Orchester

Nachwuchs fehlt im Korps

BM Chocolat Frey: Hans Baur spielt die Tuba (2. Reihe rechts). (mas)

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BM Chocolat Frey: Hans Baur spielt die Tuba (2. Reihe rechts). (mas)

In den 70er- und 80er-Jahren galten firmeneigene Orchester als Visitenkarte. Heute sind sie ein Auslaufmodell. Die Betriebsmusik der Chocolat Frey blickt auf 40 Jahre Musizieren zurück.

Manuela Schaer

Vor knapp zwei Wochen spielte das Blasorchester am Weihnachtsessen der pensionierten Chocolat-Frey-Mitarbeiter. Rund 40 Jahre sind vergangen, seit sich am 19. Dezember 1969 die Betriebsmusik erstmals formierte. Als Überraschung traten sie damals an der Jahresabschlussfeier zu acht auf.

Erst sechs Jahre später und auf Wunsch des damaligen Direktors, Ernst Schärer, sorgten erneut fünf Musikanten für das musikalische Programm am Weihnachtsanlass. Hans Baur aus Aarau arbeitete bis zur Pension als Betriebshygieniker bei der Chocolat Frey und war von Anfang an der Aktuar der Betriebsmusik: «Das Weihnachtsfest 1975 war ein voller Erfolg», erinnert er sich, «wir hatten zwei hübsche Mitarbeiterinnen im Minijupe dabei, die als Majoretten ihre Baguettes zum Marsch wirbelten.» So begann die 40-jährige Geschichte der Betriebsmusik Chocolat Frey.

Die Visitenkarte der Firma

66 Musikantinnen und Musikanten spielten für das Orchester. Die einen blieben dabei, andere verliessen die Gruppe. Heute treffen sich die 18 Mitglieder noch alle 14 Tage zum Proben. Darunter sind längst nicht mehr nur Interne. «Wie in allen Vereinen fehlt es auch bei uns an Nachwuchs», sagt Baur. In der jetzigen Formation spielt eine Trompetistin, alle anderen Mitglieder sind männlich und gegen 60. Ihr Repertoire umfasst über 100 Titel vom Marsch bis zum Walzer.

In den 40 Jahren gab die Betriebsmusik 115 interne und 127 auswärtige Konzerte. «Früher waren wir die Visitenkarte der Firma. Dem hohen Besuch der Direktoren durften wir den Marsch blasen», erzählt Baur stolz. Nebst Auftritten in den eigenen Räumen spielte das Orchester bei Eröffnungen neuer Migros-Filialen vom Tessin bis an den Genfersee, an Jubiläumsfeiern und an Feierabendkonzerten in Alters- und Pflegeheimen.

Als Höhepunkt nennt Baur den Auftritt im Schweizer Fernsehen bei «Öisi Musig» mit dem beliebten Moderator Wysel Gyr. Besonders eindrücklich sei die Fahnenabgabe des Füsilier-Bataillons 60 im Aarauer Schachen gewesen, als sie die Nationalhymne für die Soldaten spielten.

Bezug zum Betrieb lässt nach

Sämtliche Fotos, Zeitungsartikel und Jahresberichte klebte Baur akribisch in zwei Alben ein. Erinnerungen hat er viele. Die Zukunft der Betriebsmusik Chocolat Frey ist jedoch ungewiss. Obwohl sie bereits Konzertanfragen für nächstes Jahr hätten, müsse der Verein diskutieren, ob sie weiterhin noch gemeinsam musizieren wollten. Baur führt aus, dass nebst dem fehlenden Nachwuchs die Aktiven immer älter würden und der Bezug zum Betrieb nachlasse.

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