Aargauer Zeitung
«Nicht alle Schweizer sind Bergler»

Morgen werden Corine Thommen und Mirjam Schuler von der Stiftung Schweizer Jugend forscht in Basel für ihre Wettbewerbsarbeit ausgezeichnet. Sie haben sich mit der Schweizer Identität auseinandergesetzt.

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«Nicht alle Schweizer sind Bergler»

«Nicht alle Schweizer sind Bergler»

Daniel Wagner

«Chocolate, what else? – Analyse der Sichtweisen des In- und Auslands auf die Schweizer Identität». Mit dieser Wettbewerbsarbeit im Fachbereich Geschichte/Geografie/Gesellschaft haben Corine Thommen (19) aus Laufenburg und Mirjam Schuler (20) aus Buchs bewiesen, dass sich die Forschung nicht zwingend auf die naturwissenschaftlichen Fächer konzentrieren muss. Diese für den 44. nationalen Jungforscherwettbewerb eingereichte, an der Neuen Kantonsschule Aarau verfasste Maturaarbeit zeigt auf, wie Schweizer und im Ausland lebende Menschen unser Land wahrnehmen.

Interessiert an anderen Kulturen

Corine Thommen erklärt, weshalb sie zusammen mit Mirjam Schuler Fragen rund um die Schweizer Identität genauer beleuchten wollte: «Wir reisen beide viel und gern und sind an anderen Kulturen interessiert. Dabei kommen wir häufig in Kontakt mit den vorherrschenden Klischees und Vorurteilen über die Schweiz. Natürlich wissen wir, dass die Schweizer nicht alle in den Bergen wohnen und Ziegenmilch trinken, wie Heidi dies tut.» Mirjam Schuler fährt fort: «Unser Interesse am Fremden liess uns deshalb gezielt zurückschauen auf unser eigenes Land. Sollten wir nicht zuerst versuchen zu ergründen, was die Schweiz ausmacht, bevor wir dasselbe für andere Länder versuchen?»

Bildungsreisen haben die Jungforscherinnen entscheidend geprägt. Corine Thommen: «Ich gewann Erkenntnisse während meines Austauschjahres in Kanada. Dort trat ich sozusagen als lokale Vertreterin der Schweiz auf, konnte den Kanadiern die Schweiz etwas näher bringen und wurde gleichzeitig mit ihren Ansichten vertraut.» Mirjam Schuler nahm im Sommer 2008 zusammen mit weiteren 13 selektionierten Schweizern an einer UNO-Bildungsreise nach Nordamerika teil: «Auf dieser Reise repräsentierten wir die Schweiz aus unserer Perspektive.» Die beiden Jungforscherinnen erhofften sich mittels einer Umfrage aufschlussreiche Ergebnisse. Corine Thommen: «Die Befragung im Inland sollte die Sicht der Schweizer von sich selbst hervorbringen und ihre Identität näher beleuchten. Im Ausland interessierte das vorherrschende Bild, das Nichtschweizer von unserem Land haben.»

Vier Sprachen, eine Identität

Die Auswertung brachte interessante Fakten zutage: Trotz umstrittener Auslegung des Begriffs Neutralität scheint gerade die Neutralität aus in- und ausländischer Sicht wichtig zu sein für die Schweizer Identität. Bemerkenswertes fanden die Mittelschülerinnen über die Sprachenvielfalt als Identifikationsfaktor heraus. Corine Thommen: «Nationen definieren sich über eine gemeinsame Sprache. In der Schweiz ist genau das Gegenteil der Fall. Die Einheit findet sich in der Vielfalt wieder.» Als wirtschaftliche Standards und Symbole stabilisieren die Schokolade und die Banken das Bild der Schweiz.

In der wissenschaftlich fundiert aufgebauten Wettbewerbsarbeit ist ferner nachzulesen: «Die Schweizer identifizieren sich vor allem über politische Faktoren, welche die Schweiz markant vom Ausland abheben. Die Sprachenvielfalt, aber auch gesellschaftliche Werte wie Genauigkeit und Sauberkeit ergänzen diese Wahrnehmung. Das Bild der Schweiz im Ausland ist stark durch wirtschaftliche Standards und Marken geprägt.»

Eines der Highlights war das Interview mit dem Staatssekretär Dr. Michael Ambühl. Mirjam Schuler: «Ich hatte ihn anlässlich meiner UNO-Bildungsreise kennen gelernt. Ich denke, ohne diesen ersten persönlichen Kontakt in New York wäre dieses halbstündige Gespräch mit diesem hochrangigen und äusserst sympathischen Politiker nicht möglich geworden.» Corine Thommen betont, dass dieses Interview bewusst nach der Auswertung der Fragebögen stattgefunden hatte: «Wir nutzten die Gelegenheit, die Thematik und die gewonnenen Erkenntnisse mit gezielten Fragen noch zu vertiefen.»

Dereinst selber Diplomatin?

Beide Jungforscherinnen wurden durch diese Matura- und Wettbewerbsarbeit in ihren Studien- und Berufsplänen bestärkt: «Ich werde im Herbst mein Soziologiestudium an der Uni Zürich beginnen», sagt Corine Thommen. Für Mirjam Schuler stehen die internationalen Beziehungen im Fokus. Sie wird diese Studienrichtung in Genf einschlagen. Ob sie dereinst als Diplomatin arbeiten wird, ist allerdings noch offen.

www.sjf.ch

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