Bundesrat
Mögliche Couchepin-Nachfolger: Urs Schwaller - Der verlässliche Wert der CVP

Die CVP will wieder einen zweiten Sitz im Bundesrat. Urs Schwaller gilt als ihr Top-Kandidat – auch wenn er selber noch nicht über Personen spekulieren will.

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Urs Schwaller

Urs Schwaller

Keystone

Hans-Peter Wäfler

Auf seinen Namen ist Verlass. Geht es um den Bundesrat und die CVP, ist Urs Schwaller mit im Spiel, auch jetzt wieder, da die Christdemokraten nach dem Sitz des abtretenden FDP-Bundesrates Pascal Couchepin greifen. Schwaller selber spricht freilich lieber von Themen als von Namen. Nicht eine Person werde bei der Bundesratswahl im September den Ausschlag geben, entscheidend seien inhaltliche Absprachen von Parteien, meinte er am vergangenen Freitag in der TV-Sendung «Arena».

Wenn Schwaller den Sachpolitiker gibt, dann bleibt er bei seiner Rolle, die er als Parlamentarier einnimmt. Und für die der 56-Jährige über die Parteigrenzen hinweg respektiert wird. Als lösungsorientiert gilt er, als dossiersicher - und als ein Macher, der es verstehe, Interessen zu bündeln und durchzusetzen.

Überzeugter Föderalist

Aufgestiegen zum Schwergewicht im Bundeshaus ist Schwaller schnell. 2003 wurde der Jurist und damalige Freiburger Finanzdirektor in den Ständerat gewählt, bereits 2005 übernahm er das Präsidium der CVP-Fraktion. Eine Fraktion vom Ständerat und nicht vom Nationalrat aus zu leiten, das war eine Premiere im Bundeshaus. Für den gewieften Taktierer Schwaller aber war die Verschiebung der Operationsbasis in den Ständerat nur logisch: Da die CVP dort verhältnismässig stärker vertreten sei als im Nationalrat, könne sie im Ständerat «mehr bewegen», argumentierte er.

Neben seiner Partei fühlt sich Schwaller seinem Kanton verpflichtet. Er, der überzeugte Föderalist, wehrte sich zu Beginn seiner Ständerats-Zeit entschieden gegen ein Steuerpaket des Bundes, das Ertragsausfälle für die Kantone vorsah. Noch als Finanzdirektor des Kantons Freiburg hatte er das Referendum eingefädelt, das später in der Volksabstimmung erfolgreich sein sollte.

Von «unserem Urs» sprechen sie bei ihm im Sensebezirk. Schwaller, der Deutschfreiburger, der perfekt französisch spricht, ist in Tafers aufgewachsen. Noch heute wohnt er da, mit seiner Ehefrau Barbara, mit der er drei Kinder hat. Schon 2006, als der Freiburger CVP-Bundesrat Joseph Deiss zurücktrat, galt Schwaller als Mann, der übernehmen könnte. Doch er nahm sich zurück, wollte keine «selbstmörderischen» Politspiele eingehen - und überliess der damaligen CVPPräsidentin Doris Leuthard das Feld.

Damals ging es um einen Bundesratssitz, welcher der Deutschschweiz zugerechnet war. Jetzt ist ein Vertreter der lateinischen Schweiz gesucht. «Bis zum Beweis des Gegenteils gehört der Kanton Freiburg nach wie vor zur Westschweiz», sagte Schwaller dazu der «Berner Zeitung». Gegenüber der «Sonntagszeitung» erklärte er aber auch, dass er «keinen Sprachenkrieg auslösen» wolle. Dass er im Bundesrats-Rennen erneut zurücksteckt, will das noch nicht heissen. Aber dass er seine Chancen genau ausloten will. Urs Schwaller, der verlässliche Wert der CVP, geht gerne auf Nummer sicher.