Bundesrat
Mögliche Couchepin-Nachfolger: Pascal Broulis - Der natürliche Kandidat

Pascal Broulis ist der starke Mann der Waadtländer Regierung – und ist sachte daran, Bande in die Deutschschweiz zu knüpfen.

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Hans-Peter Wäfler

Fürs Erste ging er auf Tauchstation. In den Tagen nach der Rücktrittsankündigung von Bundesrat Pascal Couchepin war Pascal Broulis «unerreichbar» für die Medien - er, von dem es heisst, er könne nicht ohne Mobiltelefon sein. Keinen Kommentar gabs von ihm zu seinen Ambitionen auf den FDP-Bundesratssitz.

In Waadtländer Politik-Kreisen ist man sich einig, dass Broulis die richtige Taktik verfolgt: Wer sich zu früh exponiert, hat schon verloren. Sein Name zirkuliert auch ohne sein Zutun. Und mehr als ein Vertreter der Waadtländer FDP fügt an, der 44-jährige Broulis sei der «natürliche» Kandidat für den Bundesrat.

Broulis, Sohn eines eingewanderten Griechen und einer Waadtländerin, ist steil aufgestiegen. Grossrat mit 25, Regierungsrat mit 37, im Amt bestätigt vor zwei Jahren mit dem besten Ergebnis. Daraufhin wurde er Regierungspräsident - für eine erstmals auf fünf Jahre verlängerte Amtsperiode. Dass Broulis parallel dazu Finanzdirektor blieb, trug ihm den Vorwurf der Machtballung ein. Kritik kam von links, aber selbst Broulis' Regierungs- und Parteikollegin Jacqueline de Quattro bezeichnete ihn spitz als «Super-Gemeindepräsidenten».

Broulis selber braucht die Begriffe «Freiheit, Verantwortung, Solidarität», um sein liberales Credo zu beschreiben. Er vertritt den Zentrums-Freisinn. Orientiert am Konsens, gelang es ihm als Finanzdirektor, den Kantonshaushalt wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Soziale Sensibilität

Der Sanierer ist aber auch sensibilisiert auf soziale Fragen. Als Bub erlebte er in Sainte-Croix, einem Arbeiterdorf im Waadtländer Jura, wie die Industriekrise dazu führte, dass Firmen schlossen und Familien abwanderten. «In der Primarschule fehlte plötzlich die Hälfte meiner Klassenkameraden», so Broulis.

Ist der Arbeitersohn aus Sainte-Croix nun auf dem Sprung nach Bern in den Bundesrat? Als sein Handicap gilt, dass er nicht gut Deutsch spricht. Und dass er im Parlament kaum bekannt ist. «Wer ist das?», bekamen Reporter von «24 Heures» unlängst zu hören, als sie sich in Bundesbern nach dem Bekanntheitsgrad von Pascal Broulis erkundigten.

Beobachter registrieren derweil, dass Broulis sein Amt als Waadtländer Regierungspräsident nutzt, um Bande zur Deutschschweiz zu knüpfen. 2008 war die Waadt Gastkanton an der Olma in St. Gallen, dieses Jahr war Broulis Ehrengast an der Glarner Landsgemeinde. Und am 9. September, wenige Tage vor der Bundesratswahl, steht im Bundeshaus ein Waadtländer Tag auf dem Programm. Ist Pascal Broulis dann noch im Rennen, wäre das eine zusätzliche Plattform für ihn, um sich für den Bundesrat zu empfehlen.