Vorstoss

Müssen Lehrer oder Schüler eingreifen?

Stadtrat Manuel Ischi (GLP) will mehr Gewaltprävention an den Langenthaler Schulen. Mittels Vorstoss verlangt er vom Gemeinderat, Massnahmen zu prüfen. «Völlig unnötig» – so kommentiert Armin Flükiger, Rektor der städtischen Volksschulen, Ischis Begehren. Stadtrat Manuel Ischi (GLP) will mehr Gewaltprävention an den Langenthaler Schulen. Mittels Vorstoss verlangt er vom Gemeinderat, Massnahmen zu prüfen. «Völlig unnötig» – so kommentiert Armin Flükiger, Rektor der städtischen Volksschulen, Ischis Begehren.

Tobias Granwehr

Dramatische Fälle von Gewalt an Langenthals Schulen gibt es keine. Eine Scherenattacke auf einen Schüler im Sommer vergangenen Jahres war das Gröbste, was in naher Vergangenheit an die Öffentlichkeit gelangte. Dass es - vor allem bei Jugendlichen - an einer Schule zwischendurch zu Auseinandersetzungen kommen kann, ist kein Geheimnis. Dennoch: Stadtrat Manuel Ischi (GLP) will nun das Thema Gewalt an Schulen auf politischer Ebene diskutieren.

In einem Ende Juni eingereichten Postulat beauftragt Ischi den Gemeinderat, Massnahmen zur Gewaltprävention an den Schulen zu prüfen, insbesondere das Programm Peacemaker. «Es ist richtig: Es gibt zwar keinen aktuellen Anlass für meinen Vorstoss», sagt der grünliberale Stadtrat. Doch Gewalttaten unter Jugendlichen würden immer häufiger - und erschreckend sei: «Die Gewalt artet aus.»

Nach Meinung Ischis braucht es in den Schulen deshalb Prävention, bevor etwas passiert. «Die Gewalt muss frühzeitig im Keim erstickt werden», sagt er. Ischi hat sich zusammen mit Astrid Baud, Präsidentin der GLP und Mitglied der Schulkommission, entschlossen, etwas zu unternehmen. «Es gibt an den Schulen zwar Präventionsprogramme, aber es gibt auch Lehrer, die sich gegen diese Arbeit wehren» - so lautet ein happiger Vorwurf an Teile der städtischen Lehrerschaft. Durch Astrid Baud sei er schliesslich auf das Programm Peacemaker gestossen (siehe Kasten).

Nicht gelernt, Konflikte selbst zu lösen

«Das Ziel von ‹Peacemaker› ist: Gleichaltrige schlichten allfällige Konflikte gleich selbst», sagt Ischi. Er ist überzeugt: «Respektspersonen wie Lehrer können zwar bei Auseinandersetzungen eingreifen. Längerfristig lösen sie jedoch das Problem nicht.» Die Jugendlichen müssten die Spannungen untereinander lösen. «Doch viele Kinder und Jugendliche können das nicht. Sie haben nicht gelernt, Konflikte verbal auszutragen», so Ischi.

In seinem Vorstoss schreibt der GLP-Stadtrat, die Schule trage eine grosse Verantwortung, denn sie habe ebenfalls die Aufgabe, eine solide Basis für ein friedliches Zusammenleben zu schaffen - indem sie jungen Menschen soziale Kompetenzen vermittle. Ischi: «Natürlich liegt die Erziehungsverantwortung bei den Eltern.

Der Umgang mit Gleichaltrigen lernen die Jungen aber hauptsächlich in der Schule.» Die Idee des Vorstosses sei nicht, die Erziehungsverantwortung der Schule zu übergeben. «Die Schule soll den Kindern vielmehr den Weg zeigen, wie sie Verantwortung bei Konflikten wahrnehmen können.»

«Vorstoss ist nichts wert»

Kein Freund von Ischis Ideen ist hingegen Armin Flükiger, Rektor der Langenthaler Volksschulen und Mitglied der SVP-Fraktion im Stadtrat. «Dieser Vorstoss ist nichts wert», sagt Flükiger unverblümt. «Die Gewaltprävention läuft an unseren Schulen tagtäglich.» Die Lehrerschaft der städtischen Schulen reagiere bei Konflikten und versuche, Einfluss zu nehmen. Das sei übrigens auch gemäss Lehrplan eine Aufgabe der Lehrerschaft, sagt er. Natürlich gebe es an den Schulen Streit.

Und: «Die Auseinandersetzungen werden teilweise extremer, weil sich oft andere Kinder oder Jugendliche einmischen.» In diesem Zusammenhang spricht Flükiger von einer vermehrten Gruppendynamik.

Der Rektor der Volksschulen und Schulleiter des Schulzentrums Kreuzfeld ist aber überzeugt von den bisherigen Präventionsmassnahmen: «An den städtischen Schulen werden immer wieder verschiedene Projekte zur Gewaltprävention durchgeführt.» In Kürze wird laut Flükiger zum Beispiel im Kreuzfeld die Kommunikation zwischen Lehrerschaft und Schülern thematisiert.

Das Ziel: «Bei Gesprächen soll keine Aggression hervorgerufen werden.» Er werde sich jedenfalls gegen das Postulat von Manuel Ischi wehren, sagt er. Dieses Programm sei nicht nachhaltig und «Wasser in die Langete getragen», so Flükiger.

Martin Imobersteg, Schulleiter des Schulzentrums Elzmatte, ist derselben Auffassung wie Flükiger: Gewaltprävention sei an den Schulen Teil der täglichen Arbeit der Lehrerschaft. «Diesen Vorstoss braucht es nicht», sagt er. Physische Gewalt gebe es in der Elzmatte praktisch keine. Ein vermehrtes Problem ist laut dem Schulleiter eher das Mobbing.

Und er stellt fest: «Zum Teil fehlt den jüngeren Schülern der Respekt gegenüber den älteren.» Das Programm Peacemaker sei zwar gut, so Imobersteg. Doch es koste viel - und sei in der Umsetzung aufwändig. «Wir versuchen, den Schülern in der Elzmatte zu zeigen, dass die Neuntklässler unsere Peacemaker sind.»

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