Ferienheim Amt Fraubrunnen

Naht das Ende aller Abenteuer?

Ferienheim Schönried: Es hat schon vielen Jugendlichen unvergessliche Erlebnisse beschert, nun soll es verkauft werden. (Bild: ZVG)

Ferienheim Amt Fraubrunnen in Schönried

Ferienheim Schönried: Es hat schon vielen Jugendlichen unvergessliche Erlebnisse beschert, nun soll es verkauft werden. (Bild: ZVG)

Bätterkinden und Utzenstorf wehren sich geeint dagegen, dass die Residenz des Vereins Ferienheim Amt Fraubrunnen, inklusive der 40 000 Quadratmeter grossen Parzelle in Schönried ganz oder teilverkauft wird. Am 13. Oktober fällt der Entscheid.

Marisa Cordeiro

Jahrzehntelang hat das Ferienheim in Schönried unzähligen Jugendlichen aus dem Amt Fraubrunnen unvergessliche Erlebnisse beschert. Viele der inzwischen erwachsen Gewordenen erinnern sich wohl noch heute gerne daran zurück. Doch diese Ära könnte nun zu Ende gehen. Am 13. Oktober entscheidet der Verein nämlich, ob die Ferienresidenz verkauft wird.

Ursprünglich wollte der Verein nur etwas Land veräussern, sagt Vereinspräsident Walter Bandi. Erste Verhandlungen mit Initianten einer Luxusklinik scheiterten aber. Nun gibt es einen neuen Interessenten: Es ist die in Gstaad ortsansässige Privatschule Le Rosey mit Sitz in Rolle. Sie hat dem Verein folgende Angebote unterbreitet: 25 Millionen Franken für die 40 000 Quadratmeter grosse Parzelle inklusive Heim, oder: 21,815 Millionen Franken für einen Teilkauf.

Bei Letzterem würden 5000 Quadratmeter Land abparzelliert. Mit dem Verkauf verbunden ist, dass das Ferienheim abgebrochen und bei einem Teilverkauf für bis zu fünf Millionen Franken anderswo wieder erstellt wird. Das Institut beabsichtigt, auf dem dortigen Gelände seine Schulanlagen zu errichten.

Unterschiedliche Ausgangslage

Genau dieses Geschäft scheint nun den gut 60-jährigen Verein zu spalten. Die Ausgangslage der Gemeinden an der Unteren Emme sei von jenen der Gemeinden ab Fraubrunnen aufwärts völlig verschieden, sagt der Utzenstorfer Gemeinderatspräsident Adrian Burren (SVP). «Für uns ist das Ferienheim eine intakte Institution mit stets gutem Jahresergebnis.»

Die Schulen der hiesigen Gemeinden würden das Ferienheim gut belegen, die übrigen Gemeinden jedoch kaum - und das sei der Unterschied.

Dem widerspricht Elsbeth Maring-Walther (SP), Gemeindepräsidentin von Münchenbuchsee, nicht. «Bei uns wird das Heim kaum mehr genutzt.» Für die bisherigen freiwilligen Sommer- respektive Skilager seien die Anmeldungen stetig zurückgegangen.

Ausserdem werde der Ort für die Landschul- oder Schneesportwoche inzwischen lieber themenspezifisch ausgesucht. Auch wenn sie selber mit dem Verkauf Mühe habe, sagt Maring-Walther: «Es ist nicht unsere Aufgabe, das Ferienheim zu unterhalten.»

Chancen sind klein, aber intakt

Man wolle den Jugendlichen die unbezahlbaren Erlebnisse nicht nehmen, sagt Burren weiter. Ausserdem sei das Angebot für die Lage und den umgerechneten Landpreis zu günstig. Dieser Ansicht ist auch der Gemeinderat von Bätterkinden.

In einem offenen Brief fügt er weiter an, dass es wenig Sinn mache, Land an dieser Lage in Schönried zum heutigen Zeitpunkt und erst noch «einer renommierten Privatschule für gut betuchte Eltern» zu verkaufen. Solches Land sei für die einheimische Bevölkerung, für Wohnbauten in Reserve zu halten.

Ob das Heim verkauft wird, zeigt sich an der ausserordentlichen Vereinsversammlung vom 13. Oktober. Laut Vereinspräsident Bandi werden voraussichtlich Fraubrunnen, Jegenstorf und Münchenbuchsee sowohl dem Teil- als auch dem Gesamtverkauf zustimmen.

Zusammen besitzen sie 30 Stimmen, was bereits mehr als die Hälfte ist. Wenn Bätterkinden und Utzenstorf - sie haben zusammen 12 Stimmen - Unterstützung von den weiteren neun kleinen Gemeinden erhalten (alle je eine Stimme), sei etwa ein Totalverkauf längst nicht sicher.

Zwar reiche für den Teilverkauf das Einfache Mehr. Für den Totalverkauf aber sei eine Zweidrittelsmehrheit nötig. Eine Prognose ob Total-, Teil- oder gar kein Verkauf wagt er deshalb nicht. Im Falle eines Teilverkaufs sei jedenfalls eine neue Diskussion lanciert, sagt Bandi: «In welchem Standard das Heim allenfalls wieder errichtet wird.» Das sei zumindest bisher so kommuniziert worden, dass das Heim bei einem Teilverkauf für bis zu fünf Millionen Franken wieder erstellt werden soll.

«Erst ruhig Blut bewahren»

Ob die Gemeinden an der Unteren Emme ihr Heimferien-Angebot verlieren, ist ungewiss. «Vorerst bewahren wir ruhig Blut», sagt Burren. Bis alles über die Bühne ist, das heisst, bis der Kaufpreis fällig wird, dürfte es unter Umständen noch Jahre dauern. Schliesslich habe auch das Volk der Gemeinde Saanen bei der Zonenplanrevision und der Baubewilligung noch ein Wort mitzureden.

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