Radon
Neue Kanti Aarau: Strömt Edelgas in Schlagzeugraum?

Eine Schulklasse hat im Physik-Unterricht in einem Schulzimmer im Keller erhöhte radioaktive Werte festgestellt. Jetzt prüft das Amt für Verbraucherschutz, ob eine Gesundheitsgefährdung vorliegt.

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Toni Widmer

Im Physikunterricht an der Neuen Kanti Aarau war Radioaktivität das Thema. Schülerinnen und Schüler gingen im Schulhaus auf Messtour. Im Keller schlug das Strahlenmessgerät aus, es wird erhöhte Radioaktivität vermutet. Der Kanton hat umgehend eine offizielle Messung in die Wege geleitet.

Rauchen gefährlicher als Radon

Kein sehr grosses Gesundheitsrisiko in der Schweiz. Radon ist - wissenschaftlich erklärt - ein gasförmiges, radioaktives Element, das beim Zerfall von Radium in der Erde entsteht. Das Ausgangselement für die Radon-Zerfallsreihe ist Uran. Radon-Atome steigen durch den Boden auf und gelangen in die Luft. Im Freien ist das völlig ungefährlich und in Häusern gesundheitsgefährdend, wenn es in einer Konzentration von über 1000 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) auftritt. Dann können die radioaktiven Atome, die über die Atemwege aufgenommen werden, das Lungengewebe bestrahlen und zu Lungenkrebs führen. Das Risiko, im Aargau, als Folge einer zu hohen Dosis Radon zu sterben, ist vergleichsweise gering. Raucher setzen sich deutlich höheren Gefahren aus. Dennoch: Weil in der Schweiz immerhin etwa 8,5 Prozent aller Lungenkrebsfälle auf eine erhöhte Radonbelastung zurückgeführt werden, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schon in den 90er-Jahren reagiert und in Zusammenarbeit mit den Kantonen Messkampagnen lanciert. Der Aargau misst seit 1993 regelmässig in den Wintermonaten. Zurzeit konzentriert man sich dabei laut Eva Bantelmann, der Radon-Spezialistin vom Amt für Verbraucherschutz, auf die Messung von besonders gefährdeten Objekten. In Häusern, die über keinen Keller oder einen Naturkeller verfügen, in Häusern an Hängen sowie in solchen mit bewohnten Räumen im Untergeschoss werden erfahrungsgemäss am ehesten höhere Radon-Konzentrationen gemessen. Die Teilnahme der Bevölkerung an den Messkampagnen der Kantone beruht auf Freiwilligkeit. Nähere Informationen zum Thema auch auf www.admin.ch/bag. (to)

Im Erdboden gibt es Uran. Wenn dieses zerfällt, entsteht über eine Reihe von Folgeprodukten Radium und daraus das Edelgas Radon. Dieses ist zwar radioaktiv, für Lebewesen in der Regel aber nur gefährlich, wenn es in zu hohen Dosierungen vorkommt (siehe Text rechts). Konzentrieren kann sich Radon in Kellerräumen, wo es gelegentlich vom Untergrund her eintritt.

Eine überhöhte Konzentration von Radon wird jetzt in einem als Schlagzeugraum genutzten Zimmer im Untergeschoss der Neuen Kanti Aarau vermutet. «Eine Klasse hat sich im Physik-Unterricht mit dem Thema Radioaktivität befasst und dabei Messungen im Schulhaus vorgenommen. Im Keller ist dabei ein erhöhter Wert festgestellt worden. Darauf haben wir unverzüglich reagiert und sicherheitshalber die zuständige Stelle des Kantons eingeschaltet», erklärt Daniel Franz, Pro-Rektor und zuständig für Infrastruktur in der Neuen Kanti.

Messung nur rudimentär

Die Messung der Schulkasse, betont Franz, hätten nur rudimentären Charakter: «Das verwendete Gerät sowie die angewandte Messmethode lassen keine effektiven Schlüsse über die Radonwerte im besagten Schlagzeugraum zu. Es ist jetzt Sache des Kantons, eine offizielle Messung vorzunehmen. Sollten sich die erhöhten Werte bestätigen, werden wir mit dem Kanton das weitere Vorgehen besprechen.»

Die Sache betreut Eva Bantelmann von der Unterabteilung Chemiesicherheit im Amt für Verbraucherschutz. Sie ist die Radon-Spezialistin im Kanton und weiss über das Thema bestens Bescheid.

Aargau kein Radon-Kanton

«Radon ist ein natürliches Gas, das überall vorkommt. Zu einer Gesundheitsgefährdung, konkret zu einem erhöhten Lungenkrebs-Risiko, führt es aber nur, wenn jemand über längere Zeit einer erhöhten Radonkonzentration ausgesetzt ist. Auch wenn sich die erhöhten Werte im Schulzimmer bestätigen sollten, können wir davon ausgehen, dass Schülerinnen und Schüler nicht gefährdet waren, weil sie sich nur kurze Zeit in diesem Raum aufgehalten haben.»

Der Aargau, erklärt Eva Bantelmann vorab, sei kein Radon-Kanton: «Wir führen im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) seit 1993 regelmässig Radon-Messungen durch. Seither haben wir gesamthaft 3750 Liegenschaften erfasst, für 3600 liegen die Resultate vor. In den vergangenen 16 Jahren sind nur in 10 Fällen Grenzwertüberschreitungen der Radonkonzentration in Wohnräumen festgestellt worden. Diese Häuser wurden saniert.»

Sanierung meist problemlos

Auch die Sanierung ist laut der kantonalen Expertin kein Problem. Das Gas ströme vermehrt in den Wintermonaten in Häuser ein, weil diese dann beheizt würden. Durch den Kamineffekt (warme Luft steigt nach oben) entstehe ein leichter Unterdruck in den Kellerräumen und so werde Radon aus dem Boden gezogen. Das Problem lasse sich meist schon mit einem speziellen Ventilator beseitigen, der einen Überdruck erzeuge.

Manchmal sei es bereits ausreichend allfällige Risse im Mauerwerk oder Öffnungen von Rohrdurchführungen abzudichten. Am aufwendigsten wäre der Einbau eines Spezialbodens. Auch in der Neuen Kanti Aarau ist demzufolge bei einem positiven Radon-Befund - die Resultate werden nächste Woche erwartet - kaum mit einem hohen Sanierungsaufwand zu rechnen.

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