Basel
Nicht alle Partygänger kapierens

Mit der Absperrung der Erlenmattstrasse ab Mitternacht sollen die Anwohner Ruhe haben vor heimkehrenden Festbesuchern des nt-Areals. Viele Partygänger mussten am Wochenende einen ungewohnten Umweg nehmen.

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Erlenmattstrasse

Erlenmattstrasse

bz Basellandschaftliche Zeitung

Toprak Yerguz

Diese Bitte stellen viele Besucher des nt-Areals: «Kann ich nicht jetzt noch schnell durch?» Die Frage stellen auch jene drei junge Männer, die nichtsahnend die Erlenmattstrasse ansteuern. Sie stehen vor dem Eisentor, dahinter zwei Sicherheitsleute, die ihnen den Weg versperren.

Es ist kurz nach Mitternacht und wie für viele anderen gibt es auch für diese drei keine Ausnahme. Freundlich, aber bestimmt werden sie von den Sicherheitskräften auf einen der drei weiteren Zugänge verwiesen, die auf das nt-Areal führen. Die Erlenmattstrasse hingegen ist ab Mitternacht nur noch für die Anwohner zugänglich.

Lärmende Passanten unerwünscht.

Gegröle und Gejohle, manchmal auch ein Pinkler an die Hausfassade - die neuen Bewohner der Liegenschaften auf der Erlenmatt hatten nicht so viel Freude an den Leuten, die bis vor kurzem frühmorgens nach durchzechter Nacht lärmend durch die Erlenmattstrasse nach Hause kehrten. Damit soll nun dank der Sperrung Schluss sein. Viele Partygänger mussten sich am vergangenen Freitag zuerst an die neue Situation gewöhnen. «Es ist bloss ein anderer Weg aufs Areal», zuckt eine junge Frau mit den Achseln, nachdem sie vor dem Tor am Durchgang abgehalten worden ist. Sie glaube, dass sich die Besucher schnell daran gewöhnt haben werden. Es brauche nur ein paar Wochen für die Umstellung, bis es auch jeder wisse.

«Keine besonderen Vorfälle»

Noch konnte Marc Keller, Medienbeauftragter des Basler Bau- und Verkehrsdepartements, gestern keine Erfahrungsberichte zur Sperrung der Erlenmattstrasse vorlegen. Er sei zwar kurz vor Ort gewesen; für erste Ergebnisse müsse aber eine gründliche Evaluation stattfinden. Diese stellte er für heute oder morgen Dienstag in Aussicht. «Keine besonderen Vorfälle», hiess es indes beim Justiz- und Sicherheitsdepartement. Die Polizei sei weder am Freitag noch am Samstag an die Erlenmattstrasse gerufen worden, sagte Medienbeauftragter Klaus Mannhart. (ty)

Der Augenschein vor Ort am ersten Wochenende bestätigt: Noch ist die Nachricht von der Sperrung nicht bis zu jedem durchgedrungen. Die Sicherheitsleute haben alle Hände voll zu tun, um Aufklärung zu betreiben.

«Eigentlich ist es bisher problemlos verlaufen», sagt um drei Uhr morgens der ersten Nacht Viktor Schwendeler, Agenturleiter der Sicherheitsfirma VIP-Security. Er und seine fünf weiteren Mitarbeiter, die für die Durchsetzung der Sperrung verantwortlich sind, hätten unter den Jugendlichen lediglich etwas Unverständnis für die Massnahme gespürt. Möglicherweise könne es aber im weiteren Verlauf der Nacht zu mehr Problemen kommen, mutmasst Schwendeler, weil dann viele Feiernde wesentlich mehr Alkohol im Blut hätten.

Ein solcher, der sich mit gefährlicher Schlagseite vom nt-Areal entfernt, grölt den Sicherheitsleuten auf Höhe der Erlenmattstrasse spasseshalber zu: «Ich bin schuld, ich war laut letzte Woche.» Zur allgemeinen Erleichterung hat er sich jedoch bereits mit seinem neuen Heimweg abgefunden und setzt seinen schwankenden Gang in Richtung eines anderen Zugangs fort. «Es wird schon gehen», zeigt sich Schwendeler etwas später zuversichtlich. Seine Absicht sei, solange vor Ort zu bleiben, bis auch der Letzte das Areal verlassen habe.

Das ist um drei Uhr noch lange nicht der Fall. Das nt-Areal besitzt unter Basels Partygängern eine grosse Anziehungskraft. Viele Besucher haben den Heimweg noch nicht angetreten, zumal steter Nachschub aus der Stadt vom 1.-August-Feuerwerk eintrifft. Die Nacht wird für Schwendeler lang und länger.