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Neue Ideen für sichere Skipisten

Komplexe Konstruktion: Fritz Bircher (r.), ein Student und der Burgdorfer Skiroboter.

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Komplexe Konstruktion: Fritz Bircher (r.), ein Student und der Burgdorfer Skiroboter.

An der Fachhochschule Burgdorf wurde der erste Skiroboter der Schweiz entwickelt. Noch steht er etwas unsicher auf den Beinen. Einsatzbereit sind aber Synchron-Ski.

Johannes Reichen

Jeden Winter gibt es in der Schweiz etwa 70 000 Unfälle auf den Skipisten. Stärker als Snowboarder sind immer noch Skifahrer betroffen. Zwar sinkt das Risiko für jeden einzelnen Fahrer leicht, doch die Kosten, die Schneesportunfälle verursachen, sind immens.

An der Fachhochschule Burgdorf wurden gestern zwei Neuheiten präsentiert, die in Zukunft dafür sorgen könnten, dass Skifahren ein wenig sicherer wird: Ein Skitroboter und Snowrails. Das Prinzip der neuartigen Ski: Herkömmliche Carvingkski werden mit zwei beweglichen Latten verbunden. So liegen die Ski stets parallel und immer im gleichen Winkel zum Hang. Die Spitzen können nicht mehr auseinanderdriften, kreuzen ist unmöglich, Kantenfehler werden so vermieden.

«Man fährt damit wie auf Schienen», sagt der Erfinder, Ulo Gertsch, der in Steffisburg die Snow Rails Company betreibt. Am kommenden Montag gelangen die Ski in den Verkauf, für den Start wurden 100 Stück gefertigt. Die Ski stammen von einem Hersteller im Wallis, die Kupplungsstücke werden in
Uetendorf fabriziert. In wenigen Jahren, so hofft und glaubt Gertsch, sollen es Tausende sein.

Innovationen nötig

Die letzte Revolution im Skisport liegt noch nicht lange zurück; seither fahren praktisch alle Carvingski. «Doch der Zenit ist überschritten», sagt Gertsch. Innovationen seien aber nötig, um die Renditen der hohen Investitionen im Wintersport zu gewährleisten. Sein neuer Ski verspreche «neue Fahrerlebnisse», und ausserdem trage er der Unfallverhütung Rechnung. Durch die Synchronisierung der Ski würden hoch komplexe Interaktionen zwischen Gehirn, Sinnesorganen, Muskeln und Bändern stark vereinfacht. Damit könnten die häufigsten Fahrfehler eliminiert werden.

Mit einer Anfrage bei der Fachhochschule Burgdorf löste Gertsch vor vier Jahren auch noch gleich ein Forschungsprojekt aus. Jetzt hat der von der Abteilung Elektrotechnik konstruierte Skiroboter die ersten Fahrten schon hinter sich.

80 Kilogramm schwer ist der Roboter, er hat einen Materialwert von gegen 50 000 Franken, und er wurde von Fachhochschulstudenten entwickelt. Es gebe weltweit keinen zweiten Skiroboter, der für wissenschaftliche Zwecke gebaut wurde und fast menschliche Grösse besitzt, sagt Professor Fritz Bircher. «In Japan gibt es Modelle, die funktionieren, aber sie sind wesentlich kleiner.»

Ins Gleichgewicht bringen

Am schwierigsten sei es, das Gleichgewicht zu regeln, sagt Bircher, der in Madiswil lebt. Es könne noch ein bis zwei Jahre dauern, bis dies zufriedenstellend gelinge. Doch der Roboter fährt und kurvt, zumindest wenn das Gelände nicht allzu steil und die Geschwindigkeit nicht zu hoch ist.

Dereinst sollen mit dem Roboter, so hofft Bircher, Fahrsituationen generiert und untersucht werden, die Stürze und Unfälle verursachen. «Speziell interessieren uns die Kräfteverläufe, welche zum Verkanten oder anderen Stürzen führen.» Bis es der Roboter aber mit den Skicracks aufnehmen kann, dürften gemäss Bircher noch 40 bis 50 Jahre vergehen.

Für weniger Unfälle

Auch die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt Suva ist erfreut über diese Entwicklung und unterstützt das Burgdorfer Projekt. Und auch von den neuen Snowrails erhofft sich Edith Müller, Leiterin Schneesportkampagnen bei der Suva, eine positive Wirkung auf die Unfallzahlen. «Diese Ski sind auf jeden Fall kräftesparend, und die Ansprüche an die Sensomotorik sind geringer», sagt sie. Das könne durchaus dazu beitragen, dass weniger Unfälle passierten.

Meistens sind es selbstverschuldete Stürze, die für die Fahrer manchmal im Spital enden - oder in der Werkstatt. Denn auch der in Burgdorf entwickelte Roboter hat schon eine Panne hinter sich. Bei der gestrigen Filmvorführung einer Abfahrt wurde das Video plötzlich ausgeblendet. Sonst hätte man sehen können, sagte Fritz Bircher, wie der Roboter einen üblen Unfall erleidet.

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