Hexenhaus

Nachruf aufs Hexenhaus

Hexenhaus: Inzwischen hat das Gebäude den Campus-Treppen Platz gemacht.

Hexenhaus Windisch

Hexenhaus: Inzwischen hat das Gebäude den Campus-Treppen Platz gemacht.

Besonders schön ist es nicht und seine Tage sind gezählt: Das Haus unterhalb der grünen Hallerbauten der Fachhochschule, am Weg zum Bahnhof, muss der neuen Treppengestaltung weichen.

Barbara Stüssi-Lauterburg

«Hexenhaus» wird das Gebäude im offiziellen Abbruchgesuch der Bauherrschaft, des Kantons Aargau, beinahe zärtlich genannt. In der Tat verleiht ihm der wohl jahrzehntealte üppige Bewuchs auf der Westseite etwas Verwunschenes.

Vielerlei Nutzungen

In den fünfundsiebzig Jahren seines Bestehens erlebte das Gebäude Nr. 724 vielerlei Nutzungen. 1934 wurde es mit Garage, Magazin und Maschinenhalle für das kantonale Tiefbauamt erbaut. Ein kleiner Bürotrakt schloss es gegen die untere Klosterzelgstrasse ab.

Nach dem Bau der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) ging die Liegenschaft in die Obhut des Erziehungsdepartementes (heute Departement für Bildung, Kultur und Sport, BKS) über. Als sie mit dem Bezug des 1977 im Dägerli neu erstellten kantonalen Werkhofes frei wurde, richtete die HTL im oberen Teil ein Akustiklabor ein, das den zukünftigen Architekten Trittschallmessungen mit verschiedenen elastischen Materialien und variierender Estrichdicke ermöglichte.

Für diesen Zweck wurde die bestehende Öffnung in der Ostfassade zugemauert und mit einem Garagetor versehen und die Hälfte des Raumes um zirka 1,60 m abgetieft. Im Büroteil fanden zwei Hochbau-Studenten eine günstige Unterkunft, im Gegenzug hatten sie sich um den erwähnten Versuchsstand zu kümmern.

Die Tiefbau-Ingenieure ihrerseits parkierten im mittleren Teil eine Erdbohrmaschine. Auch Versuche mit einer Textilveredelungsmaschine wurden hier zeitweise angestellt.

Ganz pragmatisch stellte die Schulführung das im Laufe der Jahre wieder entleerte Haus grosszügig zur Verfügung. So wurden darin in der Freizeit Kanuboote aus Glasfaser gebaut und im offenen Raum Velos eingestellt; im Estrich wurde Dekorationsmaterial für den Tech-Ball eingelagert und in den ehemaligen Büros von der Chrischona-Kirche Sonntagsschule abgehalten.

Friedliches Nebeneinander

In jüngster Zeit herrschte ein - so wollen wir hoffen - friedliches Nebeneinander von feuchtfröhlichem Freizeitvergnügen und wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit: Während sich in den Büroräumen die Grabungsleitung der archäologischen Kampagne auf dem benachbarten Campus-Areal einquartiert hatte, traf sich eine Studentengruppe im und vor dem höher gelegenen Gebäudeteil regelmässig an einer improvisierten Bar.

Nun sind Bäume und Sträucher gefällt und schonungslos ist das Gebäude mit all seinen Gebrauchsspuren noch für ganz kurze Zeit den Blicken ausgeliefert. Kaum jemand wird es als erhaltungswürdig einstufen. Doch geht ein weiteres Lokal für anspruchslose Nutzer verloren, und für viele verschwindet ein vertrauter Begleiter am Arbeitsweg und damit ein weiteres Stück Windisch des 20. Jahrhunderts.

Für mündliche Auskünfte dankt die Autorin Edi Bohren (ehemaliger Direktor HTL) Hans Grunder und Karl Schmocker (ehemaliger und heutiger Hauswart der Hallerbauten).

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1