Fall Kachelmann
Nicht beweisbar, dass Kachelmanns Ex-Geliebte wissentlich falsch ausgesagt habe

Der Fernsehmoderator Jörg Kachelmann hat den Schadenersatz-Prozess gegen seine ehemalige Geliebte in erster Instanz verloren. Das Landgericht Frankfurt wies Kachelmanns Klage auf Ersatz von Gutachterkosten in Höhe von rund 13'000 Euro am Montag ab.

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Jürg Kachelmann und seine Ex-Geliebte: Nun hat er den Schadenersatz-Prozess gegen sie verloren.

Jürg Kachelmann und seine Ex-Geliebte: Nun hat er den Schadenersatz-Prozess gegen sie verloren.

Keystone

Der Fernsehmoderator Jörg Kachelmann hat den Schadenersatz-Prozess gegen seine ehemalige Geliebte in erster Instanz verloren. Zweieinhalb Jahre nachdem Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurde, wies das Landgericht Frankfurt am Montag im Zivilverfahren seine Klage auf Ersatz von Gutachterkosten ab.

Die Zivilkammer habe "nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen können", dass die Ex-Geliebte wissentlich falsch ausgesagt habe, hiess es zur Begründung. Kachelmanns Anwältin kündigte Berufung an.

Die Ex-Geliebte hatte den Schweizer Wetterexperten im Februar 2010 wegen Vergewaltigung angezeigt. Nach dem Freispruch im Strafprozess im Mai 2011 hatte Kachelmann vor dem Zivilgericht auf Ersatz von Gutachterkosten in Höhe von rund 13'000 Euro geklagt.

Beweislast liegt beim Kläger

Anders als im Strafprozess musste Kachelmann im Zivilverfahren allerdings selbst darlegen und beweisen, dass die ehemalige Partnerin bei ihren Vorwürfen die Unwahrheit gesagt hat. Dies ist ihm nicht gelungen.

Das Gericht habe beide Parteien angehört, sagte der Vorsitzende Richter. "Die Angaben standen sich im entscheidenden Kernbereich vollkommen unvereinbar gegenüber." Dem Gericht sei klar, dass Kachelmanns Ex-Freundin im Strafverfahren zu verschiedenen Punkten des Randgeschehens nachweislich falsche Angaben gemacht hatte.

Andererseits sei zu berücksichtigen, dass auch Kachelmann "in anderen Bereichen ein recht grosses Talent an den Tag gelegt hat, Scheinwirklichkeiten zu errichten".

Im Strafverfahren hatte das Landgericht Mannheim Kachelmann 2011 nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" freigesprochen - zugleich aber betont, dass dies nicht mit dem Nachweis einer falschen Beschuldigung durch die Ex-Partnerin verbunden sei.

Das Zivilgericht sei an die Feststellungen des Strafgerichts zwar nicht gebunden, sagte der Richter - aber auch "nicht so frei, dass wir ohne triftigen Grund diese Erkenntnisse unter den Tisch fallen lassen können".

Kachelmann will Fall weiterziehen

"Das Gericht hat den leichten Weg gewählt und den Standpunkt des Landgerichts Mannheim eingenommen", sagte Kachelmanns Anwältin nach der Verkündung. "Das Risiko einer solchen Entscheidung war uns bewusst." Das Landgericht habe angebotene Beweismittel nicht gewürdigt.

Kachelmann wolle "nichts anderes als eine Bestätigung durch ein deutsches Gericht, dass er zu Unrecht eines schlimmen Verbrechens bezichtigt wurde", sagte Kachelmanns Anwältin. Sie kündigte an, Rechtsmittel einzulegen.

Der Anwalt von Kachelmanns Ex-Geliebter bezeichnete die Entscheidung als richtig. Auch die Beweiswürdigung sei ordnungsgemäss erfolgt. "Unsere Mandantin ist sehr froh und sehr glücklich darüber, dass zumindest ein kleiner Sieg errungen worden ist auf dem Weg zur Gerechtigkeit."

Chronologie des Falls Kachelmann

Der Fall Kachelmann war einer der spektakulärsten Strafprozesse der vergangenen Jahre in Deutschland - und auch nach dem Freispruch für den Moderator hören die juristischen Streitigkeiten nicht auf. Ein Rückblick:

9. Februar 2010: Jörg Kachelmanns ehemalige Freundin, eine Radiomoderatorin, berichtet der Polizei, sie sei vom Schweizer Wettermoderator vergewaltigt worden. Dieser fliegt am selben Tag zu den Olympischen Spielen, bei seiner Rückkehr am 20. März wird er auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen und kommt in Untersuchungshaft.

19. Mai 2010: Die Staatsanwaltschaft Mannheim erhebt Anklage wegen des Verdachts der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und gefährlicher Körperverletzung.

29. Juli 2010: Das Oberlandesgericht Karlsruhe hebt den Haftbefehl gegen Kachelmann auf. Es bestehe kein dringender Tatverdacht.

6. September 2010: Der Prozess vor dem Landgericht Mannheim beginnt. Laut Staatsanwaltsanwaltschaft soll Kachelmann seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben.

20. Dezember 2010: Laut einem Experten des Landeskriminalamts waren weder an der Messerspitze noch am Rücken der Klinge DNA-Spuren.

9. März 2011: Kachelmann heiratet seine Freundin Miriam, eine Psychologie-Studentin.

31. März 2011: Zwei Staatsanwälte berichten, dass Kachelmanns Ex-Geliebte die Ermittler zunächst hartnäckig in einem Punkt belogen hat. Am Tatverdacht ändert das für die Staatsanwälte nichts.

31. Mai 2011: Freispruch - nach dem Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten". Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten, die Verteidigung Freispruch beantragt.

10. Oktober 2012: Das Landgericht Mannheim erlässt eine einstweilige Verfügung gegen den Vertrieb des Buchs von Jörg und Miriam Kachelmann, so lange die Ex-Geliebte mit vollem Namen genannt wird. Kurz darauf wird die Verfügung aufgehoben.

31. Oktober 2012: Kachelmann fordert in einem Zivilprozess vor dem Frankfurter Landgericht von seiner Ex-Partnerin mehr als 13'000 Euro Schadenersatz für Gutachten, mit denen er sich im Strafprozess verteidigt hat. Dieser und ein zweiter Gütetermin scheitern.

6. November 2012: Das Oberlandesgericht Köln bestätigt in einem Berufungsverfahren ein Verbot bestimmter Äusserungen von Kachelmanns Ex-Freundin.

19. März 2013: Der Bundesgerichtshof weist eine Klage Kachelmanns gegen einen Bericht über Details aus seinem Strafverfahren ab.

23. Dezember 2013: Im Zivilprozess weist das Landgericht Frankfurt Kachelmanns Klage auf Schadenersatz ab. (sda)

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