Bundesrat
Mögliche Couchepin-Nachfolger: Fulvio Pelli - Der Tessiner, der kein Polit-Star sein will

Die FDP will ihren zweiten Sitz im Bundesrat halten. Parteipräsident Fulvio Pelli sieht sich selber nicht als Anwärter – und zählt als Tessiner dennoch zum Kreis der Favoriten.

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Fulvio Pelli

Fulvio Pelli

Keystone

Hans-Peter Wäfler

Manchmal, da mag er nicht mehr argumentieren. Dann sagt Fulvio Pelli, er verzichte darauf, Journalisten überzeugen zu wollen, dass er wirklich nicht die Nachfolge von Bundesrat Pascal Couchepin anstrebe. Obwohl er als Tessiner ein Vertreter der lateinischen Schweiz ist, die seiner Meinung nach bei der Wahl im September zum Zug kommen muss. Pelli hat die Tessiner FDP gebeten, ihn nicht als Kandidaten vorzuschlagen - im Wissen, dass im Tessin manche auf ihn hoffen.

Diese Woche nimmt sich Pelli (58) eine Auszeit. Wer keine Ferien mache, sei im entscheidenden Moment nicht in Form, sagte der Vater dreier erwachsener Töchter zu Radio DRS. Verreist ist er mit seiner Frau nach Italien, wo «alles einfacher» ist. Verglichen mit Bundesbern ist es das für Pelli auch im Tessin, wo er in Sorengo in einer Mietvilla wohnt. «Ein Umzug nach Bern wäre keine Verbesserung meiner Lebensqualität», räumte er in der «Schweizer Illustrierten» einst ein.

Das war 2003, als Pelli im Bundesrat auf Kaspar Villiger folgen wollte. Er unterlag gegen Hans-Rudolf Merz, Pelli nahm mit seiner Kandidatur aber Ex-FDP-Präsident Franz Steinegger Stimmen weg. Dieser sei allzu sehr ein Star, meinte Pelli damals. Von sich selbst sagt er hingegen, «kein Polit-Star» zu sein. Absolviert hat Pelli denn auch, obwohl er aus einer einflussreichen Tessiner Familie kommt, die Ochsentour: Gemeinderat, Grossrat, seit 1995 Nationalrat. 2002 übernahm er die Fraktionsleitung, 2005 das Parteipräsidium. Von Beginn an war es sein Ziel, die Freiheitlichen auf Einheit zu trimmen. Er sieht Erfolge, doch Rückschläge gab es immer wieder - wie zuletzt der Rücktritt von FDP-Vize Ruedi Noser, dem der Einheitskurs Pellis zu weit ging.

«Muss nicht immer Freundschaften pflegen»

Pelli selber, der lange dem linksliberalen Flügel der FDP zugerechnet wurde, machte in Bundesbern Konzessionen nach rechts, spricht etwa nicht mehr von einem EU-Beitritt. Zur SVP wahrte er trotzdem Abstand. Erzürnt hat Pelli aber, dass die SVP diesen Frühling die FDP-Kandidatin fürs Zürcher Stadtpräsidium, Kathrin Martelli, im Regen stehen liess. «Lieber allein als in schlechter Gesellschaft», sagte er darauf. Ein Satz, der zu ihm passt. Pelli, der Kühle, der auch schon sagte: «Ich muss nicht immer Freundschaften pflegen.» Darum wird er nun, da die CVP offen den Couchepin-Sitz im Bundesrat fordert, aber nicht herumkommen. Im Interesse der FDP - und vielleicht auch für sich selber.