Nackte und Schmetterlinge auf Friedhöfen

Moderne Grabmäler stossen in der Region Baden auf Widerstand. Die AZ Freiamt hat sich auf Friedhöfen in der Region umgesehen und dabei moderne und ausgefallene Grabmäler entdeckt. Die Gemeinden sind unterschiedlich tolerant.

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Grabsteine im Freiamt
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Grabsteine im Freiamt
Grabsteine im Freiamt
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Grabsteine im Freiamt
Grabsteine im Freiamt
Grabsteine im Freiamt

Grabsteine im Freiamt

Aargauer Zeitung

Dino Nodari

Inmitten von herkömmlichen Grabsteinen thront in Bremgarten eine Plastik einer nackten Frau auf einem Stein. Züchtiger geht es in der Nachbargemeinde Zufikon zu und her. Da scheint ein blauer Schmetterling gerade von einem Grabmal abzuheben. Moderne und aussergewöhnliche Grabsteine liegen im Trend, das bestätigt der Dottiker Gemeindeschreiber Ernst Gisi. Die erst kürzlich auf dem Bremgarter Friedhof aufgestellte laszive Plastik einer Frau habe im Beurteilungsgremium viel zu reden gegeben, erklärt Bremgartens Stadtschreiber Rolf Küng. «Es brauchte mehrere Anläufe, bis die Figur bewilligt wurde.» Küng kann sich trotzdem vorstellen, dass diese Form eines Grabsteines Reaktionen auslösen könne.

Ein Gedächtniszeichen

Die Friedhofreglemente im Freiamt ähneln sich in ihren Wortlauten zum Teil stark. «Das Grabmal ist ein Gedächtniszeichen, welches die Erinnerung an den Verstorbenen wachhält», heisst es etwa in den Reglementen von Bettwil und Aristau. Das bedeutet aber nicht, dass alles erlaubt ist und dass alle Reglemente gleich sind. In Bettwil sind alle Werkstoffe zugelassen, die sich ästhetisch in die Gesamtwirkung des Friedhofs einfügen, in Waltenschwil sind dagegen nur die Materialien Naturstein, Holz, Schmiedeisen und Bronze gestattet. Noch genauer ist das Reglement der Gemeinde Oberwil-Lieli. Da sind Porträtdarstellungen, Fotografien und auffällige bemalte Inschriften verboten.

«Vorschriften gestrichen»

Sehr grosszügig zeigt sich dagegen die Gemeinde Dottikon. «Ausser den Massvorschriften haben wir praktisch alle Einschränkungen gestrichen», erklärt Gemeindeschreiber Ernst Gisi. In Dottikon sieht man auf dem Friedhof deshalb auch Bilder und Statuen. Obschon es auch schon Vorwürfe von Bildhauern gegeben habe, wolle die Gemeinde aber den Willen der Hinterbliebenen respektieren, sagt Ernst Gisi. Es sei ihm nicht bewusst, dass die Gemeinde schon einmal ein Grabmal habe ablehnen müssen. Einzig von der Grösse her hätten einige Grabmale reduziert werden müssen.

Wer ein Grabmal aufstellen will, muss bei den Gemeinden ein Gesuch mit einer Skizze des Grabsteins einreichen. Die Gemeinden prüfen die Übereinstimmung mit dem Reglement und entscheiden über das Gesuch.