Freiamt
Nachtsperre für Freiämter Schulen?

In der Stadt Bern wurde eine Nachtsperre auf Schulareals eingeführt. Im Freiamt ist dies trotz Sprayereien, eingeworfenen Scheiben und Flaschen kein Thema.

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Freiämter Schulen

Freiämter Schulen

Aargauer Zeitung

Andrea Marthaler

Im Freiamt gibt es keine Nachtsperre auf Schularealen, wie sie in anderen Gemeinden bereits existiert und in der Stadt Bern jetzt flächendeckend eingeführt wurde (siehe update). Auch geplant ist solch ein Verbot an keiner Schule. Probleme mit nächtlichen Treffen von Jugendlichen kennen aber auch die Freiämter Schulleiter. Meist hinterlassen die Jugendlichen Abfall. An manchen Orten wurden aber bereits Scheiben eingeschlagen oder Hausfassaden besprayt. Deshalb will man handeln. Allerdings nicht mit einem Betretungsverbot in der Nacht.

In Wohlen treffen sich nachts immer wieder Jugendliche auf dem Pausenplatz. Sie trinken Alkohol und hinterlassen die leeren Flaschen. «Littering ist in Wohlen ein grosses Thema», sagt Rolf Stadler, Schulleiter der Oberstufe Bünzmatt. Zwischen Weihnachten und Neujahr blieb es allerdings nicht beim Abfall. Beim Schulhaus Bünzmatt wurden Bierflaschen durchs Fenster geworfen, die Scheiben gingen in die Brüche.

In Wohlen will man handeln

«Anders als früher treffen sich die Jugendlichen heute zu jeder Tages- und Nachtzeit auf den Schulanlagen. Insbesondere sind sie an den Wochenenden noch sehr spät, respektive früh- morgens dort», erklärt Stadler. Am nächsten Tag türmt sich dann der Abfall und Sachen sind kaputt. Dies bedeutet Arbeit für den Hauswart, andererseits aber auch Kosten.
In Wohlen will man nicht mehr länger zusehen. Die Schule Wohlen berät gemeinsam mit der Schulpflege und der Regionalpolizei in einer Arbeitsgruppe, welche Massnahmen durchgesetzt werden sollen. Bis Anfang des nächsten Schuljahres sollen Massnahmen folgen. Eine Nachtsperre kommt für Stadler aber nicht in Frage. «Bisher haben wir dies nicht ins Auge gefasst.» Schwierig wäre auch dessen Umsetzung. Bei den grossen und verwinkelten Schulanlagen in Wohlen wäre die Polizei überfordert. Und Securitaspersonal anzustellen, wie dies in der Stadt Bern gemacht wurde, ist schlicht zu teuer.

In Muri fördert man den Dialog

«Securitas auf dem Schulgelände wäre wie mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen», argumentiert Christina Elsässer, Gesamtschulleiterin von Muri. Von einem Nachtverbot hält sie nichts. «Das Schulareal ist ein öffentlicher Raum. Irgendwo müssen sich die Jugendlichen aufhalten dürfen.» Würde ein Verbot ausgesprochen, geht Elsässer davon aus, dass sich die Szene verlagert. Viel besser als neue Reglemente sei der Dialog mit den Schülern. Gibt es Reklamationen, wird die Thematik direkt in den Klassen angesprochen.
Trotzdem überlegt man sich in Muri, ob es weitere Schritte braucht. Elsässer befürwortet insbesondere die Lösung, welche in Davos getroffen wurde. Dort gibt es auf dem Schulgelände suchtmittelfreie Zonen, in denen weder geraucht noch Alkohol getrunken werden darf. Mit dieser Kampagne gegen Suchtmittel könnte man auch das Abfallproblem, das insbesondere aus leeren Bierflaschen besteht, in den Griff bekommen.

Bremgarten plant Kameras

Alkohol ist auch in Bremgarten das grösste Problem. An den Montagen liegen regelmässig Scherben kaputter Flaschen auf dem Pausenplatz. Rückstände von Alcopops kleben auf dem Boden und manchmal ist die Fassade verschmutzt. Deshalb will die Schule Bremgarten jetzt drei Videokameras auf dem Schulgelände installieren, bereits auf den kommenden Frühling sind diese geplant.
Ein Nachtverbot steht aber auch in Bremgarten nicht zur Diskussion. «Persönlich würde ich es nicht begrüssen», sagt der Schulleiter Daniel Burg. «Die Anlagen müssen genutzt werden können.» Bevor eine Nachtsperre diskutiert wird, brauchte es andere Schritte, wie zum Beispiel eine aufsuchende Jugendarbeit. Bereits heute wird auf den Dialog gesetzt. «Wenn ich nachts unterwegs bin, spreche ich Jugendliche an», betont Burg. «Bereits ein minimer Kontakt wirkt positiv. Dann wird ihnen bewusst, dass jemand ihre Sauerei aufräumen muss.»

In Mutschellen wird gesprayt

Mit dem Aufräumen hat man sich in der Kreisschule Mutschellen abgefunden. Immer wieder ist das Schulhaus versprayt und der Platz durch Abfall verschmutzt. «Wir gehen den Verschmutzungen nach und ziehen die Person zur Rechenschaft», sagt Guido Wirth, Schulleiter der Sek- und Realschule. Ist der Verursacher nicht bekannt, wird die Schweinerei möglichst schnell beseitigt, damit keine Nachahmetäter auf dieselbe Idee kommen.
Der Zustand sei aber nicht besorgniserregend, sodass zum jetzigen Zeitpunkt keine Massnahmen geplant sind. «Wir nehmen eine gewisse Verschmutzung in Kauf. Denn wir können den Jugendlichen keinen alternativen Platz bieten», betont Wirth. Bis 18 Uhr sei das Schulareal für die Schule da und nachher ist es ein öffentliches Areal, welches als Begegnungszentrum genutzt wird.

Nächte in Sins kein Problem

Weniger Probleme mit Verschmutzungen durch herumlungernde Jugendliche gibt es in der Schule Sins. «Die Jugendlichen treffen sich nicht unbedingt auf dem Schulareal, sondern an anderen Orten im Dorf», sagt der Schulleiter der Oberstufe, Roland Birrer.
Die Schule ist daher nur am Rande von Verschmutzungen betroffen. Und wenn, eher in den Sommermonaten. Nach lauen Sommernächten kann es schon mal sein, dass Abfall herumliegt. «Aber nicht so, dass Massnahmen ergriffen werden müssten», wie Birrer betont.