Sandro Zimmerli

Soll die Glocke der reformierten Kirche Weiningen wie bisher die ganze Nacht hindurch läuten oder ist es wünschenswert den Glockenschlag zwischen den Abendstunden und dem Morgengrauen zu unterbrechen? Diese Frage beschäftigt derzeit die Weininger Kirchenpflege. In der aktuellen Ausgabe des Kirchgemeindeblattes hat sie eine Umfrage lanciert, um von ihren Mitgliedern eine Meinung zu diesem Thema zu erhalten. Der Grund für diese aussergewöhnliche Aktion hat mit dem Verstummen der Kirchenglocke vor einigen Wochen zu tun. Damals musste der Läutcomputer an der Kirche einer Revision unterzogen werden. Für einige Tage und Nächte blieb es still in der Weininger Kirche - und im Dorf. Bei der Kirchenpflege gingen daraufhin einzelne, zum Teil kontroverse Rückmeldungen ein.

«Offensichtlich verfolgen die Weininger das Glockengeläut der Kirche aufmerksam. Verschiedene Leute erkundigten sich bei uns, warum die Glocke nicht mehr läutet. Sie vermissten ihren Klang», sagt Barbara Haller, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Weiningen.

Glocke wurde vermisst

Daneben seien aber auch Anfragen an die Kirchenpflege gerichtet worden, ob man den Glockenklang aus Lärmschutzgründen künftig während der Nacht reduzieren könne. «Wir waren überrascht über diese gegensätzlichen Meinungen. Weil wir beide Anliegen ernst nehmen wollen, haben wir uns entschieden diese Umfrage durchzuführen», erklärt Haller. Bislang lägen aber noch keine Ergebnisse vor. Sobald dies geschehen sei, werde die Kirchenpflege über das weitere Vorgehen beraten.

Dass das Kirchenglockengeläut immer wieder Anlass zu Diskussionen gibt, ist nicht neu und gilt auch für das Limmattal. Wie eine Umfrage bei anderen Kirchgemeinde in der Region zeigt, werden die Kirchenglocken dort aber meist positiv wahrgenommen. «Es ist höchst selten, dass bei uns Beschwerden eingehen. Wir erhalten umgekehrt immer wieder Briefe, wenn unsere Glocken abgeschaltet werden müssen oder die Kirchenuhr nicht läuft. Dann vermissen die Menschen etwas», sagt Peter Lissa vom Gemeindedienst der reformierten Kirche Oberengstringen. Möglicherweise seien Beschwerden deshalb Mangelware, weil in Oberengstringen die Glocke nur zwischen 6.15 Uhr und 21.30 Uhr schlage und in der Nacht ruhig sei. Eine Umfrage dränge sich daher nicht auf.

Ähnliches gibt es aus Dietikon und Urdorf zu berichten. Laut Monika Benedikt, Leiterin des Sekretariats der katholischen Kirche St. Agatha, habe sich in den letzten sieben Jahren nur ein Mal eine Person über den Lärm beschwert. Gar keine Reklamationen sind bei der reformierten Kirche in Urdorf eingegangen, wie Lisbeth Boos vom Gemeindesekretariat erklärt.

Glockengeläut ist Alltagslärm

So freundlich, wie im Limmattal geht es aber nicht überall zu und her. «Wir hören immer wieder von Klagen im Zusammenhang mit Kirchenglocken», sagt Daniela Kauf von der Fachstelle Lärmschutz des Kantons Zürich. Oft stehe dabei die Nachtruhe im Mittelpunkt des Streites, wobei dieser nicht selten vor Gericht ende.

«Allerdings», so Kauf, «ist es oftmals schwierig zu entscheiden, ob die Nachtruhe durch das Glockengeläut gestört ist.» Dies liege an der geltenden Rechtsordnung. «Glockengeläut gilt als Alltagslärm. Deshalb sind in der Lärmschutzverordnung keine Grenzwerte festgelegt. Die Lärmemissionen von Kirchen werden daher vom Umweltschutzgesetz erfasst», erklärt Kauf. Dort heisse es dazu jedoch nur, dass die Bevölkerung ganz allgemein durch den Lärm von Anlagen in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich gestört werden dürfe. Daneben regle die jeweilige Polizeiordnung der Gemeinden, welche Ruhezeiten zu beachten seien.

«Ob eine Ruhestörung vorliegt, muss in jedem Fall einzeln abgeklärt werden. Wir raten Personen, die sich durch Kirchenglocken gestört fühlen, zuerst den Kontakt mit der jeweiligen Kirchgemeinde zu suchen», hält Kauf fest. Gerichtsverhandlungen könnten unter Umständen sehr teuer werden. «Das Vorgehen der Kirchgemeinde Weiningen ist deshalb beispielhaft.»