Jörg Meier

Das hatten wir doch schon mal, vor ziemlich genau einem Jahr: Regisseur Urs Odermatt sucht tausend nackte Statistinnen für einen «Kunstevent» in der Turnhalle Villigen: Für eine Traumszene in seinem Film «Der böse Onkel» soll die Turnhalle mit den tausend nackten Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren gefüllt werden; Hauptfigur Armin wird auf einer Sänfte über die nackte Körperlandschaft getragen. So war das vor einem Jahr geplant . Dann wurde der Dreh allerdings kurzfristig abgesagt.

So ist es auch jetzt wieder. Nachdem es letztes Jahr noch nicht geklappt hat, wagt Odermatt einen zweiten Versuch. Diesmal sind «Freidenkerinnen und weibliche Freigeister, Lockere und Lässige, Blonde und Nichtblonde, Kleine und Grosse» auf den 9. Mai nach Villigen zum Dreh in die Turnhalle geladen.

Inzwischen hat Odermatt offensichtlich dazugelernt. Nachdem er vor einem Jahr die Nackten noch eher unter der Hand und zum Teil auch über einschlägige Internetseiten gesucht hatte, ist diesmal die Medienarbeit professionell und flächendeckend. Er bediente so ziemlich alle Medien in der Schweiz und im grenznahen Ausland mit dem Aufruf, lieferte Informationen zu seinem Film, und er lädt auch gleich noch zur Medienkonferenz am 9. Mai nach Villigen ein; allerdings gibt es dann keine freie Sicht auf die Statistinnen.

Die Medienoffensive hat Erfolg. Kaum eine Zeitung, die gestern die Statistinnensuche nicht vermeldet hat, sogar das konservative «Vaterland» in Liechtenstein übernahm Odermatts Aufruf. Mag sein, dass auch am 9. Mai die Szene in der Turnhalle in Villigen nicht gedreht werden kann, weil sich einfach keine tausend nackte Frauen finden lassen. Was aber nicht weiter schlimm wäre: Die Aktion ist beste Werbung für den Film und sie ist erst noch gratis.

joerg.meier@azag.ch