Tandemflug

Nach Horrorflug für US-Tourist: Hängegleiterpilot kassiert Busse

Für 2.14 Minuten klammert sich der Mann mit blossen Händen fest und bangt um sein Leben 2

Für 2.14 Minuten klammert sich der Mann mit blossen Händen fest und bangt um sein Leben 2

So hatte sich der US-Tourist den Tandemflug über Interlaken nicht vorgestellt: Statt schwebend die Landschaft zu geniessen, baumelte er ungesichert über zwei Minuten lang am Fluggerät. Der Pilot hatte vergessen, seinen Passagier anzugurten. Nun kassierte er eine Busse.

Diese beläuft sich auf 800 Franken, wie Christian Schubert, Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) eine Meldung auf dem Online-Portal des "Blick" auf Anfrage bestätigte.

Damit kommt der Pilot noch glimpflich davon, denn gemäss einschlägigem Artikel im Bundesgesetz über die Luftfahrt können Übertretungen mit Bussen von bis zu 20'000 Franken sanktioniert werden.

Die Busse wurde im Rahmen eines Verwaltungsstrafverfahrens ausgesprochen. Das Administrativverfahren läuft noch. Dort geht es um allfällige Massnahmen wie beispielsweise einen temporären oder definitiven Entzug der Fluglizenz. Auch bei der Bundesanwaltschaft läuft noch eine Strafuntersuchung.

Normalerweise sind Pilot und Passagier bei solchen Tandemflügen mit speziellen Gurten bäuchlings oder sitzend unter der Tragfläche aufgehängt.

Der US-Tourist und sein Pilot merkten gleich nach dem Start, dass der Passagier nicht gesichert war und hilflos an der Lenkstange des Gleiters baumelte. Der Pilot suchte deshalb so rasch wie nur möglich einen Landeplatz und ging auf einer Wiese bei Unterseen zu Boden.

Der US-Tourist überlebte den Horror-Flug mit einigen Blessuren. Kurz vor der Landung verliess ihn die Kraft und er liess sich fallen. Dabei zog er sich einen Handgelenkbruch zu.

Auch eine Oberarmsehne riss, weil sich der Mann so lange am Lenkstab des Gleiters und am Bein des Piloten festkrallen musste. Der US-Tourist veröffentlichte auf Youtube ein Video des Flugs, das über eine Million Mal angeklickt wurde.

Dem lizenzierten Piloten sei "ein elementarer Fehler" passiert, hatte Christian Boppart, Präsident des Schweizerischen Hängegleiter-Verbands (SHV) nach den Vorfall gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA gesagt. "Lektion Nummer 1" beim Deltafliegen sei, sich selber und einen allfälligen Passagier mit Gurten am Hängegleiter zu befestigen.

"Ich habe so etwas noch nie gesehen", sagte Boppart. Allerdings sei einmal ein nicht angegurteter Pilot tödlich abgestürzt.

Die Region Interlaken ist Anziehungspunkt für Erlebnissport-Begeisterte. Zahlreiche Betriebe bieten Tandemflüge mit Gleitschirmen oder Hängegleitern an. Pro Jahr gibt es mehrere tausend Landungen.

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