Leuzigen

Mit Mut zur Menschlichkeit

Warmherzig: Das Jabahe-Gespann, hinten v. l.: Chantal Bravaud, Leiterin Therese Frei, vorn: Bernadette Marti, Carolin Winter. (Bild: IGU)

Jahabe

Warmherzig: Das Jabahe-Gespann, hinten v. l.: Chantal Bravaud, Leiterin Therese Frei, vorn: Bernadette Marti, Carolin Winter. (Bild: IGU)

Seit zehn Jahren besteht die betreute Wohngemeinschaft Jabahe in Leuzigen. Obwohl das finanzielle Umfeld nicht einfach war und ist: Das Haus an der Metzgergasse hat sich zu einem Beispiel entwickelt, wie das Zusammenleben von Menschen mit und ohne geistige Behinderung auch ausserhalb von grossen Institutionen geschehen kann.

André Weyermann

Am Anfang stand «die Regierung». Im März 1999 gastierte diese Musikgruppe bei einer Matinee der Vereinigung Pro Jazz Grenchen. Dabei handelt es sich um fünf behinderte Mitglieder und zwei «normalbehinderte» Musiker. Ihr Besuch kam auf Initiative von Therese Frei zustande.

«Das war für mich ein Schlüsselerlebnis», blickt die ehemalige Lehrerin zurück. «Ich erkannte, dass für eine gute Betreuung, ein gutes Zusammenleben, eine professionelle Distanz nicht nötig ist und habe mir in den Kopf gesetzt, ebenfalls eine solche oder ähnliche Institution zu gründen», fährt sie fort.

Dauerhafte Bindungen

Gesagt, getan. Und dies mit aller Konsequenz. Trotz warnenden Ratschlägen von Freunden und Bekannten, löste sie ihre ganze Altersvorsorge aus und machte sich selbstständig. Zunächst galt es, eine geeignete Liegenschaft zu finden.

«Ich wollte mein Projekt unbedingt in Leuzigen verwirklichen. Hier war und bin ich verwurzelt und spüre die Unterstützung der Menschen», erklärt Therese Frei. Im Oktober 1999 war es dann so weit. Das Haus war nach einigen Umbauarbeiten bezugsbereit, und die erste Mitbewohnerin konnte einziehen.

Von Anfang an war die Vorstellung der Initiantin auf drei bis vier Mitbewohnerinnen ausgelegt. Heute lebt Therese Frei zusammen mit Bernadette Marti, Carolin Winter, Chantal Bravaud und dem WG-Hund Enno mitten im Dorf am Leuziger Hang. Die Institution war nie nur als Durchgangsstation gedacht, sondern sollte familienähnliche Strukturen aufweisen. So leben die vier Frauen seit Jahren zusammen. Eine weitere Mitbewohnerin, Myrtha Affolter, ist im Jabahe gestorben.

Fester Platz in der Kulturagenda

«In einem Workshop für Rhythmus und Tanz habe ich ein melodisch einfaches ghanaisches Willkommenslied gelernt, welches ich gleich meiner ersten behinderten Wohnpartnerin beibrachte. Seither begrüsste sie unsere Besucher singend mit «Jabahe ...» und hat so unserem Haus seinen Namen gegeben.»

Überhaupt ist Musik ein wichtiger Bestandteil im Leben der Gemeinschaft. Aus einfachen rhythmischen Übungen hat sich unter Mithilfe befreundeter Musiker die Jabahe-Band entwickelt. Inzwischen bringt es diese auf gut einen öffentlichen Auftritt pro Monat. Ihre weltumspannende musikalische Reise mit Evergreens hallt bis über die Region hinaus.

Ein fester Bestandteil in der Leuziger Kulturagenda sind die Benefiz-Konzerte, die seit 2001 jährlich auf dem Gelände des Fussballclubs stattfinden. «Als wir uns zu Beginn in einer schwierigen finanziellen Lage befanden, hat der Grenchner Musiker und Ladenbesitzer Kurt Gilomen die erste solche Veranstaltung organisiert», erinnert sich die Jabahe-Gründerin. Dank der grosszügigen Unterstützung vor allem seitens des Fussballclubs werden die Events von der Institution nun in Eigenregie ausgerichtet.

Eng mit dem Dorf verflochten

Die Wohngemeinschaft ist nach zehn Jahren im gesellschaftlichen Leben von Leuzigen integriert. Das äussert sich nicht zuletzt daran, dass sie möglichst viele Produkte des täglichen Bedarfs in der Region ersteht. «Ich bin mir jederzeit bewusst, dass wir ohne Unterstützung der Dorfgemeinschaft nicht existieren könnten», betont Therese Frei.

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