Sponsoren
Mit Schlagzeilen gegen Hooligans ankämpfen

Einen neuen Weg im Kampf gegen das Hooligan-Problem geht jetzt das grösste Sponsoring-Magazin der Schweiz: Es publiziert Meldungen von Ausschreitungen im Sport auf seiner Internetseite. «Keine gute Idee», finden die Marketingverantwortlichen von FCZ und GC.

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Sicherheitsleute

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Limmattaler Zeitung

Philippe Klein

40 000 Franken muss der FC Zürich bezahlen, weil seine Fans am 20. November im und um den Basler St.-Jakob-Park randalierten. Dies hat der Schweizerische Fussballverband am Freitag entschieden. Saftige Geldstrafen sind aber nur eine von zahlreichen Massnahmen gegen Gewalt im Umfeld von Sportveranstaltungen. Immer lauter wird auch im Kanton Zürich der Ruf nach Polizei, mehr Prävention und mehr Richter.

Einen ganz neuen Ansatz hat Jürg Kernen, Herausgeber und Leiter von «Sponsoring extra», gewählt. Seine Publikation ist das schweizweit einzige Fachmagazin im Bereich Sponsoring und Eventmarketing. Bis zu 5000 Entscheidungsträger informieren sich via «Sponsoring extra» und den gleichnamigen Newsletter.

Seit kurzem nun publiziert Kernen nebst den täglichen News aus dem Sponsoring- und Eventmarkt auch sämtliche Ausschreitungen im Sport - insbesondere im Dunstkreis von Fussball- und Eishockeyspielen. Und das nicht zur Freude aller Beteiligten, wie er auf Anfrage sagt: «Vielen Sportexponenten stösst das sauer auf. Die wirtschaftliche Situation sei für die Sponsorensuche derzeit schon schwierig genug, sagt man mir, da müsse ‹Sponsoring extra› die Situation nicht noch unnötig anheizen.»

«Pures Gift»

Kernens Idee aber ist folgende: Wenn sich Sponsoren erst einmal bewusst werden, dass bestimmte Klubs immer wieder im Zusammenhang mit gewalttätigen Auseinandersetzungen in die Schlagzeilen geraten, werden sie ihr Engagement dort reduzieren - oder gar aussetzen. Kernen: «Sponsoren kann das nicht egal sein, wenn ihr Sponsoringobjekt dauernd negativ in den Schlagzeilen ist. Für ihre Marke ist das pures Gift.» Er hofft, dass der finanzielle Druck, der so entsteht, die Klubs dazu bringt, ihre Fans im Zaun zu halten.

In Sportkreisen ist man von diesem Ansatz alles andere als begeistert. Zwar begrüsst man beispielsweise beim Fussballklub Grasshoppers Zürich «jedes Mittel, das Krawalle und Ausschreitungen verhindert», wie Sprecher Eugen Desiderato auf Anfrage erklärt. Allerdings würden sich die grossen Sponsoren heute schon sehr genau überlegen, in welchen Bereich sie investieren. «Auf eine einzelne Meldung mehr oder weniger kommt es da nicht an», so Desiderato.

Auch Christian Müller, Leiter Marketing des FC Zürich, findet Kernens Vorgehen «keine gute Idee». Ausschreitungen hätten mit dem Sport an sich nicht viel zu tun, sagt Müller. Die hohe Gewaltbereitschaft zeige sich beispielsweise auch an den jährlichen 1.-Mai-Demonstrationen oder an den Anti-WEF-Kundgebungen. «Man soll den Krawallanten keine neue Plattform bieten. Das gefährdet auch das gute Verhältnis, das wir mit unseren Sponsoren seit Jahren pflegen», ärgert sich Müller.

Sponsoren kaum beeindruckt

Die Sponsoren selber scheinen die Ausschreitungen vor und nach Hochrisikospielen allerdings kaum zu beeindrucken. Markus Werner vom Einhockey-Sponsor Feldschlösschen meint: «Natürlich sind wir aufmerksam, was das sensible Thema betrifft. Dass wir uns deshalb aus dem Engagement verabschieden könnten, ist aber keine Option.»

Ähnlich tönt es beim Namenssponsor der «Axpo-Superleague». Ein Ausstieg aus dem Engagement scheint für den Stromanbieter derzeit nicht prioritär. Mediensprecher Erwin Schärer bemerkt lediglich: «Unser Vertrag läuft bis und mit der Super-League-Saison 2011/2012.»

Hintenrum wird Druck gemacht

«Sponsoring extra»-Publizist Jürg Kernen bleibt aber optimistisch: Er kenne viele Firmen, die mittlerweile vermehrt in den Breitensport oder die Nachwuchsförderung investieren. Weil dieses Engagement günstiger komme als jenes im Spitzensport, bleibe auch noch ein schöner Batzen übrig, um das Engagement massenwirksam zu kommunizieren.

Hinter vorgehaltener Hand würden die Sponsoren sehr wohl Druck machen auf die Klubs. Und zusammen mit den restriktiven Massnahmen der öffentlichen Hand könnte dies durchaus dazu beitragen, dass das Hooligan-Problem in Zürich und in der gesamten Schweiz an Brisanz verliert.