Nachtärzte
«Nachtärzte machen nichts besser, aber sie sind ausgeruhter»

Eine 24-Stunden-Präsenz von Hausärzten ist nicht mehr zeitgemäss, sagt der Präsident des Ärzteverbands der Bezirke Zürich und Dietikon. Die Limmattaler Ärzte übergeben ihren nächtlichen Pikettdienst spezialisierten Nachtärzten.

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Beat de Roche

Beat de Roche

Schweiz am Sonntag

Von Jürg Krebs

Die Limmattaler Hausärzte werden auf 2010 ihren Pikettdienst zwischen 22 und 7 Uhr einstellen und den Stadtzürcher Nachtärzten übertragen. Auf den gleichen Zeitpunkt hin soll am Spital Limmattal eine von Hausärzten betriebene Notfallpraxis eingeführt werden. Dies meldete Zürimed, der Ärzteverband der Bezirke Zürich und Dietikon, diese Woche. Zürimed-Präsident Beat de Roche nimmt zu den Neuerungen Stellung.

Herr de Roche, die Ärzte des Bezirks Dietikon wollen den nächtlichen Pikettdienst an eine darauf spezialisierte Organisation abgeben. Warum?

Beat de Roche: Die Pflicht, in der Nacht für Notfälle bereit zu sein und am kommenden Tag wieder Patientinnen und Patienten in der Praxis zu betreuen, stellt eine grosse Belastung dar. In einem ersten Schritt übernehmen deshalb die in der Stadt Zürich bereits seit längerem für die Bezirksgesellschaft tätigen Nachtärzte den nächtlichen Pikettdienst im Limmattal. Ob Bedarf für eine Zusammenarbeit mit einer bestehenden Organisation besteht, wird sich erst noch weisen.

Welche Vorteile bringt dies den Limmattaler Ärzten?

Die Entlastung in der Nacht bedeutet vor allem Lebensqualität, und es kann dazu führen, dass wieder vermehrt Kolleginnen und Kollegen sich entscheiden, Hausärztin oder Hausarzt zu werden. Die Belastung im Notfalldienst stellt einen nicht unwesentlichen Grund dar, weshalb ein zunehmender Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten besteht.

Was machen die Nachtärzte besser?

Sie machen nichts besser. Sie sind einfach ausgeruhter und motivierter, weil sie tagsüber nicht noch einen Praxisbetrieb führen.

Am Spital Limmattal entsteht eine von Hausärzten betreute Notfallpraxis. Was bringt sie den Patienten?

Weniger schwere Notfälle können in der Notfallpraxis schneller und abschliessend behandelt werden, und die Notfallstation des Spitals kann sich den schweren Notfällen widmen, die eine aufwändige Infrastruktur benötigen.

Ist die Notfallpraxis das probate Mittel, um an Spitäler verlorene Patienten zurückzugewinnen?

Es stellt nur eine Möglichkeit dar, die Bevölkerung auf die Kompetenzen der Hausärztinnen und Hausärzte bei Notfällen aufmerksam zu machen. Gute Erfahrungen können dazu führen, dass Patientinnen und Patienten vermehrt zuerst ihren Hausarzt oder ihre Hausärztin aufsuchen oder eine andere Institution, etwa eine Quartierpraxis, eine Permanence oder Walk-in-Praxis.

Die Notfallpraxis hilft im Gesundheitssystem Kosten sparen. Stimmen Sie zu?

Es gibt Hinweise, dass die Behandlung in einer Notfallstation mit einer teuren Infrastruktur mehr Kosten verursacht als die Behandlung durch einen Hausarzt oder eine Hausärztin. Diese Frage wird im Zusammenhang mit der Notfallpraxis im Stadtspital Waid zurzeit wissenschaftlich geprüft.

Die Abgabe des Pikettdienstes und die Notfallpraxis sind Ausdruck der sich verändernden Rahmenbedingungen für Hausärzte. Welche Veränderungen stehen Ihrer Meinung nach an?

Die Forderung, dass Hausärztinnen und Hausärzte 24 Stunden rund um die Uhr präsent sind, entspricht nicht mehr den heutigen Gegebenheiten. Patientinnen und Patienten erwarten eine Behandlung durch eine kompetente und motivierte Fachperson, welche mit den Hausärztinnen und Hausärzten eng zusammenarbeitet. Diese sind bereit, ihren Beitrag zu einem zeitgemässen und für alle attraktiven Notfalldienst zu leisten, wobei die neu entstehenden Angebote in eine solche Organisation einbezogen werden müssen.

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