Moscht

Mit Most den Herbst eingeläutet

Lehrreich: Zuerst müssen die Äpfel zerhackt werden. Franziska Schädel

Lehrreich

Lehrreich: Zuerst müssen die Äpfel zerhackt werden. Franziska Schädel

Der Süssmostkönig verriet auf seinem Hof etwas von den Geheimnissen, die ihn so erfolgreich machen.

Franziska Schädel

Most gehört zum Herbst wie das bunte Laub an den Bäumen und der Nebel über den Feldern. Für den Bergdietiker Landwirt Fredy Boll ist Most viel mehr: Siebenmal in Folge hat er für seinen Süssmost bereits eine Schweizer Goldmedaille geholt.

Am Samstag ging es auf seinem Hof aber nicht um Medaillen, sondern um Spass und gemütliches Beisammensein. Fredy Boll und sein Sohn Roger demonstrierten den Besuchern, wie gemostet wird. Man erfuhr, dass geklärter Most länger hält und dass dies mit Gelatine oder Ultrazym, einem Stoff aus der Eichenrinde, erreicht wird. «Wenn der Most etwas mehr Frische braucht, dann gebe ich Boskopäpfel dazu», verriet Fredy Boll eines seiner Geheimnisse.

Kinder beim Moschten

Die Kinder interessierte das wenig: Sie beobachteten staunend das Geschehen. An einer kleinen Presse durften sie ihren Most auch selber pressen. «Es isch en Chrampf», stöhnte ein Dreikäsehoch. Als unten der Most in den bereitgestellten Krug lief, war die Mühsal aber schnell vergessen.

Die Idee für die «Moschtete» hatte vor einigen Jahren die Trachtengruppe. Fehlender Nachwuchs erschwerte die Durchführung der jährlichen Abendunterhaltung, die Geld in die Kasse brachte. So machte man sich auf die Suche nach neuen Geldquellen zur Finanzierung der Vereinsaktivitäten.

Neue Geldquellen erschlossen

«Wir dachten: Wenn der Fredy so guten Most macht, dann kann er das doch den Leuten auf seinem Hof zeigen», erzählte Bea Brücker, Vizepräsidentin des Vereins. Seither organisiert der Trachtenverein jedes Jahr eine «Moschtete» mit Würsten vom Grill, Kuchen und Kaffee - und natürlich Süssmost frisch ab Presse.

Am Samstag ging dabei fast vergessen, dass auch eine Mostkrug-Schieb-Meisterschaft geplant war. Vielleicht lags am Wetter, vielleicht daran, dass es bei Wurst und Most in der Scheune so gemütlich war - nur wenige machten beim Mostkrugschieben mit.

Mit dem Regen wollte aber niemand so richtig hadern: «Auch die Obstbäume brauchen dringend wieder einmal Wasser», meinte Roger Boll, der den Hof von seinem Vater übernommen hat. Fredy Boll wird sich mit seinem Most im nächsten Sommer wieder den strengen Juroren stellen, die dann beurteilen werden, ob sein Süssmost brillant, fruchtig, gehaltvoll und harmonisch ist oder ob er «etwas wenig Körper» oder nur eine «leicht verhaltene Aromatik» hat.

Ginge es nach den Besuchern der «Moschtete», der Fall wäre klar und Fredy Boll zum achten Mal Mostkönig. Ein älterer Besucher brachte es auf den Punkt: «Genau so hat der Most immer geschmeckt, als ich noch ein Kind war!» Gibt es ein schöneres Kompliment?

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