Migrationskirchen
Neues Zuhause in der Fremde

Migrationskirchen bieten vielen Ausländern eine Heimat. Die reformierte Kirche hat nun die Situation dieser Gruppen untersucht.

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«Der Idealfall»

«Der Idealfall»

Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Manchmal ist es etwas laut, wenn sich die Miglieder der Berean Evangelical Church treffen. Doch das ist auch schon das einzige Problem, von dem David Schneeberger zu berichten hat, und es besteht wohl auch nicht mehr lange. «Bald gibt es neue Fenster», sagt der Pfarrer des Kirchenkreises Spiegel, der zur Kirchgemeinde Köniz gehört. So dürfen die Reklamationen aus der Nachbarschaft abklingen.

Bei der direkten Zusammenarbeit zwischen den Reformierten vom Spiegel und den etwa 50 Christen aus Äthiopien und Eritrea, die der «Church» angehören, herrscht aber ein ungetrübtes Verhältnis. «Wir fühlen uns gut aufgenommen», sagt Pfarrer Berhanu Chernet. Der Eritreer war bei der Gründung der Kirche im Jahr 2003 dabei. Und auch Schneeberger hat die Entwicklungen seither mitgemacht. So seien Vertrauen und Freundschaft gewachsen.

Herausforderung und Chance

Die Berean Evangelical Church darf die Räume der Kirchgemeinde benützen - ohne Miete zu bezahlen. Auch finanzielle Unterstützung erhält sie, und die Mitglieder, die fast alle als Asylsuchende in die Schweiz gekommen sind, erhalten bei Bedarf juristische Beratung und andere Hilfeleistungen, etwa in der Sprache. Dafür helfen sie etwa beim Kirchenbasar mit.

«Das ist der Idealfall», sagt Sabine Jaggi zur Situation im Spiegel. Sie ist Co-Autorin einer Broschüre zu Migrationskirchen im Gebiet der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso), die eben unter dem Namen «Gottes Volk hat viele Farben» erschienen ist. Für die reformierte Kirchen bedeuten diese Migrationskirchen «Herausforderung und Chance», so stehts im Untertitel.

«Man könnte viel von Migrationskirchen lernen», sagt Pia Grossholz, Vizepräsidentin des Synodalrats der Refbejuso. Und sei es, dass ein Gottesdienst zweieinhalb Stunden dauern kann.
Jedenfalls will die Synode, also das Kirchenparlament, ihr Verhältnis zu Migrationskirchen klären. Im Winter wird ihr ein Lagebericht vorgestellt. Ein Beschluss soll gefällt werden, inwiefern die Reformierte Kirche Migrationskirchen unterstützen und begleiten soll.

Konservativer als Reformierte

«Migrationskirchen sind in der Regel Neugründungen», sagt Grossholz. In der Regel sind sie in Städten beheimatet und richten sich an Menschen mit gemeinsamer Herkunft oder Sprache. «Der Wohnsitz ist, anders als bei uns, nicht entscheidend.»

Beim Zählen kam Jaggi auf etwa 50 Migrationskirchen, bei denen rund 5000 Personen ein und ausgehen. «Sie gehören im weitesten Sinn zur reformatorischen Familie», sagt Jaggi. Die konfessionelle Identität sei oft fliessend. «Theologisch sind sie aber eher konservativer als die reformierte Kirche.»

Es gibt wohl noch einige Migrantenkirchen mehr als die erfassten. Es sei schwierig, sie aufzuspüren, sagt Jaggi. Bekannt werden sie oft dadurch, dass sie Räumlichkeiten suchen und bei Kirchgemeinden anklopfen. Es ist eines der grössten Probleme, dass diese Kirchen kennen.

«Wir möchten die Kirchgemeinden ermuntern, ihnen Räume zur Verfügung zu stellen», sagt Grossholz. La Vigne de Berne etwa nutzt die Räume eines chinesischen Restaurants, und das geht nur an den Wochenenden. Dann ist es geschlossen.
Broschüre: www.refbejuso.ch

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