Grenchen
Mit Feuer in allen (un)möglichen Varianten

Die Bundesfeier im Stadtpark sprühte schon lange vor dem Feuerwerk bunte Funken: mutmachende kurze Botschaften, fröhliche Musik, Spass für die Kinder und atemberaubende Kunststücke für Gross und Klein.

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Feuer

Feuer

Solothurner Zeitung

Daniela Deck

Die überraschendsten Funken schlug der Gaukler Salem. Erst stakste er ganz manierlich auf Stelzen zwischen den Festbänken herum und spielte mit den Kindern Eisenbahn. Dann kam die erste Steigerung. Er zauberte mithilfe einer Zeitung eine Gedankenübertragung aus dem Gedächtnis von Barbara Banga zu einem anderen Zuschauer. Während das Publikum noch über dieses Kunststück rätselte, setzte Salem zum Höhenflug an. «Nicht nachmachen», ermahnte er die Kinder, bevor er sich wieder einige Statisten aussuchte. Diesmal traf es den Stadtschreiber, François Scheidegger, für die Rolle des Kalifen von Marrakesch, und Kurt Seematter als dessen Eunuchen.

Die eindrücklichste Rolle hatte der Gaukler sich selbst vorbehalten, und da war dem Dümmsten klar, weshalb er vor Nachahmung warnte: Salem legte sich in einen Scherbenhaufen, liess sich ein Brett voller Nägel auf den Bauch legen und forderte den Kalifen samt Haremsdame (Esther Bläsi) im Arm auf, sich obendrauf zu stellen. Anders als beim Zeitungswunder ging es da nicht um Täuschung.

Der Unterhaltungskünstler schluckte und spuckte danach seelenruhig Feuer und fabrizierte mithilfe von Blütenstaub Staubexplosionen. Dabei blutete er an den Armen und am Rücken aus mehreren Schnittwunden. Hätte er zugelassen, dass man ihm - vermeintlich hilfsbereit - nach dem Fakirauftritt die Scherben abstreift, wäre wesentlich mehr Blut geflossen.

Die eigenen Werte überdenken

Geistige Funken zündeten Stadtpräsident Boris Banga und der Oberbürgermeister von Neckarsulm, Joachim Scholz. Ohne zu beschönigen skizzierte Banga die gegenwärtigen Umstände: Exportfirmen mit Schwierigkeiten, Dreifachmord und das Familiendrama in Bettlach. Den Kopf hängen lassen und «dumm lamentieren» bringt gar nichts, ist der Stadtpräsident überzeugt. Er ermutigte die Zuhörer dazu, über die eigene Weltanschauung nachzudenken. «Denn das führt zu überlegtem Handeln, das sicher besser ist als vieles, was heute veranstaltet wird.» Ein erfreuliches Kapitel schlug er mit der Partnerschaft Grenchen-Neckarsulm auf. Nicht nur wirtschaftlich gesehen hätten die beiden Städte viel gemeinsam.

Dieses Thema griff auch Gastredner Joachim Scholz auf. Er regte einen Gedankenaustausch der Städte an, beispielsweise zur öffentlichen Sicherheit. Scholz schlug zudem vor, das gemeinsame Engagement der Bieler Lauftage auf den Halbmarathon in Heilbronn auszudehnen. Zur Geschichte des Geburtstagskindes, der Eidgenossenschaft, zeigte sich der Oberbürgermeister besser informiert als viele Schweizer. Persönlich würde er sich über den Beitritt der Schweiz zur EU freuen, sagte er. Denn Europa brauche die Schweiz «als Mahner, dass die Europäische Union nur dann zum Erfolg führt, wenn sie ihre historisch gewachsene Vielfalt nicht verleugnet».

Lampionumzug und Feuerwerk

Anfänglich war die Grenchner Bundesfeier schwach besucht. Doch mit dem Sinken der Sonne füllten sich die Festbänke. Das Risotto und die Bratwürste aus der «Parktheater»-Küche fanden regen Zuspruch. Die Musikgruppe Chef dé Kef machte ihrem Namen alle Ehre. «Kef», erklärte Moderator Andreas Kummer, sei persisch und bedeute Lebensfreude.

Zum Lampionumzug der Interessengemeinschaft Spielplätze (ISG) um 21.30 Uhr hatte sich eine grosse Schar Kinder und Eltern eingefunden. Feierlich zog die Glühwürmchenprozession durch die Dämmerung zum Nordbahnhof und zurück zum Stadtpark.

Goldene Funken gab es auch zum Auftakt des Feuerwerks. Nach den ferngezündeten Zuckerstöcken verlagerte sich das Schauspiel an den Himmel. Was die Stadt den mehreren hundert Zuschauern auf dem Platz vor dem Schulhaus IV bot, konnte sich sehen lassen. Das beweisen der Szenenapplaus und die anerkennenden Kommentare.