Gefängnis
Neun Jahre Gefängnis für Sex-Täter

Der 45-jährige Verurteilte hatte während Jahren die Stieftochter aufs Schwerste sexuell missbraucht

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Sex-Täter

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Keystone

Regula Vogt-Kohler

Gerichtspräsident Jeremy Stephenson sprach von «einem der schlimmsten Fälle von sexuellem Missbrauch eines Kindes» in Basel. Wegen mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfacher Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung und mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind hat das Strafgericht einen 45-jährigen Mann zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt.

Der Angeklagte hatte bestritten, seine Stieftochter während rund acht Jahren sexuell missbraucht zu haben. Erst ab 2007 sei es zu sexuellem Kontakt gekommen; die Initiative dazu sei von der Stieftochter aus gegangen.

Weil der Angeklagte nur einen kleinen Teil der ihm vorgeworfenen Übergriffe eingestand, musste das Opfer an der Hauptverhandlung nochmals eine Befragung über sich ergehen lassen. Die heute 18-jährige Frau bestätigte dabei als Zeugin ihre früheren, den Stiefvater massiv belastenden Aussagen.

Begonnen habe es mit Berührungen im Intimbereich, als sie die zweite oder dritte Primarschulklasse besucht habe. Als Zehnjährige wandte sie sich an ihre Familie, man habe ihr aber nicht geglaubt. Die Mutter selbst gab zu, die Tochter geschlagen und ihr mit dem Kinderheim gedroht zu haben, falls sie so weitermachen würde.

Vom Freund unterstützt

Eine Zeitlang habe der Stiefvater sie in Ruhe gelassen, dann aber wieder angefangen. Die Intensität der Übergriffe, zu denen es in Abwesenheit der Mutter in der Wohnung der Familie kam, nahm zu bis zu mehrmals wöchentlich Geschlechtsverkehr. Diesmal schwieg sie. Sie habe gedacht, man würde ihr wieder nicht glauben, sagte sie. Die Frage des Gerichtspräsidenten, ob es Momente gegeben habe, in denen sie freiwillig zum Angeklagten gegangen sei, beantwortete sie mit nein.

Erst ihrem Freund vertraute sie sich an, obwohl sie befürchtete, er würde sie verlassen, wenn er Bescheid wüsste. Vom Freund und diesmal auch von der Familie unterstützt erstattete sie Anzeige. Seit Ende November 2008 sitzt der Stiefvater in Untersuchungshaft. Wie die Anklage stellte auch das Gericht auf die Aussagen des Opfers ab.

Der Angeklagte sei nicht besonders glaubwürdig, hielt der Gerichtspräsident in der mündlichen Begründung des Urteils fest. Als glaubwürdig beurteilte das Gericht hingegen die junge Frau: Die Schilderung ihrer Empfindungen sei sehr detailliert und einfühlsam gewesen. Dass sie am Schluss Suizidgedanken gehabt habe, sei durch einen Brief an den Angeklagten belegt.

Genugtuung von 40 000 Franken

Mit dem Strafmass von neun Jahren hat das Gericht den Antrag von Staatsanwältin Eva Eichenberger übernommen. Pflichtverteidiger Alexander Sami hatte gestützt auf die Aussagen des Angeklagten auf 18 Monate plädiert. Neben Schadenersatz hat das Gericht dem Opfer eine Genugtuung von 40 000 Franken zugesprochen. Eine spätere Erhöhung der Genugtuungssumme hat das Gericht ausdrücklich vorbehalten. Anträge der Verteidigung auf Einholung eines psychiatrischen Gutachtens zum Angeklagten und eines aussagepsychologischen Gutachtens zum Opfer lehnte das Gericht ab.

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