Giftmülldeponie
Neuer Stoff für Deponie-Diskussion

Im Muttenzer Auhafen existiere eine vierte Giftmülldeponie, welche der Kanton bisher verheimlicht habe, sagt das Trinkwasserforum. Falsch, entgegnet der Kanton.

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Giftmülldeponie

Giftmülldeponie

Aargauer Zeitung

Birgit Günter

Gefährdungsgrad: gross. Inhalt: Industrieabfälle, Ölschlämme, Aushub. Dies steht im Baselbieter Deponiekataster über die Deponie Auboden, welche im Muttenzer Auhafen im Gewässerschutzbereich liegt. Das Forum besorgter Trinkwasserkonsumentinnen (FbTK) hat dies gestern enthüllt. Damit käme zu den bisher bekannten Deponien Feldreben, Margelacker und Rothausstrasse noch eine vierte dazu.

«Die Deponie Auboden ist gleich neben dem Gelände der Hardwasser AG», kritisiert FbTK-Präsidentin Katharina Aellen. «Sie verschmutzt darum mit grosser Wahrscheinlichkeit das Trinkwasser der Hardwasser AG für 200 000 Menschen in der Stadt und Agglomeration Basel.» Sie beruft sich dabei auch auf eine vertrauliche Studie, welche vor zwei Wochen an die Medien gelangt war.

Diese besagt, dass die im Grundwasser gefundenen Schadstoffe grösstenteils auf die Deponien zurückgehen und nicht auf das Rheinwasser. «Die Messstellen, die dem Auhafen am nächsten liegen, sind in der Tat am stärksten mit Tetrachlorethen, Trichlorethen und Dichlorbenzol belastet», berichtet Aellen.

Der Kanton sieht dies aber anders. Die vom Trinkwasserforum «enthüllte» Deponie Auboden sei heute keine Deponie mehr: «Der Deponiekataster ist aus den 1980er-Jahren und damit veraltet», sagt Alberto Isenburg, Leiter des Amtes für Umweltschutz und Energie (AUE). Damals habe man erstmals alle potenziell gefährlichen Standorte erhoben und mangels tieferen Kenntnissen präventiv als gefährlich bezeichnet.

«In der Zwischenzeit hat man den Bereich jedoch genauer untersucht. Er gilt jetzt zwar als ‹belasteter Standort›, aber ‹ohne Sanierungsbedarf›», erklärt er. Die Parzelle werde nun bebaut; auch habe das Baugesuch für das Firmengebäude die Umweltverträglichkeitsprüfung bestanden. «Der Auboden gilt nicht mehr als Deponie», wiederholt Isenburg.

Doch die Exponenten des Trinkwasserforums lassen das so nicht gelten. Grundsätzlich finden sie es bedenklich, dass der Kanton solche Dokumente unter Verschluss halte. «Wir fordern darum, dass endlich alle Dokumente offen gelegt werden», sagt Aellen. Patrizia Bernasconi, Vorstandsmitglied des FbTK, doppelt nach: «Die Informationspolitik des AUE ist sehr, sehr, sehr zögerlich.»

Doch auch hier widerspricht Alberto Isenburg: «Wir haben bereits vor zwei Jahren die Öffentlichkeit darüber informiert, dass es rings um den Hardwald zig Quellen gibt für Verschmutzungen - dazu gehören auch Schadensfälle wie der Sandozbrand. Und auf der Karte war auch der Auboden als belasteter Standort ausgewiesen.»

Der Kanton könne jedoch nicht alle vermutlich belasteten Standorte im Kanton Baselland - rund 3000, davon ein paar Dutzend rund um den Hardwald - öffentlich machen, bevor diese eingehend untersucht seien. «Das wäre den Grundeigentümern gegenüber unfair, weil eine solche Parzelle natürlich stark an Wert

verliert», erklärt Isenburg. Die Grundeigentümer selbst seien jedoch informiert worden. Und: Der Kanton plane, einen entsprechenden Kataster nach eingehenden Prüfungen in ein paar Jahren auch ins Internet zu stellen, wie dies bereits in Basel-Stadt der Fall ist. «Bei uns dauert das eben länger, weil unsere Fläche viel grösser ist», sagt der AUE-Leiter.

Doch bereits jetzt könne jeder und jede beim AUE vorbeikommen und die Dokumente einsehen, betont er. Ausserdem werde der Kanton am 24. Juni über Berichte und Analysen informieren - darunter auch über den «Zwischenbericht», der vor zwei Wochen öffentlich geworden war.