Nationaler Aktionstag Alkoholprobleme

«Mit Kind und Pegel»

Sucht: Der Griff nach der Flasche ist nicht nur für einen alkoholkranken Menschen belastend, sondern für seine ganze Familie. (Bild: Walter Schwager)

Alkohol

Sucht: Der Griff nach der Flasche ist nicht nur für einen alkoholkranken Menschen belastend, sondern für seine ganze Familie. (Bild: Walter Schwager)

Der kommende Donnerstag steht im Zeichen des Nationalen Aktionstages Alkoholprobleme. Die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) greifen jedoch nicht das Thema «Männerwelt Alkohol» auf. Sie rücken die Angehörigen alkoholkranker Menschen ins Zentrum einer Fachtagung und öffentlichen Veranstaltung.

Elisabeth Feller

Der Buchstabe K macht dem P Platz - und schon wird aus einer bekannten Formulierung ein: «Mit Kind und Pegel». Solcherart betitelt ist ein Anlass im Reigen vieler Veranstaltungen, die im Rahmen des Nationalen Aktionstages Alkoholprobleme zum Thema «Männerwelt Alkohol» stattfinden. «Weil Alkoholprobleme jedoch die ganze Familie betreffen, setzen wir den Akzent etwas anders», sagt Martin Näf (Leitender Arzt Abhängigkeitsbereich Königsfelden).

Die 4. Königsfelder Suchttagung richtet sich dabei nicht allein an Fachleute. Erstmals führt sie abends eine öffentliche Veranstaltung mit einem Referat und einer Podiumsrunde in der Fachhochschule Windisch durch. Damit sollen interessierte oder betroffene Menschen auf vielfältige Hilfsangebote aufmerksam gemacht werden. Zusätzlich gibt es im Foyer Tische mit Informationsmaterial unter anderem von der Familien-Beratung, der Suchthilfe ags und von den Behandlungsangeboten PDAG.

Um die Kindheit betrogen

«Alkoholprobleme sind ein uraltes Thema», sagt Martin Näf: «Tendenziell geht der Alkoholkonsum zwar zurück, aber leider nicht bei den Jugendlichen.» Gravierend wirkten sich Alkoholprobleme in der Familie insbesondere auf Kinder aus. «Kinder wachsen früh mit Verantwortung auf, werden dadurch aber um ihre Kindheit betrogen.»

«Sie reagieren denn auch ganz unterschiedlich auf die Belastungen», weiss Martin Näf und verweist auf eine riesige Palette unterschiedlichster Störungen. Gehe die Ehe der Eltern etwa wegen Alkoholproblemen in die Brüche, führe das bei Kindern zu «grossen Loyalitätskonflikten».

Familiäre Alkoholprobleme können das Leben solcher Kinder auch als Erwachsene beeinflussen. Einige helfen dem Alkoholkranken weiter, andere gehen zu ihm auf Distanz oder identifizieren sich mit ihm derart, dass sie selbst zur Flasche greifen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1