Tod

Mit Kindern dem Thema Tod begegnen

Dorothea Meili-Lehner hat von ihrem grossen Wissen und ihren reichen Erfahrungen berichtet. (Bild zvg.)

Tod

Dorothea Meili-Lehner hat von ihrem grossen Wissen und ihren reichen Erfahrungen berichtet. (Bild zvg.)

Vom Tod reden heisst vom Leben reden. Dieser Grundgedanke hat die drei Abende mit Dorothea Meili-Lehner zum Thema Mit Kindern dem Tod begegnen begleitet. Dorothea Meili-Lehner wurde im Laufe ihres Lebens zur Fachfrau in der Thematik Kind und Tod. An drei Abenden zur religiösen Kindererziehung, von der reformierten und katholischen Kirche organisiert, hat Frau Meili von ihrem grossen Wissen und ihren reichen Erfahrungen berichtet.

Wer mit Kindern zusammenlebt, weiss, Kinder sind grundsätzlich neugierig, wollen erfahren, erforschen, sind spontan und offen, fähig zu staunen und zu glauben. Auch die Frage nach dem Tod beschäftigt sie, manchmal schon sehr früh. Wie das Kind mit dem Sterben, dem Tod zurechtkommt, hängt wesentlich davon ab, wie sich die Erwachsenen verhalten, wie sie mit dem Tod umgehen können. Wenn das Leben der Erwachsenen durch den Tod erschüttert wird, muss es da nicht für Kinder noch schwieriger sein?

Erleben des Todes in den verschiedenen Altersstufen


Kinder im Vorschulalter sehen den Tod im Zusammenhang mit Alter, Krankheit und Spital. Er hat für sie wenig Beängstigendes an sich. Angst macht ihnen nicht das Sterben, sondern eine mögliche Trennung, der Verlust eines ihnen nahestehenden Menschen.
«Wie tief ist ein Grab?» «Was brennt zuerst, die Zähne oder die Nägel eines Menschen» usw. - die «Sache» Tod interessiert die kleinen Menschen. Je älter sie werden, umso mehr erkennen sie, dass alle Menschen sterben müssen und erahnen langsam ihr eigenes Sterben-Müssen.

Umgang mit schwierigen Kinderfragen

Anhand der «Minestrone-Stop-Geschichte» (die nur mündlich weitererzählt werden kann) demonstrierte Frau Meili, dass es objektiv keine schwierigen Kinderfragen gebe, wir subjektiv aber durch unsere Kinder immer wieder auf eigene Fragen gestossen werden. Nicht alle Fragen müssen wir beantworten können. Wichtig aber ist es, ehrlich zu antworten und genau hinzuhören, welche Frage vom Kind dahintersteckt und darüber ins Gespräch zu kommen.

Umgang mit Leiden und Trauer

Eindrücklich war Frau Meilis Votum zum Umgang mit Leid und Trauer: wir leben in der Illusion, Leid vermeiden zu können und versuchen so auch, unseren Kindern das Leiden zu ersparen. Wenn wir aber z.B. das gestorbene Meersäuli heimlich begraben, nehmen wir damit unserem Kind die Chance, mit dem Leiden umgehen zu lernen.
Wenn jemand in unserer Nähe stirbt, sind wir immer wieder unsicher, wie wir uns verhalten sollen. Ist eher Zurückhaltung angesagt und sind Zeichen der Anteilnahme in Trauerzeiten hilfreich? Ihre eigenen Erfahrungen haben Frau Meili bestätigt, dass gelebte Solidarität und Zeichen der Anteilnahme nie genug sein können für Angehörige und Hinterbliebene. In diesem Zusammenhang bemerkte sie, dass stille Beerdigungen mehrheitlich für die betroffenen Angehörigen keinen Sinn machen und zusätzlich Schmerzen auslösen können.

Verschiedene Art von Trauer

In den Phasen der Trauer reagieren Kinder und Erwachsene unterschiedlich. Die aufbrechenden Emotionen können sich in Form von Depressionen oder Aggressionen zeigen oder in einer Flucht. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, die Menschen in ihrer Art zu trauern zu akzeptieren und ihnen nicht unsere Vorstellungen überstülpen zu wollen.

Was sage ich dem Kind über das Jenseits?

Wenn wir Kindern eine Antwort zum Tod, zum Jenseits geben möchten, kann man vieles in Bildern ausdrücken. «Das Sterben, der Tod und das Leben danach haben in allen Kulturen mit Verwandlung zu tun», so Dorothea Meili-Lehner. «Menschen denken, hoffen, glauben, träumen von einer Verwandlung in ein Leben nach dem Leben. Und vor allem für Kinder ist es wichtig, im Umgang mit Fragen des Lebens und Sterbens in Symbolen und Bildern sprechen und ihre inneren Bilder erhalten zu können.» Frau Meili erzählt, dass viele Kinder, ohne dass zuvor mit ihnen darüber gesprochen wurde, den Tod im Symbol des Schmetterlings sehen.
Ja, wie sieht es aus, das Leben danach? Ist es mit dem Leben und Sterben nicht wie mit einem Segelschiff, das auf dem Meer langsam hinter dem Horizont verschwindet, irgendwann nicht mehr sichtbar ist und doch noch vorhanden ist? Oder vielleicht sitzt man im Jenseits auf einem Stern - oder ist in Gottes Hand geborgen? Jeder Mensch empfindet seine eigene, innere Wahrheit. Diese Wahrheit muss nicht für jeden gleich sein. So findet vielleicht jeder Erwachsene ein Bild für sich, das er oder sie als Vater oder Mutter seinem Kind weitergeben will.

Vom Tod reden heisst vom Leben reden: Dieser Grundgedanke war an den Abenden mit Dorothea Meili-Lehner spürbar. Mit einer herzlichen Natürlichkeit, die erstaunte und erfreute, hat sie durch die Abende geführt. Die vielen Fallbeispiele aus ihrem reichen Erfahrungsschatz trugen dazu bei, aufs Neue wahrzunehmen und zu erkennen: Der Tod ist Teil der Natur und des menschlichen Lebens und sollte nicht tabuisiert werden. Wird das Sterben und der Tod aus dem Leben verdrängt, wird ein Teil des menschlichen Lebens weg-verdrängt.
Im voll besetzten reformierten Chilehuus-Saal in Hedingen sassen Lehrerpersonen, Väter und Mütter, Grosseltern und hörten aufmerksam zu, wie Frau Dorothea Meili-Lehner mit einer Lebendigkeit Worte fand für etwas, was beinahe unaussprechlich ist, wie sie mit Bildern etwas beschrieb, was schwer abbildbar ist und wie sie mit Worten die wunderschönen Vorstellungen der Kinder zeichnete für etwas, was unvorstellbar ist - das Sterben, der Tod und das neue Leben des Menschen.

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