Kraftwerk Laufenburg
Neue Stockzähne für die Schiffschleuse

Rund 250 Schiffe passieren Jahr für Jahr die Schiffschleuse beim Kraftwerk in Laufenburg. Die Anlage musste wegen Unterhaltsarbeiten ausser Betrieb gesetzt werden. Unter anderem waren auch die so genannten Stockzähne (Holzdichtungen) ersetzt worden.

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Kraftwerk Laufenburg

Kraftwerk Laufenburg

Aargauer Zeitung

100 Jahre KW Laufenburg

Nach der Firmengründung im Jahr 1908 wurde 1909 mit dem Bau des Kraftwerks Laufenburg begonnen. Nach fünfjähriger Bauzeit (bis 1914) ging das Werk im Oktober 1914 in Betrieb. Mit einer Leistung von 40 Megawatt (MW) war es zu jener Zeit die leistungsstärkste Stromproduktionsanlage in Europa mit einer Jahresleistung von 310 Millionen Kilowattstunden (kWh) der 10 eingebauten Francis-Maschinen-Gruppen. Aufgrund des rasch steigenden Energiebedarfs wurde das Kraftwerk Laufenburg schon Ende der 1920er-Jahre erstmals ausgebaut. Weitere Modernisierungen erfolgten kontinuierlich in den darauf folgenden Jahren. Auf dem neusten Stand der Technik ist das KW Laufenburg nach dem Umbau von 1988 bis 1992, wo 10 Straflo-Turbinen eingebaut wurden mit einer installierten Leistung von 106 Megawatt bei einer Ausbauwassermenge von 1,355 Kubikmeter pro Sekunde. Die Fallhöhe variiert zwischen 8,4 und 10,1 Metern. Die mittlere Jahresproduktion liegt bei 700 Millionen kWh.Die Energiedienst Holding AG, die Nachfolgegesellschaft der Kraftwerk Laufenburg AG, propagiert Naturenergie aus Wasserkraft. Die Energiedienst-Gruppe beliefert mehr als 750 000 Menschen mit Strom und energienahen Dienstleistungen. Das sind fast 300 000 Privat- und Gewerbekunden, über 2500 Geschäftskunden und 20 weiterverteilende kommunale Strombezüger auf einer Fläche von 3830 Quadratkilometern in der Schweiz und im angrenzenden Gebiet von Baden-Württemberg (Deutschland). Rund 7,8 Milliarden Kilowattstunden Strom wurden 2008 verkauft, was ein Wachstum der Gesamtleistung um 8 Prozent bedeutete. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei rund 760 Personen. Zur Unternehmensgruppe der Energiedienst Holding AG (EDH) gehören die Enalpin AG, die Energiedienst AG (ED AG), die Energiedienst Netze GmbH (EDN) und die Naturenergie AG. Die EDH ist eine Tochtergesellschaft der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) in Karlsruhe. (chr)

Wer schon mit Pontonieren auf dem Rhein unterwegs war oder eine Ausflugsfahrt mit dem Personenschiff MS «Stadt Laufenburg» unternommen hat, kann sich bestimmt an die Schleusung beim Kraftwerk Laufenburg erinnern, wo bei der Staustufe das Gefälle zwischen Ober- und Unterwasser mittels dieser Einrichtung überwunden werden kann. Von Januar bis April war die Schleuse wegen Unterhaltsarbeiten gesperrt. Jedoch rechtzeitig zum Saisonbeginn 2009 der Ausflugsschifffahrt ist sie jetzt wieder in Betrieb.

Betriebssicherheit erhöht

Alle 10 bis 15 Jahre erhält die 30 Meter lange und 12 Meter breite Schiffschleuse einen neuen Korrosionsschutz, doch eine Rundumsanierung stand bisher aus. «1982 wurde lediglich die elektrische Steuerung erneuert», erinnert sich Franz Merkofer vom Energiedienst (Nachfolgefirma des Kraftwerks Laufenburg). Da nicht mehr alle Ersatzteile zur Verfügung stehen und überdies die Betriebssicherheit erhöht werden sollte, musste die Schleuse erneut umgebaut werden. Die jetzt installierte Steuerung arbeitet digital und ist hochmodern per Touchscreen zu bedienen. Geplant und programmiert hat sie Martin Kluger, der dafür eigens geschult wurde.

Neue Bremsen und Stockzähne

Auch die Bremsen an den Windwerkgetrieben mussten dringend ausgetauscht werden, da sie über 5 Jahrzehnte auf dem Buckel hatten. 8 Bremsen, jeweils 4 ober- und unterwasserseitig, wurden ersetzt. Während der insgesamt 4 Monate dauernden Arbeiten wurde zudem eine Fernsignalisation der Schleusensperrung beim Wehrabfluss installiert.

Recht aufwändig gestaltete sich der Austausch der Stockzähne. So bezeichnet man die Holzabschlussdichtungen der Unterhaupt-Schütze. Rund 2 Kubikmeter dieser Eichenholz-Bauteile wurden hergestellt und eingebaut. «Stockzähne heissen die Blöcke aus Stirnholz wohl deshalb, weil sie an Backenzähne erinnern», erklärte Urs Lattmann. Den kompletten Umbau bewerkstelligten die Energiedienstmitarbeiter aus den Bereichen Mechanik, Werkdienst und Elektrik.

Böse Überraschung

Erst im Verlauf der Arbeiten gab es dann noch eine böse Überraschung, die für Mehraufwand sorgte: Eine Schürze - die seitliche Abdichtung der Schütze, die aus einem abgewinkelten Blech mit geschraubten Bronze-Dichtleisten besteht - war gerissen. Dieses schmale, mehrere Meter lange Stahlteil musste neu angefertigt und vor Ort eingepasst werden.

Den Zeitplan konnten die Kraftwerksmitarbeiter dennoch einhalten, denn nun heisst es für die Schifffahrt wieder: «In rund 20 Minuten am Kraftwerk vorbei.» (ed)

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