Filmreif
Mutiger Zürcher Seepolizist: «Das werde ich wahrscheinlich nie wieder erleben»

Seepolizist Nathanael Augsburger lieferte am Samstagabend eine filmreife Szene ab: Von einem rasenden Boot sprang er auf das nächste – ein führerloses Boot – um dieses aufzuhalten. Dank einer Drohnenaufnahme wurde er zum Helden.

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Dominik Schraner und Nathanael Augsburger (links) von der Zürcher Seepolizei werden derzeit im Internet als Helden gefeiert.

Dominik Schraner und Nathanael Augsburger (links) von der Zürcher Seepolizei werden derzeit im Internet als Helden gefeiert.

watson.ch

Wer dieses Video noch nicht gesehen hat, sollte es noch nachholen. Wie James Bond springt der mutige Zürcher Seepolizist Nathanael Augsburger – erst seit diesem Januar im Amt – von einem rasenden Schiff auf das nächste, um ein führerloses Boot zu stoppen. Dessen Schiffführer war angetrunken aus dem Boot gefallen. Ein Privatmann hielt die Heldentat per Drohnenkamera für die Nachwelt fest. Warum Nathanael Augsburger trotzdem nicht befördert wird, lest ihr im Interview.

Wir treffen Nathanael Augsburger auf dem Seepolizeistützpunkt in Oberrieden, Zürich. Mit dabei ist auch sein Kollege Dominik Schraner, der das Polizeiboot steuerte, sowie Carmen Surber, Mediensprecherin der Kapo Zürich und Daniel Möckli, Dienstchef Seepolizeizug der Kantonspolizei Zürich.

Zu Beginn die wichtigste Frage: War das ganze eine PR-Aktion?
Mediensprecherin Carmen Surber: Nein, war es nicht.

Ok. Herr Augsburger, Sie wurden dank der Drohnenaufnahmen zum Helden, das ist vielleicht der beste Moment ihrer Karriere.
Nathanael Augsburger:
Ich glaube nicht, dass es der beste Moment meiner Karriere wird, aber dank dem Video ist es ein sehr schöner Moment.

Sie freuen sich darüber?
Augsburger: Ja, vor allem weil es positive Aufnahmen sind.

Warum sind Sie gesprungen und nicht Ihr Kollege?
Augsburger: Das hat sich so ergeben weil er Schiffsführer war. Die Funktionen werden zu Schichtbeginn abgesprochen. Zudem hat er auf diesem Boot mehr Erfahrung.

Sie sind also nicht einfach der Mutigere von Ihnen beiden?
Augsburger:
Nein, wir haben als Team gehandelt. Ich hätte nicht fahren wollen, weil er das besser im Griff hat.

Sie haben die Lage gemeinsam besprochen?
Dominik Schraner: Ja, wir haben zuerst die Situation analysiert, die involvierten Personen, das Schiff, den Treibstoff und dann entschieden, dass wir handeln müssen. Wir haben uns mit Fendern ausgerüstet, eine Art Stossdämpfer für Schiffe, besprochen wie wir vorgehen und losgelegt. Der Plan ging auf.

Hätten Sie nicht warten können, bis das Benzin des führerlosen Bootes aufgebraucht gewesen wäre?
Schraner:
Nein, das haben wir berechnet. Es wäre noch stundenlang gefahren.

Mussten Sie beim Chef die Erlaubnis zum Sprung einholen?
Augsburger: Nein, das war eine Teamaktion. Nur wir beide haben uns abgesprochen. Als mein Kollege durchgab, dass er das Schiff stabil halten könne, habe ich situativ entschieden, ob der Sprung möglich ist. Er war gefahrlos möglich.

Wie schnell waren die Boote unterwegs?
Augsburger: Das wissen wir nicht genau.

Hatten Sie Angst?
Augsburger: Nein, Angst hatte ich keine, aber einen erhöhten Puls.

Kommt schon nicht jeden Tag vor, oder?
Augsburger:
Nein, das werde ich wahrscheinlich auch nie wieder erleben.

Wie lange trainiert man für so einen Sprung?
Augsburger: Dafür gibt es kein spezielles Training. Aber ich halte mich körperlich fit.

Spüren Sie polizeiintern schon die Blicke der Neider?
Augsburger:
Nein, die Rückmeldungen sind positiv. Die Meisten freuen sich für uns, weil nichts passiert ist und niemand zu Schaden kam.

Haben Ihre Kollegen Ihnen schon Spitznamen verpasst?
Augsburger:
Noch nichts Definitives. Einfach die, die schon im Internet kursieren, von «007» bis «Flying Hirsch».

Haben Sie noch andere Superkräfte als auf rasende Boote zu springen?
Augsburger:
Ich glaube, das hätten viele andere auch gekonnt.

Werden Sie jetzt befördert?
Augsburger:
Ich glaube nicht.

Was sagt der Chef?
Dienstchef Daniel Möckli:
Bei der Kantonspolizei Zürich wird niemand aufgrund eines Einzelereignisses befördert. Das gehört zum Job. Aber das war ein Einsatz, der sehr gut abgelaufen ist, das bleibt hängen. Das war eine sehr gute Leistung.

Wie fühlt sich der Medienrummel für Sie an?
Schraner:
Ungewohnt. Wir haben das überhaupt nicht gesucht. Aber ich nehme an, er wird so schnell wie er gekommen ist, wieder vorbei gehen.

Und für Sie, den Helden?
Augsburger: Ähnlich. Im ersten Moment ein bisschen unangenehm, aber es freut einem auch.

(rar)