Nachbarn können mit Dauerbeschuss leben

Das Eidgenössische Schützenfest dauert einen ganzen Monat. Was sagen die Leute dazu, die direkt unterhalb der zentralen Schiessanlage Rupperswil in einem beschaulichen Quartier wohnen? Die Anwohner des Eidgenössischen Schützenfestes sind positiv überrascht, sie haben mit mehr Lärm gerechnet.

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Nachbarn können mit Dauerbeschuss leben

Nachbarn können mit Dauerbeschuss leben

Toni Widmer

«Bisher war es zum Aushalten, ich habe mit deutlich mehr Lärm gerechnet», sagt Verena Graf. Sie wohnt knapp 100 Meter vom grossen Zelt des Eidgenössischen Schützenfestes entfernt, aus dem am Eröffnungs-Wochenende erstmals während Stunden auf 120 Scheiben gleichzeitig geschossen wurde. Wenn sie draussen sei, höre sie es schon chlöpfen. Im Hausinnern jedoch bekomme sie vom Schützenfest kaum etwas mit: «Wir haben gute Fenster und meistens läuft ja auch noch der Radio.»

Aufbau intensiv beobachtet

Das Schützenfest gehe wieder vorbei. Sie werde nicht traurig sein, wenn nach dem 18. Juli nicht mehr geschossen werde, sagt Verena Graf. Aber vorderhand könne sie damit leben. Es sei ja auch interessant gewesen, den Aufbau zu beobachten und am Eröffnungskonzert mit der Swiss Army Concert Band sei sie sogar als Gast eingeladen worden: «Es hat mir sehr gefallen, das war ein ganz toller Abend.»

Auch Roland Kämpf wohnt am Kretenweg unmittelbar neben dem zentralen Schiess- und Festplatz und auch er hat den Schiesslärm «gröber erwartet». «Es war schon viel, vor allem am Freitag und Samstag beim Schnellfeuer des Eröffnungsschiessens. Doch man hat es aushalten können und ab Donnerstag wird es ja nicht mehr ganz so heftig.»

Roland Kämpf war anfänglich eher skeptisch gegenüber dem Grossanlass, hat sich mittlerweile damit aber schon fast angefreundet: «Der Aufbau war sehr spannend, ich habe ihn interessiert verfolgt und gelegentlich abends noch einen Rundgang gemacht. Mittlerweile war ich am Begrüssungsabend für die Nachbarn, am Eröffnungskonzert und im Schiesszelt habe ich auch schon zugeschaut, was dort vor sich geht.»

Nachbar als Schützenfest-Helfer

Der Schützenfest-Nachbar hat sich sogar als Helfer engagieren lassen: «Ich habe mich für vier Tage als Warner verpflichtet und freue mich auf diesen Einsatz. Schliesslich findet ein ‹Eidgenössisches› wohl nur einmal in so direkter Nähe statt. Da muss man doch einfach mitmachen.»

Keine Mühe mit dem Grossanlass vor der Haustüre hat auch Käthi Berner. Der Auftakt sei «weniger grob» gewesen als erwartet sagt sie und schmunzelt: «Jetzt, wo nicht geschossen wird, ist es fast ein bisschen langweilig.» Das Schützenfest, hält die Schneiderin fest, mindere ihre Lebensqualität in keiner Weise. Im Gegenteil: «Ich habe den Aufbau aus meinem Atelier mitverfolgt und fand das sehr spannend. Ich werde in den nächsten Wochen sicher auch ein paar Mal ans Fest gehen und schauen, was da abläuft.» In ihr, sinniert Käthi Berner, fliesse halt noch etwas Schützenblut: «Mein Vater war ein begeisterter Schütze und Jäger.»

Weil sie für die Jagd gezüchtet worden sind, haben übrigens auch Käthi Berners «Mädchen» keine Probleme mit dem Lärm. Die Rauhaardackel-Damen Eika und Mona sind schussfest.

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