Wemoba

Modellbahnen füllen eine Welt

Im Laden von Philippe Wenger dreht sich alles um eines: Modelleisenbahnen.

Modellbahnen füllen eine Welt

Im Laden von Philippe Wenger dreht sich alles um eines: Modelleisenbahnen.

Im landesweit grössten Laden der kleinen Bahnen in Pieterlen: Geschäftsführer Philippe Wenger erklärt, warum alle seine Mitarbeiter das Hobby zum Beruf gemacht haben und weshalb ihm der Märklin-Konkurs keine Sorgen bereitet.

Daniela Deck

«Ich würde nie jemanden einstellen, der selbst nicht ‹modellbähnelt›. Begeisterung ist alles. Sonst fehlt jegliches Herzblut, und das merkt der Kunde.» Philippe Wenger ist mit diesem Rezept immer gut gefahren. Vor 16 Jahren kehrte er der Versicherungsbranche den Rücken und gründete die Wemoba GmbH. Schon bald musste die Firma aus Platzmangel daheim weg und bezog in der Industriezone Pieterlen ein Domizil. Dieses befindet sich direkt neben dem Bahnhof. Auch auf den Zusammenhang zwischen Klein und Gross würde Wenger nie verzichten. Laden und Reparaturwerkstatt umfassen 690 Quadratmeter Fläche. Ein Geschäft, das Kundschaft aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland anlockt. «Nach Aussage der Lieferanten sind wir das Grösste in der Schweiz», erklärt Philippe Wenger stolz.

Boom nach dem Jahr 2000

Gegenwärtig gibt die weitläufige Miniaturwelt fünf Personen Arbeit. «Nach dem Jahr 2000 gab es einen richtigen Boom. Da waren wir 15», erzählt der Geschäftsführer. Alljährlich, zur Börse im September, beschäftigt er für einen Tag sogar 25 Verkäufer. Ein Pieterler Verein betreibt dann das Festzelt, und die Modellbahnliebhaber reisen teilweise im Car an.
Die kleinen Züge haben den Sprung vom Kinderspielzeug zum Hobby für Erwachsene längst geschafft. Die Digitalisierung, von einigen Puristen noch argwöhnisch betrachtet, hält Philippe Wenger für einen Segen. «Damit ist alles einfacher geworden und weniger pannenanfällig.» Bis 9999 Loks könnten auf einer Anlage theoretisch gleichzeitig fahren.

Den Einwand, damit seien Modellbahnen weniger sinnlich, will er nicht gelten lassen. «Auch die Grossen sind heute computergesteuert. Inzwischen ist alles echter als früher.» Als Beispiel nennt er ein Modell der Firma Roco: Erst gehen die Lichter der Lok an, dann ihr Kompressor. Das Licht in den Wagen schaltet sich ein, die Türen öffnen und schliessen sich, wobei die letzte für den Kondukteur länger offen bleibt. Aus dem Lautsprecher klingt die «echte» Mahnung «Vorsicht bei der Abfahrt», und los gehts. «Im analogen System konnte man davon nur träumen», so Wenger.

Auch Bestellungen über 10 000 Franken

Vom Konkurs der Traditionsmarke Märklin hat die Wemoba profitiert. Momentan registrieren wir Hamsterkäufe», sagt der Geschäftsführer und beruhigt die Märklinfreunde: «Die Produktion geht weiter. Da ändert sich gar nichts.»
Der Löwenanteil der Kundschaft fährt zur Entspannung Modelleisenbahn. «Bei mir schaut zu Hause jeweils noch die Katze zu, und dann ist die Szenerie zum Relaxen perfekt», schwärmt Philippe Wenger. Ein paar Kunden hätten indessen ambitiöse Pläne. «Sie geben mir jeweils Jahresbestellungen im fünfstelligen Bereich», verrät er. In den letzten Jahren entdeckten immer mehr Frauen dieses Hobby. «Wenn es sie erst einmal gepackt hat, dann sind sie extrem. Sie legen viel mehr Wert auf das Drumherum als Männer. Ein Bahnhof ohne Reisende ist für Frauen undenkbar», sagt der Profi und schmunzelt.

Leonardo Da Vinci und seine Modelle

Die Firma Wemoba vertreibt alle gängigen Marken. «Nur Märklin wäre mir zu einseitig», sagt Philippe Wenger. Er betreut eine Kundschaft, die grossenteils lebenslang markentreu ist. Im Sortiment hat er unterschiedliche Spurbreiten. Neben der klassischen H0 im Massstab 1:87 fasziniert Wenger besonders die Spur 0. Ursprünglich war das die Formel 1:43.5, die die moderne Industrie auf 1:45 aufgerundet hat. Das hat historische Gründe: «Schon Leonardo Da Vinci hat alle seine Gebäudemodelle in diesem Massstab gezeichnet oder bauen lassen. Offenbar ist das die beste Grösse für das menschliche Auge, die Grösse, unter der sich das Gehirn am meisten vorstellen kann.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1