FC Aarau

Nadel im australischen Heuhaufen

Der FC Aarau testet seit Mittwoch vier Offensivspieler. Ein Australier, ein Gambier, ein Nigerianer und ein Montenegriner. Die vier kämpfen beim FC Aarau um einen Vertrag – zwei genügen den Ansprüchen nicht.

François Schmid-Bechtel

Wie entdeckt man eine Perle? Indem man tief taucht. Der FC Aarau ist auf der Suche nach Verstärkungen für die Offensive sehr tief getaucht. Bis nach Australien. Doch eine Perle hat er dort nicht gefunden. Es käme auch einem Märchen gleich, wenn sich ausgerechnet ein Spieler aus der zweithöchsten australischen Liga - in Australien gilt nur die A-League als Profiliga - als Juwel entpuppen würde. Dabei kam die Referenz gerüchteweise von kompetenter Seite. Wynton Rufer, ehemaliger Weltklassestürmer bei Aarau, GC und Werder Bremen soll der FCA-Chefetage Eli Squillacioti empfohlen haben. Doch schon nach einem ersten Training und einem internen Testspiel ist klar: Der Australier ist nicht die Nadel im Heuhaufen, die der FC Aarau sucht. Von einer Perle ganz zu schweigen - zu unbeweglich, zu langsam, technisch zu limitiert.

Neben Squillacioti testet der FCA seit gestern auch die Offensivspieler Ajdin Mahmutovic, Modou Jagne und Ikechukwu Kalu. Mahmutovic (23), montenegrinisch-deutscher Doppelbürger, hat bis 15 in der Nähe von Friedrichshafen gelebt. Letzte Saison stürmte er für FK Teplice in der höchsten Liga Tschechiens. In 24 Spielen erzielte er fünf Treffer, was nicht auf überdurchschnittliche Skorerqualitäten schliessen lässt. Der erste Eindruck bestätigt diese These. Mahmutovic fehlen Rhythmus, Fitness und taktisches Verständnis, um den FCA zu verstärken.

Dopingsünder Jagne

Einen wesentlich stärkeren Eindruck haben die beiden Afrikaner Jagne und Kalu hinterlassen. Der 26-jährige Jagne, eher ein Vorbereiter als ein Vollstrecker, war während der letzten drei Jahren in Österreich engagiert. Nach einem guten Start in der Saison 2006/07 beim SC Rheindorf Altach (24 Spiele/3 Tore) hing der 4-fache gambische Internationale durch. Der Grund dafür liegt wohl in einem positiven Dopingtest. Am 10. November 2006 wurde Jagne im Training positiv auf Cannabis getestet. Der Spieler gab den Konsum zu, verzichtete auf eine B-Probe und kam um eine Sperre herum, weil das Verfahren eingestellt wurde. Denn die Fifa-Bestimmungen sehen für den Konsum von Cannabis nur dann eine Strafe vor, wenn dieser im Zusammenhang mit einem Wettkampf erfolgt.

Im letzten Winter löste er seinen Vertrag mit dem SC Rheindorf Altach auf, um bei Austria Kärnten seine Karriere neu zu lancieren. Doch daraus wird wohl nichts. Beim Saisonauftakt (1:3 gegen den SC Magna Wiener Neustadt) kam er nicht zum Einsatz. Seine neue Hoffnung heisst nun FC Aarau. Der technisch starke Jagne muss aber noch mehr Engagement zeigen, um sich aufzudrängen.

Der vierte und bekannteste Testspieler ist Ikechukwu Kalu. Noch steht der 25-jährige Nigerianer bei der AC Bellinzona unter Vertrag. Doch die Tessiner scheinen nicht mehr auf Kalu zu setzen. Dabei galt der 1,70 Meter grosse Stürmer einst als grosses Versprechen, als eine Perle des afrikanischen Fussballs. So verliess er schon 1999 seine Heimat und heuerte bei der AC Milan an.

Später sicherte sich Sampdoria Genua die Rechte an Kalu. Doch den Durchbruch in der Serie A schaffte er nie. Kalu brachte es lediglich auf fünf Einsätze, ehe er vor einem Jahr zur AC Bellinzona transferiert wurde. FCA-Trainer Jeff Saibene sagt: «Kalu ist ein interessanter Mann. Er hat mit Bellinzona gegen uns stets für viel Wirbel gesorgt.» So auch gestern. Kalu ist zwar kein Skorer, aber ein Passeur mit Durchsetzungsvermögen.

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