Krisenstab

Muri simuliert Flugzeugabsturz

Führungsstab: Voller Einsatz im Feuerwehrmagazin Muri – auch wenn es nur eine Übung ist.

Führungsstab

Führungsstab: Voller Einsatz im Feuerwehrmagazin Muri – auch wenn es nur eine Übung ist.

Ein Zusammenstoss von zwei Flugzeugen, brennende Wrackteile stürzen auf den Bahnhof Muri, radioaktive Substanzen treten aus: Mit diesem schrecklichen Szenario übte der kantonale Führungsstab für den Ernstfall.

Michael Spillmann

Martin Widmer, Chef des kantonalen Führungsstabs, steht vor der Übersichtskarte beim Einsatzwagen der Stützpunktfeuerwehr Muri. Kommandant Felix Strebel zeigt ihm, wo seine Männer überall im Einsatz sind. «So ein Unglück kann jederzeit passieren», sagt Widmer. Zur Veranschaulichung wurden an der Fahrzeugwand Fotomontagen der Unfallorte aufgehängt.

Die Übungsleitung hat sich ein Schreckenszenario ausgedacht: Nach dem Zusammenstoss einer Passagiermaschine und einem Frachtflugzeug in grosser Höhe, stürzen die brennenden Wrackteile in die Tiefe. «Wir haben den tragischen Flugzeugcrash von Überlingen als Grundlage genommen», erklärt Widmer. Doch es geht noch weiter: Der Bahnhof von Muri wird getroffen und steht in Flammen. Ein Wrackteil trifft in Boswil einen Güterzug, zudem hatte das Frachtflugzeug radioaktive Substanzen geladen.

180 Personen im Übungseinsatz

Im Feuerwehrmagazin herrscht emsiges Treiben. An den Tischen sitzen Angehörige des kantonalen Führungsstabs, des kantonalen Katastrophen-Einsatzelements, der Sanität und der Kantonspolizei. Integriert sind auch Vertreter des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und des Büros für Flugunfalluntersuchungen. Insgesamt sind 180 Personen an 7 verschiedenen Orten im Einsatz.

Martin Widmer hält aber fest: «Das ist eine Übung für den Stab. An den fiktiven Unfallorten sind keine Leute im Einsatz.» Sein Fazit: «Natürlich gibt es Dinge, die nicht reibungslos ablaufen. Deswegen sind solche Übungen wichtig.» Gäste anderer Polizeikorps und der Grenzwache schauen den Einsatzkräften bei der Arbeit über die Schulter. «Es gibt immer etwas zu lernen», meint Daniel Ringier, Chef der Stadtpolizei Aarau.

Pressekonferenz einmal anders

Die gross angelegte Übung im Freiamt findet im Rahmen des Trainings der Offiziere der Kantonspolizei statt. Gesamteinsatzleiter ist im Ernstfall der Kapo-Kommandant Stephan Reinhardt. So ist es an ihm, kurz nach 13 Uhr in einem kleinen Raum im Feuerwehrmagazin die Medien über die Geschehnisse zu informieren. Und zwar nicht über den Ablauf der Stabsübung, sondern über den fiktiven Flugzeugzusammenstoss. Neben ihm sitzen der Chef des kantonalen Führungsstabs und die Einsatzleiter von Sanität, Polizei und Feuerwehr.

Mit ruhiger Stimme orientieren sie über das Unglück. «Ich muss mit grosser Bestürzung mitteilen, dass es im Aargau zu einem Zusammenstoss zweier Flugzeuge gekommen ist», sagt der Polizeikommandant mit ernster Stimme. Die eingeladenen Journalisten dürfen Fragen stellen - doch niemand traut sich. Ein französisch sprechender Journalist ergreift das Wort und stellt Fragen zur radioaktiven Verschmutzung - doch auch das gehört zur Übung.

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