Bundesrat
Mögliche Couchepin-Nachfolger: Christophe Darbellay - Der Gambler aus Martigny

CVP-Präsident Christophe Darbellay liebt das Spiel um die Volksgunst. Oberstes Ziel sei es, dass die CVP wieder einen zweiten Sitz im Bundesrat bekommt, sagt Parteipräsident Christophe Darbellay – und liebäugelt gewohnt gewandt damit, selber zu kandidieren.

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Christophe Darbellay

Christophe Darbellay

Keystone

Hans-Peter Wäfler

Er nimmt den Ball kurz an, um ihn sogleich zurückzuspielen: «Ein Exekutiv-Amt gehört zu meinem Charakter.» Und: «Ich lasse mir alle Optionen offen.» So sagte es CVP-Präsident Christophe Darbellay zuletzt in der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens.

Den Auftritt dort, just zum Auftakt der Ränkespiele um die Nachfolge von Pascal Couchepin, liess sich der 38-jährige Darbellay nicht entgehen. Aufgezeichnet wurde das Interview am Dienstag, damit es am Mittwoch über den Sender gehen konnte - dem Wochentag, an dem sich Darbellay jeweils um seinen zwei Monate alten Sohn kümmert.

Dass er Vater geworden ist, habe ihn gelassener gemacht, so Darbellay. Einer wie er sucht aber auch das Rampenlicht im Privaten. Als der Walliser im vergangenen Sommer heiratete, machte er das vor TV-Kameras. Und zu den 600 Gästen gehörte Polit-Prominenz - allen voran Pascal Couchepin. Mit ihm gemein hat Darbellay nicht nur den Geburtsort Martigny, sondern auch den Hang zur Selbstdarstellung.

An seiner Hochzeit konnte sich Darbellay wieder als Strahlemann zeigen. Nur einen Monat zuvor hatte er eine bittere Pille schlucken müssen: In der Walliser CVP war er mit seiner Kandidatur für ein Regierungsamt im Staatsrat gescheitert. Mit einem anderen Poker hatte Darbellay Erfolg: 2003 wechselte er von den Christlichsozialen (CSP) zur CVP - und wurde flugs in den Nationalrat gewählt. An ihm haften blieb der Ruf, ein Opportunist zu sein.

Auch aus jüngerer Zeit gibt es Beispiele, in denen Darbellay keine Mühe zeigte, Positionen zu wechseln. Im Steuerstreit mit den USA erwog er, das Bankgeheimnis in der Verfassung zu verankern, nur um kurz darauf zurückzurudern. Auf Spenden der staatlich gestützten UBS beharrte er zunächst, um sie dann doch nicht anzunehmen. Und beim Strafrecht, deren Revision die CVP auf 2007 unterstützte, liess Darbellay vor kurzem auf eine Verschärfung pochen.

Opportunitäten statt Opportunismus

Darbellay liebt das Spiel um die Volksgunst. Von Opportunismus oder Populismus spricht er nicht, dafür von Opportunitäten: «Ich gehe Projekte an, von denen ich das Gefühl habe, dass sie auch eine Chance haben», sagte er dem «Bund». Seine forsche Gangart irritiert bisweilen auch CVP-Mitglieder. 2006 stand er aber bereit, als die CVP im Parteipräsidium ein neues Zugpferd suchte für Doris Leuthard, die in den Bundesrat gewählt worden war.

Dass jetzt, in der Debatte um die Couchepin-Nachfolge, die sprachregionale Herkunft eine wichtige Rolle spielt, kann Darbellay, dem Welschen, nur recht sein. Und dass Couchepin selber einen Romand im Bundesrat forderte, kann als Wahlkampf für die FDP abgebucht werden - oder als indirekte Unterstützung für seinen Unterwalliser Freund Christophe Darbellay.