Deponie Kölliken

Neue Halle unter dem Rekorddach

Sondermüll Deponie Kölliken (SMDK). Am 07. Dezember 2009.

Neue Halle unter dem Rekorddach

Sondermüll Deponie Kölliken (SMDK). Am 07. Dezember 2009.

Aufbau statt Rückbau in Kölliken heisst die Devise bis Mitte 2010. Unter der riesigen Gitterkuppel entsteht die Manipulationshalle, zur Aufteilung der noch 450 000 Tonnen Sondermüll.

Hans Lüthi

Der Stillstand von neun Monaten war schon immer eingeplant, denn die Manipulationshalle ist eine Halle in der Halle. Doch vor ihrem Aufbau mussten 158000 Tonnen Material aus der Sondermülldeponie entfernt werden. Nur 94000 Tonnen davon waren wirkliche Sonderabfälle, der Rest harmlose Abdeckung und Deponiesohle. Seit die bei der Planung nicht eingerechneten 82000 Tonnen Kehrichtschlacke rechnerisch zum Vorschein gekommen sind, hat sich die Gesamtmenge auf 608000 Tonnen erhöht. Das ist nicht nur mit zusätzlichen Kosten zulasten des Konsortiums SMDK (siehe Kasten) verbunden, es verlängert auch den ohnehin mit Verspätung behafteten Zeitplan.

Im Konzept schon inbegriffen

Rund 103 Millionen Franken haben die gesamten Kölliker Riesenhallen gekostet, der laufende Umbau am östlichen Rand der Deponie ist weitgehend im Preis inbegriffen. Die Kosten sind darum kaum der Rede wert, weil sie den Rückbau nicht stark verteuern, aber massiv erleichtern. Denn in der Manipulationshalle wird das kontaminierte Material nach der Analyse vorsortiert und in Boxen zwischengelagert. Dieser Teil der Halle wie auch die Abbauhalle gelten als Schwarzbereich, in dem nur mit Schutzanzug und Masken oder in den luftdichten Kabinen der Fahrzeuge gearbeitet werden darf. Die Abfälle werden nach der Zuordnung in Container abgefüllt, die via Schleusen in den weissen und damit sauberen Teil der neuen Halle transportiert werden. Von hier aus geht es weiter in die Lagerhalle, für den Abtransport zur Entsorgung ins In- und Ausland. «In ausländischen Untertagedeponien oder Sondermüllöfen gehen 60 Prozent, tendenziell eher mehr», sagt SMDK-Geschäftsführer Jean-Louis Tardent.

Unter erschwerten Bedingungen

Unter dem Dach der grössten stützfreien Halle im Land sind die Dimensionen ebenfalls gigantisch – genau so wie beim Blick von der nahen Autobahn. Allein die Manipulationshalle hat eine Bodenfläche von 8000 Quadratmetern, die jetzt mit einer 25 Zentimeter dicken Betonplatte versehen wird. Noch ist es zur 5000 Quadratmeter grossen Lagerhalle hin offen, in der schon drei Gleise für den späteren Bahnanschluss eingebaut sind. Das nun noch rückzubauende eigentliche Deponiegelände hat die Fläche von 33000 Quadratmetern, die Sonderabfälle reichen 14 Meter hoch bis unters Dach.

Ungewöhnlich an diesem Hochbau ist die Tatsache, dass der Bauunternehmer keinen Kran einsetzen kann. Denn: Die riesigen Bogentragwerke und die heruntergehängte Decke verhindern dies. Die Reinigung der Halle – Wände, Tragwerke, Leitungen – nach dem Ende der ersten Etappe erfolgte noch in Schutzanzügen und mit Schutzmasken. Jetzt aber ist das Gelände sauber und präsentiert sich wie ein normaler Bauplatz, Lastwagen und Bagger zirkulieren, Eisenleger sind an der Arbeit, eine Motorsäge kreischt. Die Luft ist staubig, es riecht von Diesel, denn die Luftreinigungsanlage ist ausser Betrieb. Mit Plastikfolien ist der angebrochene Deponieberg Richtung Westen hermetisch abgedeckt, Drainagen leiten das Wasser in die hauseigene Kläranlage.

Mediation bis Ende Januar

Für das Konzept des Hauptrückbaus ist derzeit vieles in der Schwebe, bis das laufende Mediationsverfahren unter der Leitung von Katastrophen-bewältiger Franz Steinegger Ende Januar abgeschlossen sein wird. Gestritten wird um die Aufteilung der Mehrkosten und der Folgen des zu langsamen Rückbaus. Nur noch 250 bis 400 Tonnen täglich sind nach dem Zwangsstillstand durch die Arge Phönix rückgebaut und entsorgt worden. «Für die zweite Phase rechnen wir weiterhin mit durchschnittlich 500 Tonnen im Tag, wie es im Werkvertrag steht», betont Tardent. Selbst wenn dieses Ziel ab Mitte 2010 erreicht wird, ist die Deponie nicht vor Ende 2013 geräumt – ein Jahr später als im ursprünglichen Zeitplan. Ob es noch länger dauert, muss die Mediation klären.

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