Irena Jurinak

Den Röstigraben mussten am vergangenen Wochenende zwar weder Zoe Albisetti aus dem Tessin noch Hanna Widmer aus Wohlen überqueren, um nach Lenzburg zu gelangen. Und doch schrieben die Tessinerin und die Aargauerin am ersten Sprachentreffen in Lenzburg einen Song über eine Welt ohne Grenzen.

Die beiden jungen Frauen hatten am Sprachenwettbewerb Linguissimo teilgenommen und durften gemeinsam mit 18 weiteren Jugendlichen aus der ganzen Schweiz das vergangene Wochenende im Müllerhaus in Lenzburg verbringen.

Unter Anleitung von professionellen Musikern lernten sie, in Zweierteams zu einem Musikstück einen Songtext zu schreiben. «Wir erzählen im Lied unsere Geschichte», erklärt Hanna Widmer, «von zwei fremden Menschen, die sich treffen und zusammen einen Song schreiben.» Der Text ist zweisprachig - er wechselt zwischen deutschen und italienischen Sätzen ab. Die beiden jungen Frauen tauschten sich auf Deutsch, Italienisch und Französisch aus.

Man versteht sich

«Wenn Jugendliche etwas Nichtsprachliches als gemeinsamen Nenner haben, verständigen sie sich problemlos, auch wenn sie die Sprache des anderen nicht perfekt sprechen», sagt Paolo Barblan, Geschäftsführer des Vereins Forum Helveticum und Organisator des Sprachentreffens.

«Darum suchen wir Themen aus, die möglichst viele Jugendliche interessieren.» Am Sprachentreffen haben die Jugendlichen Gelegenheit, Fachpersonen aus dem Bereich des jeweiligen Wettbewerbsthemas zu treffen.

Um die Beziehung der Jugendlichen zur Musik ging es am ersten «Linguissimo» und das war im Müllerhaus am Wochenende nicht zu überhören: Im ersten Stock singt eine junge Frau, irgendwo spielt jemand Klavier, aus dem oberen Stock mischen sich Gitarrenriffs dazwischen. «Der erste Teil des Songschreibens am Samstag- abend packte die Jugendlichen so intensiv, dass wir sie kaum zum Abendessen holen konnten», erzählt Barblan.

Silja Mösch aus Windisch und Jonathan Pellegrini aus Balerna im Tessin verstehen sich blendend - nicht nur, aber auch auf Englisch. «Es ist schön, mit Silja zu arbeiten, sie ist ein tolles Mädchen», sagt Jonathan. «Come - Wie» heisst ihr Song, der davon handelt, wie es sich anfühlt, wenn jemand fehlt. «Zum Beispiel wie die Schule ohne Hausaufgaben», sagt Silja.

Auch ein Rätoromane ist da

Gibt es doch mal Verständigungsprobleme, hilft der 20-jährige Marco Koller aus Schwarzenburg als Dolmetscher weiter. Der Berner spricht alle vier Landessprachen fliessend - inklusive Rätoromanisch.

«Die Kombination von Musik und Sprache hat mich bei diesem Wettbewerb angesprochen», sagt Marco, der mehrere Instrumente spielt. Er nutzte das Wochenende auch, um neue Freundschaften zu schliessen. Mit Arthur Chapatte aus dem Jura versteht er sich besonders gut. Arthur hat eine eigene Rockband und schreibt selber Songs. «Ich wollte sehen, wie Profis arbeiten.»

Arthur Chapatte und fünf weitere Jugendliche gewannen als Preis für die besten Songtexte schliesslich eine Reise in eine europäische Stadt. «Unter der Bedingung, dass die sechs gemeinsam verreisen», sagt Barblan. Ziel des Sprachentreffens ist schliesslich die Verständigung zwischen den Sprachregionen.