Michael Nittnaus

Eigentlich heisst der 1892 in Hamburg gebaute Dampfschlepper «Geheimrat Garbe». «Das klingt aber irgendwie nach Zweitem Weltkrieg. Und ausserdem kennen wohl die wenigsten Robert Garbe, den Erfinder der Heissdampflokomotive.» Matthias Staehelin und die Mitglieder vom erst im Februar gegründeten Verein Basler Schleppschifffahrt (VBS) taufen das Schiff daher demnächst auf den Namen «Basilea».

So entstünde ein besserer Bezug zur neuen Heimat des 117-jährigen Kahns. Dessen Alter ist auch sein Kapital, denn es ist der letzte Doppelschrauben-Dampfschlepper, der auf Binnengewässern erhalten geblieben ist. «Als wir erfuhren, dass der Voreigner das Schiff zum Verkauf anbietet, schlugen wir zu», erzählt Staehelin nicht ohne Stolz, denn man habe sich auch gegen Mitinteressenten aus England und den USA durchsetzen können. 45 000 Euro kostete der «Geheimrat».

Restaurierung kostet fast eine Million

Bis er allerdings auf dem Rhein tuckern kann, ist eine aufwändige Restauration nötig, die insgesamt 950 000 Franken verschlingt. «Dank eines Mäzens, der sich auch für die Schifffahrt begeistert, fehlt nun noch rund die Hälfte.» Für Staehelin steht aber bereits fest, dass damit die Umsetzung des Projektes gesichert ist.

Die Restaurierungsarbeiten in der Werft im deutschen Havelberg sind in vollem Gang. «Zur Not können wir den Restbetrag selbst aufbringen, aber nach wie vor sind wir über jede Spende froh.» Dafür wird der VBS in den kommenden Wochen Standaktionen in und um Basel organisieren.

Der Zeitplan ist knapp. Bereits ab Mai soll der Dampfschlepper betriebsbereit sein und zum Auftakt ab Mitte Juni jeweils an den Wochenenden auf der Museumslinie zwischen der Stadt und dem Rheinhafen verkehren. Er soll als Bindeglied zwischen Basel und der Ausstellung «Verkehrsdrehscheibe Schweiz» in Kleinhüningen fungieren.

Auch eine wöchentliche Linie nach Rheinfelden ist angedacht. Ausserdem wird man das Schiff für Privatanlässe chartern können. Mit einer Kapazität von nur 20 Personen hofft der Verein, eine Marktlücke auf dem Rhein auszufüllen. «Wir wollen nicht mit der Basler Personenschifffahrt (BPG) konkurrieren. Wir sprechen weniger die 08/15-Klientel an, als vielmehr begeisterte Schiff-Fans, die etwas erleben wollen», so Staehelin.

Auf der «Basilea» soll den Menschen gezeigt werden, wie Schifffahrt vor hundert Jahren war. «Bei uns kann man eben nicht einfach den Zündschlüssel drehen, sondern dem Kohleheizer direkt über die Schulter schauen.» BPG-Geschäftsführer Christian Vultier begrüsst den Mitbewerber und ist sich sicher, «dass der kleine Dampfer keine Konkurrenz für uns ist, sondern eine neue Rhein-Attraktion».

Nur dank Ehrenamtlichen möglich

Der niedrige Kohlepreis hilft bei der Wirtschaftlichkeit und die Vereinsstruktur ermöglicht es dem VBS, dass alle Arbeit ehrenamtlich von den Mitgliedern gemacht wird. «Ohne Dampfschifffans geht es nicht», ist sich Staehelin denn auch bewusst. Dabei könnten Projekte wie dieses in der Schweiz auf eine stark verwurzelte Szene zählen. Selten scheitere es an mangelnder Unterstützung.