Holzerwettkampf

Mit grobem Geschütz und feinem Gefühl

Phillipp Suter, Würenlingen, führt an zwei Stämmen einen kombinierten Schnitt aus und sägt je eine Scheibe ab.

Phillipp Suter

Phillipp Suter, Würenlingen, führt an zwei Stämmen einen kombinierten Schnitt aus und sägt je eine Scheibe ab.

Scharfes Auge, ruhige Hand, Hörschutz und höchste Konzentration: Was den Schützen recht, ist Förstern und Forstwarten billig.

von Rosmarie Mehlin

Eine Soundwolke wie über Silverstone oder Assen lag über der Ebene zwischen Endingen und Würenlingen. An- und abschwellendes Motorengeheul verbannte das Prasseln des Regens total ins Offside: Wo friedliche Wettkampfstimmung herrscht, hat unfreundliches Wetter keine Chance. Das diesjährige Endinger Sommerfest ist auf den Birkenhof ausgelagert worden, wo zwischen Schützenstube und Festbeiz auch eine Holzer-Beiz steht.

Ein holziger Fünfkampf nämlich stand nebst Speis, Trank, Musik und Plauderei gestern im Mittelpunkt. Alle zwei Jahre und nunmehr zum 19. Mal messen sich Förster, Forstwarte, Lehrlinge und Akkordanten in ihrem Können und ihrer Geschicklichkeit im Umgang mit der Motorsäge.

Was in ihrem beruflichen Alltag üblicherweise höchstens von einem Specht, einer aufgescheuchten Wildsau und einem Heer von Ameisen beobachtet wird, stellten sie hier vor einer stattlichen Zuschauerkulisse unter Beweis. 200 Teilnehmer, so viele wie noch nie und darunter Welt-, Schweizer und Aargauer Meister, gaben im Höchsttempo ihr Bestes in der Bearbeitung von Fichtenstämmen.

Zwecks Chancengleichheit waren sämtliche präzise auf einen Durchmesser von 35 Zentimetern zurechtgestutzt. Für die letzte Disziplin, bei der ein sechs Meter langer Trämel von genau 30 Ästen befreit werden musste, dienten eingesetzte Rundstäbe von 3,5 Zentimeter Durchmesser als Astersatz.

Als erste Disziplin musste die Motorsäge mittels Kettenwechsel für ihren Einsatz vorbereitet werden.
In der Bewertung schlug durchs Band weg auch die Zeit zu Buche. Schnell, schneller am schnellsten war angesagt. Auch wo Rugel vom Stamm geschnitten werden mussten - bis zur Hälfte von unten, danach von oben her. Das tönt bedeutend einfacher, als es ist, soll der Schnitt doch möglichst aalglatt herauskommen.

Auch einen Stamm von oben nach unten bis auf so wenige Zentimeter, noch besser Millimeter, wie nur irgend möglich durchzusägen, ist ganz schön anspruchsvoll. Eine Sekunde zu spät mit Sägen aufhören, und schon ist es passiert. Und wenn es gilt, in einen stehenden Stamm eine so genannte Fallkerbe zu sägen, kann das sogar schwerwiegende Folgen haben. Nicht am Wettkampf, aber in der Praxis, denn die Ausrichtung des Fallkerben-Grundes ist verantwortlich dafür, dass ein Baum in die vorgesehene Richtung fällt.

Ob der Regen mehr oder weniger stark fiel, ob der Morast tiefer und das Sägmehl pappiger wurden: Die «Holzkämpfer» blieben davon unbeeindruckt. Mit Sperberblicken beäugten sie vor dem Einsatz den Stamm, strichen beschwörend darüber, liessen ihre Motorsägen freudig aufheulen und knieten sich dann im wahrsten Sinne des Wortes in die gestellten Aufgaben. Manch einer legte sich, zwecks Optimierung der Präzision, sogar beinahe neben «seinen» Baumstamm.

Unter den Helmen, hinter den Visieren und aus den Schutzkleidern blitzten höchste Konzentration und muntere Kampflust hervor. Mit Stoppuhr und «Kontrollgeräten» ausstaffiert, addierten die Richter Tempo und Taten, subtrahierten Fehlerpunkte, während aus dem Tempel Gaben im Gesamtwert von rund 16 000 Franken winkten. Die Spannung stieg, als Mitglieder der Schweizer Nationalmannschaft an den Start gingen.

Balz Recher, Förster im Baselbieter Revier Bubendorf, zeigte schon bei der Einsatzvorbereitung der Motorsäge deutlich, was er seinem Ruf als amtierender Weltmeister schuldig ist. Millimetergenau legte er Maschine und Schraubschlüssel bereit, blickte nicht links und nicht rechts, rieb sich, wie ein Kunstturner, die Hände mit Magnesium ein, und dann, kaum lief die Stoppuhr, hatte er die Aufgabe gelöst - in sage und schreibe 9,8 Sekunden.

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