Villa Pax wird abgebrochen
Nach Botta nun auch Gigon/Guyer

Eine markante Villa soll einem Ersatzbau weichen. Der Verdacht liegt nahe: verdichtetes Bauen in der Stadt – und mehr Profit. Falsch: Hier geht es um hohe Qualität.

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Villa Pax

Villa Pax

Schweiz am Sonntag
Villa Pax Baugespanne kündigen Neues am Martinsberg an.

Villa Pax Baugespanne kündigen Neues am Martinsberg an.

Schweiz am Sonntag

von Roman Huber

An der Martinsbergstrasse 33 steht eine 11-Zimmer-Villa mit 1700 m2 Umschwung: Es ist seit Anbeginn die Wohnstatt der Familie Conrad. Der Bau ist dem späten Jugendstil zuzuordnen und hiess früher Villa Pax und wurde von der Stadt anlässlich der BNO-Revision 1996 samt Gartenanlage inventarisiert und kommunal als schützenswert eingestuft. Nun wird sie abgebrochen und durch zwei Neubauten ersetzt.

«Es ist uns nicht leicht gefallen, diesen Entscheid zu fällen», sagt Peter Conrad. Es brauchte dazu einen langen und schmerzvollen Prozess. Er nahm vor zweieinhalb Jahren seinen Anfang, als sich der Auszug des jüngsten Sohnes ankündigte: «Meine Frau und ich begannen uns damit zu beschäftigen, was aus dem für uns beide nun viel zu grossen Haus werden soll», so Conrad.

Drei Möglichkeiten gab es: Verkauf, Umbau in mehrere Wohneinheiten oder Ersatz durch eine verdichtete Überbauung. «Ein Verkauf kam nicht infrage, weil wir das Schicksal der Villa nicht der Willkür Dritter überlassen wollten. Ein Umbau erwies sich rasch als unsinnig, weil dadurch das Schützenswerte der Villa zerstört worden wäre.»

Aus Villa Pax machen Gigon/Guyer «Pas de Deux»

Mit Annette Gigon und Mike Guyer (Gigon/Guyer Architekten) legt nach Mario Botta im Bäderquartier ein weiteres bekanntes Architekturbüro in Baden Hand an. Mit ihrem Projekt «Pas de Deux» sind sie ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Gigon/Guyer haben unter anderem das Sportzentrum und das Kirchner-Museum in Davos, diverse Bauten für das Verkehrshaus in Luzern und den Umbau des Kunstmuseums Basel realisiert. Der Prime Tower auf dem Maag-Areal ist ein prominentes Projekt von ihnen.

Die Villa Pax ist das prägnanteste Einzelgebäude im Martinsbergquartier. Es wurde 1911 durch den Zürcher Architekten Albert Fröhlich erbaut. Nach Fröhlichs Plänen wurde auch das Vindonissa-Museum in Windisch gebaut. (-rr-)

Damit stand rasch einmal der Entscheid fest, in Eigenregie ein gutes Beispiel für eine innere Verdichtung zu entwickeln. Man habe sich dabei von Fachleuten begleiten lassen und freue sich nun über das gelungene Ergebnis. Dass die Nachbarschaft über den schwierigen Entscheid und das Verfahren frühzeitig informiert worden war, hat wohl dazu beigetragen, dass der bevorstehenden Veränderung im Quartier rundherum mit Wohlwollen, zumindest mit Verständnis begegnet werde.

Der Stadtrat Baden hatte der Familie Conrad auf Voranfrage hin im Jahr 2007 in Aussicht gestellt, dass die Villa trotz Schutzwürdigkeit ersetzt werden könne; Bedingung: Die neue Überbauung müsse von hoher architektonischer und städtebaulicher Qualität sein.

Peter Conrad war als früherer Stadtrat und Bauvorsteher selber Verfechter von hoher Architekturqualität und propagierte darum Architekturwettbewerbe. So nahm er sich beim eigenen Vorhaben selber in Pflicht und liess ein Konkurrenzverfahren unter drei ausgewählten Architekturbüros durchführen. Die Fachjury setzte den Beitrag «Pas de Deux» von Gigon/Guyer auf Platz eins.

Das Projekt geht das Thema verdichtetes Bauen sorgsam an. Es führt das vorhandene städtebauliche Muster der doppelreihig angeordneten Einzelbauten im Quartier weiter. Im Unterschied dazu legten die anderen beiden Büros aus Baden und Brugg je einen Solitär vor, einen relativ grossen Einzelbau mit 6 bis 8 Wohneinheiten.

Die Jury attestiert dem Projekt von Gigon/Guyer, dass es «den räumlichen Dialog mit der Umgebung im Innern, bei der Ausgestaltung der Wohnungsgrundrisse, auf derselben qualitativen Stufe» weiterführe und nicht bei der Hülle abschliesse.

Auf dem Grundstück sollen zwei kleine Mehrfamilienhäuser entstehen. In Höhe und Grundriss gegliedert stufen sie sich entlang des natürlichen Terrains nach oben; Haus 1 an der Martinsbergstrasse mit vier Wohnungen, Haus 2 oberhalb und leicht versetzt mit deren drei. Je eine Parterrewohnung weist doppelgeschossige, loftartige Wohnzimmer auf.

Die Attikas entwickeln sich über zwei Etagen. Raumhohe Fenster gewährleisten viel Licht. Gebaut wird behindertengerecht, im Minergiestandard mit kontrollierter Lüftung. Ein unabhängiger Gutachter attestiert dem Projekt trotz seiner Prägnanz eine vornehme Zurückhaltung.

Die Investition von rund 10 Mio. Franken stelle, so Conrad, ein erhebliches wirtschaftliches Risiko dar. Ob seine Frau und er am Schluss in der Neuüberbauung Wohnsitz nähmen, hänge auch vom Erfolg des Unternehmens ab.