Möhlin wird Stadt und bleibt trotzdem Dorf

«Möhlin bleibt trotz Wachstum ein Dorf»

«Möhlin bleibt trotz Wachstum ein Dorf»

Momentan leben in Möhlin 9880 Personen. Gemeindeammann Fredy Böni rechnet damit, dass Möhlin bis im Sommer 10 000 Personen zählt und damit Stadtgrösse erreicht. Doch Wachstum bringt auch Probleme mit sich. Gemeindeammann Fredy Böni ist überzeugt, dass stetes Bevölkerungswachstum wichtig ist für Möhlins Zukunft.

Lilly-Anne Brugger

Vor 60 Jahren war Möhlin ein Bauerndorf. In der Zwischenzeit hat sich die Gemeinde stetig verändert und weiterentwickelt. Zahlreiche Bauernbetriebe sind vom Dorfkern ins Landwirtschaftsland auf Höfe umgesiedelt oder sind verschwunden. Dafür haben sich kleinere und mittlere Unternehmen in Möhlin angesiedelt und die Gemeinde wird auch für Zuzüger aus der Agglomeration Basel immer interessanter. Durch die verdichtete Bauweise der letzten Jahre wächst Möhlin jährlich um rund 180 Personen. Bald wird der zehntausendste Einwohner nach Möhlin ziehen. Dann könnte sich Möhlin «Stadt» nennen. Gemeindeammann Fredy Böni ist aber überzeugt: «Möhlin ist und bleibt ein Dorf, auch wenn wir im Juni oder Juli die Schallmauer von 10000 Einwohnern durchbrechen werden.»

Stadtrecht steht nicht im Fokus

Für den Gemeindeammann ist klar, dass das Anstreben des Stadtrechtes oder die Einführung eines Einwohnerrates nicht gewünscht wird und auch kein Ziel des Gemeinderates ist. «Der Wunsch nach dem Stadtrecht müsste vonseiten der Bevölkerung geäussert werden.» Er gebe nicht viel auf solche Titel, meint Böni und betont, dass es in Möhlin wichtigere Probleme zu lösen gebe als die Frage nach dem Stadtrecht. So müssen jedes Jahr fast 200 neue Einwohner in die Dorfgemeinschaft integriert werden – obwohl es immer wieder auch Menschen nach Möhlin zieht, die die Anonymität des wachsenden Dorfes schätzen. Nur wenn Zuzüger integriert werden, kann der Dorfcharakter von Möhlin erhalten bleiben, ist Böni überzeugt. Im letzten Jahr wurde deshalb eine Stelle für Kultur- und Standortmarketing geschaffen, die unter anderem den Zuzügern die Integration im Dorf erleichtern soll. So erhalten einerseits die Zuzüger Informationen über Dorfvereine und die Möglichkeiten zur Teilnahme am Dorfleben. Andererseits leitet die Stelle für Standortmarketing auch die Adressen von interessierten Neuzuzügern an die Dorfvereine weiter.

Stetes Wachstum als Ziel

Auch wenn Wachstum den Gemeinderat immer wieder vor Herausforderungen stellt, strebt Fredy Böni ein stetes Wachstum für seine Gemeinde an. «Stillstand ist Rückschritt», ist er überzeugt. Sobald Möhlin nicht mehr wachse, setze eine Negativspirale ein, so Böni. Deshalb befürwortet er auch die weitere Verdichtung und moderate Neueinzonung von Bauland, so wie sie in der überarbeiteten Bau- und Nutzungsordnung von Möhlin vorgesehen ist. Die Infrastruktur von Möhlin sei auf etwa 15000 Einwohner ausgelegt, erklärt Böni. Zusätzliche Einwohner helfen, die Ausgaben von Möhlin, die zu einem grossen Teil nicht von der Gemeinde beeinflusst werden können, besser zu tragen. Deshalb seien die geplanten Einzonungen so wichtig, sagt Böni. Ohne Neueinzonungen könnte bereits jetzt die Gefahr bestehen, dass sich die Negativspirale in Gang setzt.

Zuzüger auch aus dem Umland

So ist die Bautätigkeit und das Wachstum von Möhlin nicht nur für Zuzüger interessant, sondern auch für Einheimische und das Gewerbe. Zahlreiche junge Pärchen aus Möhlin – aber auch aus dem Möhlin- oder Fischingertal – finden in den kostengünstigen Neubauwohnungen in Möhlin ihr erstes Zuhause.

Doch nicht alle in Möhlin sind in Bezug auf die Einzonungen und das angestrebte Wachstum der Gemeinde gleicher Meinung wie der Gemeinderat. Die Bau- und Nutzungsordnung wird von verschiedenen Seiten bemängelt – unter anderem auch die Einzonung von weiterem Bauland. Es wird die Angst geäussert, dass mit dieser Einzonung ein «Ausverkauf von Möhlin» stattfindet und zu viele landwirtschaftlich genutzte Flächen verschwinden könnten. Für Böni ist aber klar: «Möhlin wird nicht ausverkauft.» Der Gemeindebann von Möhlin ist mit 1879 Hektaren der drittgrösste des Kantons. Im neuen Zonenplan sind davon nur 311 Hektaren als Siedlungsgebiet vorgesehen.

Jeden Franken dreimal umdrehen

Nach seinen Visionen für die Gemeinde Möhlin gefragt, sagt Gemeindeammann Fredy Böni: «Möhlin soll ein lebendiges und attraktives Dorf mit einer landschaftlich einmaligen Umgebung bleiben.» Wachstum gehört für Böni zu dieser Vision ganz klar dazu, denn für ihn ist Wachstum gleich bedeutend mit Attraktivitätssteigerung. Dass dies die eine oder andere Herausforderungen bietet – auch in Bezug auf das Möhliner Haushaltsbudget – ist sich Böni bewusst. «Wir müssen hier wirklich jeden Franken drei- mal umdrehen», sagt er. Doch er liebe die Herausforderungen, so der Gemeindeammann. Eine davon ist, das Wachstum von Möhlin zum Besten für seine Gemeinde zu nutzen.

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