Aarwangen

Mit Laser gegen gefährliche Geisterfahrer

Ein neu entwickeltes Gerät bremst Falschfahrer aus und zwingt sie zum Anhalten.

Laser

Ein neu entwickeltes Gerät bremst Falschfahrer aus und zwingt sie zum Anhalten.

Zwei Freunde aus Aarwangen wollen helfen, Unfälle zu verhüten. Sie haben ein Gerät entwickelt, das Geisterfahrer stoppt, bevor sie Unheil anrichten.

Irmgard Bayard

Vor zirka drei Jahren war es, als Vinzenz Peter und Erich Gerber von einem schlimmen Unfall erfuhren, bei dem es zwei Tote gab. Verursacher war ein Geisterfahrer. Kurz darauf gab es eine ähnliche Meldung aus Österreich. «Sowas sollte man doch verhindern können», sagte sich Peter, der eidgenössisch diplomierte Automechaniker und Garagist aus Aarwangen. Also studierten die beiden Freunde während und nach gemeinsamen Ferien an einem Projekt herum. «Wir wollten einen Beitrag zur Sicherheit leisten», sagt der 50-jährige Gerber, «ganz wie es vom Verkehrsminister Moritz Leuenberger gefordert wird.»

Eine Lasertechnik

Die Idee nahm nach einigem Nachdenken Form an: Ein im Auto montierter Sensor nimmt Kontakt mit dem an der Autobahnausfahrt befestigten Reflektor auf. Dieser wiederum löst im in der falschen Richtung fahrenden Auto einen Impuls aus, der die Energiezufuhr stoppt. Das Auto bleibt stehen, ohne die Lenk- und Bremsunterstützung zu beeinträchtigen, und bevor es zum Geistergefährt wird.
Der Grundgedanke war da, nun ging es noch darum, das geeignete Verfahren zu finden. «Elektrisch durfte es nicht sein, weil an Autobahnabfahrten teilweise der Strom fehlt», so Peter. Funk sei schwierig wegen der Frequenzen, «also blieb noch die Lasertechnik.»

Zwei Studenten involviert

Jetzt musste nur noch jemand gefunden werden, der den Prototyp herstellte. «Verschiedene der in Frage kommenden
Firmen lehnten aber ab oder waren zu teuer», erzählt Peter. «Glücklicherweise hatten wir dann die Idee mit der Höheren Fachhochschule für Technik HFT in Biel», fährt Gerber weiter. «Wir fragten nach, ob jemand eine Semesterarbeit über ein spezielles Geräte schreiben wolle.» Zwei Studenten meldeten sich.

Was sie konstruierten, wussten die HFT-Absolventen nicht. «Wir sagten einfach, welchen Anforderungen das Geräte entsprechen muss.» Sechs- bis siebenmal seien sie nach Biel gereist, sagen die Aarwanger Erfinder. Nach rund einem Jahr war das Gerät dann entwickelt.
Der nächste Schritt war die Anwendung. Diese wurden auf den Strassen in Städten und ausserorts durchgeführt. «Ich stand mit dem Reflektor am Strassenrand, Vinzenz fuhr mit dem Auto durch», erzählt Gerber, der als Buchhalter mit eidgenössischem Fachausweis als selbständiger Treuhänder arbeitet. Die beiden Familienväter stellten dabei fest, dass der Sensor zu viele Impulse aufnahm. «Kaum fuhr ich an einem Katzenauge vorbei, stelle das Auto ab», sagt der 60-jährige Peter und grinst. Also musste der Reflektor codiert werden. «Nun funktioniert das Gerät zu 100 Prozent. Und dies, ob jemand die Ausfahrt mit 30 oder mit 120 Stundenkilometer ansteuert», sagt Peter stolz.

Das Patent ist angemeldet

In der Zwischenzeit ist das Gerät beim Patentamt angemeldet. Das sei bisher der teuerste Schritt, sagt Gerber, muss doch dafür mit mehreren Tausend Franken Kosten gerechnet werden. «Glücklicherweise haben wir Sponsoren, die an uns glauben.» Diese wollen allerdings zurzeit noch nicht genannt werden.

Beim Bundesamt für Verkehr, dem Astra, haben die beiden Tüftler ihr Projekt bereits vorgestellt. Dieses setzt aber mehr auf bauliche Massnahmen gegen die Geisterfahrer, «auch wenn diese viel teurer sind, als unser Gerät», wie Gerber findet. Zudem sei das Geisterfahren vor allem ein EU-Problem,sagt man dort. Also haben Gerber und Peter die analogen Stellen in Österreich und Deutschland angeschrieben. Das war kurz vor Ostern, die Antwort steht noch aus.

Geduld ist angesagt

Grosse Versicherungsgesellschaften wurden ebenfalls kontaktiert. Diese seien zwar sehr für präventive Massnahmen, um Unfälle jeglicher Art zu verhindern, so Peter. Sie sagen aber auch, dass Verkehrsmassnahmen in erster Linie ein Politikum seien. Schliesslich müssten diejenigen Länder, die solche Reflektoren installierten, von den Autoherstellern einen serienmässigen Einbau des Empfängers verlangen. Keine grosse Sache, finden Peter und Gerber. Bei einem serienmässigen Einbau des Gerätes durch den Automobilhersteller käme dieses auf rund 200 Franken zu stehen.
Der Prototyp wartet nun auf weitere Einsätze, da er in der Anwendung auch für andere Sicherheitsmassnahmen in Betracht gezogen werden kann.

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