Neugestaltung der Bachläufe werten Roggenburg auf

Durch die Ausweitung des Bachbettes werden zwei Bäche in Roggenburg auch bei extremen Wetterlagen nicht mehr über die Ufer treten. Derzeit laufen die Umgestaltungsarbeiten.

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Heiner Leuthardt

Der Ritzigrundbach und spätere Baumgartenbach sowie der Oberstalbach sind zwei typische Jurabäche. Häufig sind sie trocken, aber bei starken Niederschlägen oder bei der Schneeschmelze schwellen sie schnell an und treten über ihre Ufer. Dabei überfluten sie angrenzende Fluren und erobern parallel verlaufende Wege als neues Bachbett. «Dabei schwemmen sie den Mergel weg und ziehen tiefe Furchen in den Weg», schildert Rolf Mosimann, stellvertretender Leiter Wasserbau beim Baselbieter Tiefbauamt, die Auswirkungen.

Überschwemmungen hat es immer wieder gegeben, doch sind sie gerade in den letzten Jahren stärker ausgefallen. Die vor dem Abschluss stehende Melioration in Roggenburg führte dazu, dass der Kanton die Bäche mit ihren Uferpartien übernimmt und deren Lauf umgestaltet, so dass sie selbst bei Hochwasser im Bett bleiben. Bei beiden Bächen ist das angestammte Gerinnsel bis zu 40 Zentimeter breit und ähnlich tief. «Jetzt wird dieses je nach Abschnitt und Möglichkeit bis auf 150 Zentimeter ausgeweitet und zusätzlich abgetieft», erklärt der beauftragte Planer Peter Jäckle. «Die Grabenbreite wird parallel dazu bis zu sechs Metern ausgeweitet.»

Kantonswechsel führte zu Unterbruch

Diese Arbeiten bildeten einen festen Bestandteil der laufenden Melioration, die in den 80er Jahren noch unter Bern begann. «Damals waren Ökologie und Gewässerschutz bei Landumlegungen noch kein Thema.» Der sich abzeichnende Kantonswechsel des Laufentals führte zu einem Stopp der Melioration, die ab 1994 fortgesetzt wurde. «Die Anpassung an die zwischenzeitlich neue Gesetzgebung brauchte Zeit», sagt Jäckle. Dazu gehört nun nicht nur die Ausscheidung von ökologisch wertvollen Flächen, sondern auch der Gewässerschutz. In verschiedenen Etappen wurden und werden nach der im Jahr 2006 rechtskräftig gewordenen neuen Landzuteilung verschiedene flankierende Massnahmen umgesetzt.

«Es sind dies zum Beispiel die Waldrandgestaltung, das Anlegen von Hecken, Baumpflanzaktionen und der Wasserbau», weiss Peter Jäckle. Beim rund zwei Kilometer langen Ritzigrund- und Baumgartenbach wird das Bett nicht einfach erweitert. Es laufen Diskussionen, ob er in seinem oberen Abschnitt wie bisher frei über eine Wiese laufen soll. Im mittleren Teil besteht eine Art Auenlandschaft, die durch die Bachgestaltung erhalten bleiben wird. «Diese Fläche hat die Wirkung eines Retentionsbeckens», erklärt Jäckle.

Die Ausscheidung von Landwirtschaftsland als Teil eines Gewässers führe oft zu Diskussionen, so auch in Roggenburg, doch habe man sich rasch einigen können. Durch die Abgabe des Bachbettes wird der frühere Anstösser auch von der Unterhaltspflicht befreit, zudem gehe man bei der Ausscheidung zurückhaltend vor. Positiv beurteilt der Roggenburger Gemeinderat Niggi Jeker die Arbeiten an den beiden Bächen: «Nebst dem Hochwasserschutz ist die Neugestaltung der Bachläufe auch eine Aufwertung des Erscheinungsbildes der Gemeinde.»

Die Arbeiten führt das Tiefbauamt durch, wobei die Bachsanierung auf rund 2,6 Kilometern, inklusive die Freilegung von 60 Meter eingedohltem Bachlauf auf Solothurner Boden, rund 400 000 Franken kostet.

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