Pfadi
Mutproben und Lagerrituale

Rund 1800 Kinder und Jugendliche haben sich auf den Weg in die traditionellen Pfadi-Pfingstlager gemacht. Und der Wettergott hat es in diesem Jahr gut gemeint mit den «Wölfli» und Pfadfindern.

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Pfadilager

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Tobias Gfeller

Pfingstsamstag am Morgen auf dem Areal des De Wette-Schulhaus in Basel: Viele Kinder und Jugendliche in braunen, grünen und blauen Uniformen stehen im Kreis - laut ist's. Lieder werden gesungen, Antritts-Rufe geschrien. Es ist das alljährliche Szenario des Antretens der regionalen Pfadis, die sich in die dreitägigen «Pfilas» aufmachen. Für viele ist's das erste Mal, dass sie länger als eine Nacht von zu Hause weg sind.

Basler und Baselbieter vereint

Die regionalen Pfadiabteilungen haben schwierige Zeiten hinter sich. Vor allem um die Jahrtausendwende sei der Mitgliederrückgang enorm gross gewesen, sagt Lagerkoch «Petrax». «In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Pfadis und Wölflis bei insgesamt 3200 eigependelt.» Der schon 30-jährige Jonas Grossniklaus wurde 1986 ein Wölfli. Das Pfadifieber hat ihn seit dann nicht mehr losgelassen. Dass dies auch bei anderen so ist, sei nicht einfach.

Die Konkurrenz an den Samstagnachmittagen wird immer grösser. «Unsere Aufgabe wird es immer sein, den Kindern und Jugendlichen ein attraktives Programm anzubieten und zu hoffen, dass durch Mund zu Mund Propaganda der Pfadi-
gedanke weitergetragen wird.»

Der Kantonalverband Pfadi Region Basel ist in sechs Bezirke aufgeteilt. Es waren auch schon mehr. Aber in schwierigen Zeiten heisst es, die Kräfte zu bündeln. Entstanden ist der Kantonalverband erst vor rund 20 Jahren, als der Mädchen- und Bubenverband fusioniert wurde. Im Kantonalverband integriert sind auch die Abteilungen aus dem Fricktal, Thierstein und Dorneck. (tgf)

Die Basler Pfadi-Abteilung Ramstein hat es in diesem Jahr nach «Ammel» (Anwil) verschlagen. Oberhalb des beschaulichen Dorfes im äussersten Baselbiet haben die fast 50 Wölflis und Pfadis ihre Zelte aufgeschlagen. «Der Platz hier am Waldrand auf der vom Bauer frischgemähten Wiese ist perfekt», sagt Lagerleiter «Rädli».

Alles andere als ein Schlaraffenland

Jedes Pfadilager steht unter einem bestimmten Motto. «Schlaraffenland» hiess es auf den Zetteln, die die Leiter verteilten. Der frisch getaufte «Al Capone» erzählt, dass dies nur ein kleines Ablenkungsmanöver der Leiter war: «Als wir auf dem Lagerplatz ankamen, war dies überhaupt kein Paradies, sondern vielmehr ein Forschungslabor. Uns wurde dann gesagt, dass Wissenschaftler im ‹Cern› ein geladenes Elementarteilchen verloren hätten und dieses sich jetzt hier befinden würde.»

Die Wölflis und Pfadis machten sich also auf, den Wissenschaftlern das Teilchen zurückzubringen. «Wir haben zusammen eine Spezial-Kiste gebaut, mit der wir das Teilchen einfangen möchten», erklärt der 11-jährige «Radix» seinen Freunden.

Für die Eltern der 7-jährigen Luana Lück aus Basel wird ihre Tochter immer Luana bleiben. Doch Luana erzählt, dass sie in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag ihren Namen verloren hätte. «Ich wurde um zwei Uhr aus dem Zelt geholt und musste dann über das Feld spazieren, an dem am hintersten Eck ein kleines Lichtlein aufleuchtete.»

Etwas unheimlich kam es ihr schon vor, mitten in der Nacht alleine unterwegs zu sein. Sie traf auf eine dunkle Gestalt, die Luana aufforderte, ihr ihren Namen abzugeben, da sie selber keinen eigenen hätte.

Vorsichtig stapfte die 7-jährige Namenlose durch den mit Kerzen aufgehellten Wald. Vor ihr stand plötzlich ein Geschirr mit Essig, Öl und Schlamm. «Mit der Hand musste ich hinein greifen. Es roch fürchterlich.» Das Herz der kleinen Namenlosen klopfte.

In diesem Schlammgemisch fand sie ein Döschen mit einem kleinen Zettel. «Hippo» stand darauf, ihr neuer Pfadiname. «Ich bin klein, schnell und springe gerne herum. In einer anderen Sprache heisst ‹Hippo› Fohlen. Ich bin also wie ein junges Pferd.» Die jüngste aller Wölfli ist zum ersten Mal von zu Hause weg. Am ersten Abend sei sie geplagt von ein wenig Heimweh zurück ins Zelt gegangen. «Doch heute Sonntag ist das bereits wieder vorbei.»

Verlorene Socken

«Hippo», «Al Capone» und «Radix» trafen gestern Abend auf dem De Wette-Areal wieder auf ihre Eltern. Für einmal konnten die glückliche Mami und der stolze Papi ihr Kind trocken in Empfang nehmen. Nur noch ein Hindernis stand dem perfekten Pfila im Weg. «Elia, du hast doch fünf Paar Socken mitgenommen. Warum hast du denn nur noch zwei Paar und ein Einzelner?» «Al Capone» ist der Verlust egal, denn er ist jetzt ein Gangster - «Al Capone» eben.

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