Ferienpass

Mörser und Shaker halten Kinder im Bann

Geschick: Auch Schütteln will gelernt sein: Sophie (links) und Vanessa. Felix Gerber

Schütteln

Geschick: Auch Schütteln will gelernt sein: Sophie (links) und Vanessa. Felix Gerber

Ananassaft und Kokosmilch, Minze und Kiwi wecken bei jedem Kind die Freude am Experimentieren. Das Schönste dabei: Niemand hantiert am neuen Ferienpasskurs mit Masslöffel oder Hohlmass.

Daniela Deck

Mit der flachen Hand haut Kursleiterin Edith Mettler auf den Cocktailshaker. Das Glas darunter knirscht, und zehn Ferienpasskinder halten den Atem an. Man stelle sich vor, sie würden daheim auf ein Glas einschlagen. «Das macht man so», beruhigt Edith Mettler die Kleinen. Dann drückt sie die kalte Röhre einem Mädchen in die Finger. Erst zaghaft, dann immer mutiger fängt das Kind an zu schütteln.

Was schadet es, dass die meiste Energie zwar den Rossschwanz zum Wippen bringt, den Cocktail aber gar nicht erreicht? Der «Hexendrink» mit blauem Curaçao-Sirup schmeckt auch so wunderbar. Reihum füllt die Kursleiterin jedem Kind zwei Fingerbreit davon in den Becher. So viele Fruchtkombinationen gilt es innerhalb einer Stunde auszuprobieren, dass die Vier- bis Siebenjährigen nach wenigen Schlucken genug haben.

Den Mörser kennenlernen

Am Nachbartisch im Eusebiushof sind zwei Freundinnen von Edith Mettler damit beschäftigt, den Schmuck der Becher mit Fruchtscheiben zu überwachen. Für Kinder, die noch nie eine Ananas oder Mango gesehen haben, liegen neben den frischen Früchten Fotos bereit. In zwei, drei Sätzen steht da auch, warum die Banane krumm ist: weil sie seitlich aus der Staude herauswächst, dem Licht entgegen.

Bei Edith Mettler am Tisch haben die Kinder mittlerweile die Kokosmilch entdeckt. Gar nicht genug können sie davon bekommen. Dann folgt die nächste Sensation: der Mörser. Die wenigsten Kinder haben jemals ein solch altertümliches Gerät gesehen. Doch einige sind bereit selbst herauszufinden, was mit Pfefferminze passiert, die man mit dem Stössel bearbeitet. Alle riechen am zerstossenen Kraut, bevor dieses im Shaker verschwindet.

Unbestechlicher Geschmacksinn

Die drei Mütter - ihre eigenen Kinder sitzen an einem Tisch und malen - delegieren jeden Handgriff, den sie können. An den Mixer lässt Edith Mettler aus Sicherheitsgründen aber kein Kind heran. «Zu süss, zu sauer, noch mehr Sirup?» fragen die Helferinnen. Die Kinder verlassen sich beim Abschmecken ganz auf ihren Geschmackssinn.

Und siehe da: Die Getränke, die sie mixen, schmecken fantastisch. «Wenn schon Cocktails, dann richtig», bemerkt Edith Mettler. Erstaunlich wenig verschütten die Kindergärteler. Sie brauchen viel Ermutigung, doch am Schluss entwickeln sie Eigeninitiative.

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