neuerungen sei bisher sehr positiv gewesen, hält Bleuel fest. Auch die Vereinigung Dark Sky, die sich gegen Lichtverschmutzung einsetzt, ist erfreut über den Plan Lumière, denn es gehört zum Konzept, dass nicht der Himmel beleuchtet wird, sondern eben nur gerade das, was man ins rechte Licht rücken will. Und erfreut sind auch die ökologisch denkenden Menschen. Die neuen Beleuchtungen brauchen nämlich deutlich weniger Strom als die bisher verwendeten Scheinwerfer oder Glühbirnengirlanden.

Befriedigt sind auch die Sicherheitsexperten. Das Licht gemäss dem Plan Lumière soll nicht einfach eine Schmuckbeleuchtung sein, es dient auch der Sicherheit. Es sei wirklich nicht zu viel versprochen, wenn man ganz generell von einer Aufwertung für die Stadt spreche, die mit dem Plan Lumière einhergehe, meint Bleuel.

Besonders anspruchsvoll wird die Beleuchtung der Hardbrücke sein. «Ich freue mich, wenn dieses Projekt realisiert ist», sagt der Projektleiter.

Bisher kam es nur einmal vor, dass eine Installation abgebaut werden musste. Beim Bahnhof Affoltern hatte man vier Meter hohe Halme aufgestellt mit einem Licht an der Spitze, doch technische Probleme mit den Solarpanels führten dazu, dass alles schweren Herzens abgeräumt werden musste.

Die Beleuchtungsprojekte werden zu einem grossen Teil im Rahmen laufender Platzgestaltungs- und Brückensanierungsprojekte des Tiefbauamtes realisiert. So können Projektorganisation und Ressourcenaufwand schlank gehalten werden. Durch Rekursverfahren bei der Betonsanierung der Hardbrücke und wegen der zeitlichen Verschiebung einiger Platzneugestaltungen hat sich der Terminplan etwas verzögert. Bleuel geht aber davon aus, dass sämtliche 30 Plan-Lumière-Projekte bis 2012 fertig sein werden.

Noch ein paar weitere Ideen

Wenn die acht Millionen Franken aufgebraucht sind, werden Stadtrat und Gemeinderat entscheiden, ob die Idee weiter verfolgt wird, etwa indem man bestehende Beleuchtungsanlagen wie beim Grossmünster oder beim Rathaus auf das neue Konzept umrüstet. Bleuel hätte schon noch ein paar Ideen. Wenn er durch Zürich gehe, finde er durchaus noch Orte, wo es sich lohnen würde, mit ein paar Eingriffen für neue Lichterlebnisse zu sorgen. Aber er betont, es sei durchaus nicht
die Absicht, die ganze Stadt flächendeckend mit dem neuen Beleuchtungskonzept zu beglücken.