Jürg Rettenmund

Gestern kurz vor halb drei Uhr am Inkwilersee: Wo sonst Spaziergänger und Velofahrer die Natur geniessen, fahren drei grosse Armeelastwagen mit Anhängern sowie zwei weitere Militärfahrzeuge auf. Nun ist es vorbei mit der Ruhe im sogenannten Badloch, wo eine Gruppe von Frauen und Männern auf den Ruhebänken auf den See blicken, in den am gegenüberliegenden bereits vier grosse Wasserfontänen spritzen.

Jetzt fahren auch hier die Soldaten ihre Spritzen in Stellung, verlegen Rohre und Schläuche und werfen die Motoren an. «Weil die Kontrollen am Montagmorgen zwar keine Verschlechterung mehr, aber auch keine Verbesserung anzeigten, entschlossen wir uns, die Leistung nochmals zu verdoppeln», erklärt Heinz Büttler, Kommandant der Rettungsrekrutenschule 75 und des Waffenplatzes Wangen-Wiedlisbach. Damit laufen nun seit gestern vier Motorspritzen und wälzen über acht Wasserwerfer pro Minute 32 000 Liter Seewasser um.

Einsatz ohnehin vorgesehen

Aufgrund der Wetterlage sei ein Einsatz seiner Soldaten schon längere Zeit für gestern Morgen vorgesehen gewesen, erklärt Büttler. Doch dann verschlechterte sich der Zustand des Sees schneller und stärker als erwartet. «Seit Donnerstag beobachten wir die Entwicklung intensiver», hält Daniel Schrag fest, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Amt für Umwelt des Kantons Solothurn und Leiter der Arbeitsgruppe Inkwilersee, die sich mit möglichen Massnahmen zur Erhaltung des Sees befasst. Am Samstag stellten sie dann fest, dass tote Fische in grösserer Zahl im See schwammen (Ausgabe von gestern).

Als erstes wurde die Feuerwehr Buchsi-Oenz aufgeboten, die bis am Sonntagabend mit bis zu fünf Pumpen 1100 Kubikmeter Wasser umwälzte.

20 Mann der Spezialformation für Wassertransport standen gemäss Kommandant Urs Zumstein im Einsatz.

Die Probleme mit der Wasserqualität des Inkwilersees sind seit Jahren bekannt. In den 1990-er Jahren kippte der See gemäss Schrag dreimal, am schlimmsten war es 1993. Dann wurden Pumpen installiert, die das sauerstoffarme Tiefenwasser an die Oberfläche bewegen und damit den Sauerstoffhaushalt verbesserten.

Die Probleme haben einerseits mit dem See selbst zu tun: Dieser ist nur 4,5 Meter tief und sehr nährstoffreich. Kommen dann warme Tage und schliesslich ein Wetterumschwung mit sinkenden Temperaturen und Bise hinzu, kippt die Schichtung des Wassers um, wie Schrag erklärt. Dadurch finden die Fische kein Wasser mit Sauerstoff mehr und ersticken. Mit dem Pumpen und Versprühen des Wassers wird dieses wieder angereichert.

Mit drei Booten am Einsammeln

Mit drei Booten sind Mitglieder der Fischereivereinigung Inkwil seit Samstag auf dem See und sammeln die verendeten Fische ein. Auch Fischreiher, Mäusebussarde und Milane holen sich ihre Nahrung. Rund eine Tonne hätten die Fischer seit Samstag zusammengetragen, erklärt Peter Ramel von der Fischereivereinigung bei einem kurzen Abstecher an Land. Den traurigen Fang müssen sie in der Kadaversammelstelle in Wanzwil entsorgen. Wie viele Fische insgesamt verendet sind, ist schwierig zu sagen, da die grösseren zuerst absinken und erst mit einsetzender Verwesung wieder an die Oberfläche treiben.

Nicht bekannt ist, wie viele Fische im Inkwilersee leben. Schrag geht aber davon aus, dass das Fischsterben den Bestand nicht existentiell bedroht. Ramel schätzt, dass der Schaden am Schluss kleiner sein wird als 1993. Von diesem Schlag hätten sich die Bestände relativ rasch erholt, hält Schrag fest.

Probeweise Schlamm absaugen

Im Oktober will die Arbeitsgruppe Inkwilersee probeweise Schlamm absaugen, um abzuklären, ob so der Verlandung entgegengewirkt werden kann. Ob das aktuelle Fischsterben verhindert worden wäre, wenn dies frühzeitiger geschehen wäre, lässt Schrag offen. Wegen seiner geringen Tiefe bleibe der See anfällig für Wetterschwankungen.

Vorerst bleiben die Soldaten der Rettungs-RS im Einsatz. Gestern waren für die Installation sämtliche 15 Gerätewarte an der Arbeit. Seither betreuen zwei Mann am Tag und vier in der Nacht die Anlagen; sicher bis am Freitag, wenn nötig auch noch über das Wochenende. Bis dann hoffen alle auf den nötigen Wetterumschwung.

«Diese Arbeit passt perfekt in unsere Ausbildung», erklärt Kommandant Büttler. Bevor die Rekturen am Montag eingesetzt werden konnten, leisteten vier Berufsoffiziere des Waffenplatzes Soforthilfe.