Hochwasser

Mit Natur pur gegen Hochwasser

So wie 1999 soll es in Dietikon nie wieder aussehen: Seitdem die Limmat damals übers Ufer trat, wurde für den Hochwasserschutz viel getan.

Hochwasser in Dietikon

So wie 1999 soll es in Dietikon nie wieder aussehen: Seitdem die Limmat damals übers Ufer trat, wurde für den Hochwasserschutz viel getan.

«Land unter» hiess es 1999 in Dietikon. Die Limmat trat über die Ufer und hielt die Bevölkerung in Atem. Seitdem wurde für den Hochwasserschutz vieles getan.

Sidonia Küpfer

Die Limmat führt dieser Tage viel Wasser. Der Abfluss dürfte heute noch zunehmen. Mit Überschwemmungen rechnet die Baudirektion des Kantons Zürich aber nicht. Das war in der Vergangenheit schon anders.

Vielen dürfte das Hochwasser von 1999 noch in Erinnerung sein: An Auffahrt und Pfingsten traten die Limmat und die Reppisch über die Ufer und hielten Feuerwehr und Zivilschutz auf Trab. Das Fussballfeld auf der Dornau stand unter Wasser und auch zwischen Autobahn und Limmat nahe Oetwil hatte sich ein See gebildet.

In Geroldswil, Oetwil und Weiningen war das Trinkwasser nach der Überschwemmung des Pumpwerks Schanzen verschmutzt. Die Bevölkerung musste das Wasser zum Trinken, Kochen und Zähneputzen abkochen.

Volkswirtschaftlich relevant

Ein derartiges Hochwasser wie 1999 richtet volkswirtschaftlich grossen Schaden an. Um ein solches Ereignis zu verhindern, unternahm der Kanton in den letzten Jahren einiges: Das Zauberwort heisst Renaturierung. Sie geht heute Hand in Hand mit den Massnahmen zum Hochwasserschutz. Während man im ausgehenden 19.Jahrhundert genau das Gegenteil machte, nämlich den Flusslauf begradigte, baut moderner Hochwasserschutz auf breitere Flussbetten und naturnahe Ufer.

«Renaturierungsmassnahmen sind heute gemäss Wasserbaugesetz des Bundes immer integrierender Bestandteil eines Hochwasserschutzprojektes. Sie machen je nach Projekt zwischen 20 und 60Prozent der Projektkosten aus», erklärt Dominik Bonderer von der Medienstelle der kantonalen Baudirektion. Die Tendenz ist steigend: «Durch das neue Gewässerschutzgesetz, welches ab dem 1.Januar 2011 in Kraft tritt, wird die Bedeutung von Renaturierungsmassnahmen noch zunehmen.»

Reaktivierung von Auen

In Geroldswil wurde 2005 ein erstes Projekt abgeschlossen. Dort entstand eine rund neun Hektaren grosse Auenlandschaft. Die Massnahmen waren eine Auflage des Kantons an das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich für die Konzessionserneuerung ihres Kraftwerks in Wettingen. Davon profitierte die Limmat auch in Dietikon: Entlang des Industrieareals Grien wurde der Damm erhöht, zudem wurde das Ufer im Bereich Schachen gesichert und renaturiert.

Auch in Unterengstringen sind bereits Ufersicherungs- und Aufwertungsmassnahmen abgeschlossen. Diese Anpassungen sind Teil des Gesamtkonzepts Betschenrohr-Zelgli, das in den nächsten 5 bis 15Jahren umgesetzt werden soll, wie die Baudirektion erklärt. Dabei ist eine Erhöhung des Uferschutzes geplant. Das Ufer wird auf der linken Seite zurückversetzt, der Fluss erhält ein breiteres Bett .

Ein Auenwald beim Klärwerk

Mit der Neukonzessionierung des Kraftwerkes Dietikon werden auch dort weitere Massnahmen geplant, wie die Baudirektion erklärt. Der Zeithorizont sei etwa bis 2016. Und schliesslich gehört auch das Projekt Auenpark Werdhölzli in die Serie von Hochwasserschutzmassnahmen: Zwischen dem Wehr Höngg und der A1-Brücke wird der Damm erhöht und zurückversetzt. Gleichzeitig wird ein Erlebnissteg gebaut: Dieser soll in 1,5Meter Höhe durch den Auenwald – das Herzstück des Projektes – führen: Die Initianten gehen davon aus, dass der Fluss an dieser Stelle alle zehn Jahre über die abgeflachten Ufer treten und den Wald zwischen Ufer und Klärwerk Werdhölzli periodisch fluten wird. Vom Steg aus können Besucher die Veränderungen beobachten.

Ein Beispiel für das Umdenken im Hochwasserschutz: Wo das Wasser keinen Schaden anrichtet, darf es sich seinen Weg suchen. Wo der Fluss aber zur Gefährdung werden kann – wie etwa beim Klärwerk –, wird der Schutz vergrössert: durch Dämme, aber auch durch ein breiteres Flussbett, das die Fliessgeschwindigkeit reduziert.

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