«Mit etwas mehr Vernunft hätte es wohl keine Verletzten gegeben»

Dramatische Szenen spielten sich am vergangenen Montag beim Brand auf dem Campingplatz am Türlersee ab – und mittendrin Feuerwehrkommandant Heinz Sträter.

Martin Platter

Herr Sträter, wo waren Sie, als der Brandalarm ausgelöst wurde?

Heinz Sträter: Ich arbeitete im Büro in Cham.

Was war Ihr erster Gedanke?

So schnell wie möglich zum Brandherd fahren.

Wer war zuerst dort?

Als Erster auf dem Platz war ein Tanklöschfahrzeug aus Hausen. Bereits sechs Minuten nach der Alarmierung um 15.34 Uhr begann die Feuerwehr, die Leute wegzuschicken und zu löschen. Ich traf um zirka 15.45 Uhr ein.

Was fanden Sie vor, als Sie auf den Brandplatz kamen?

Es standen bereits acht Wohnwagen in Vollbrand. Gasflaschen explodierten. Nachdem ich mir ein Bild von der Situation gemacht hatte, gab ich die Order, unsere fünf Motorspritzen beim Türlersee in Stellung zu bringen und die Schläuche an den drei Hydranten anzuschliessen, um genügend Löschwasser zur Verfügung zu haben.

Und die Schaulustigen und Passanten?

Wir haben sofort weiträumig abgesperrt und die Leute vom Brandherd weggewiesen, was gut klappte, da wir kriegsähnliche Zustände hatten mit dichtem Rauch, Explosionen, grossem Feuer und entsprechender Hitzeentwicklung. Da es wetterbedingt schon sehr warm war, stellte der Einsatz grosse Anforderungen an die Feuerwehrleute mit ihren schweren Ausrüstungen - ganz besonders für diejenigen, die mit Atemschutz arbeiteten. Ich ordnete deshalb an, dass sofort Trinkwasser für die Einsatzkräfte bereitgestellt wurde.

Auf was ist besonders zu achten im Umgang mit den Campinggasflaschen?

Wenn wir eine im Feuer sehen, gilt es, diese sofort mit Wasser zu kühlen.

Ab welchen Temperaturen besteht Explosionsgefahr?

Das ist schwierig abzuschätzen und macht die Sache auch so gefährlich. Man sieht es der Stahlflasche nicht an, ob sie demnächst explodiert. Dabei wäre das Risiko zu umgehen. Als Alternative gibt es Gasbehälter aus Kunststoff. Die schmelzen bei Feuer. Damit gibt es keine Explosion und auch keine gefährlichen Stahlsplitter.

Wie haben sich die Brandbekämpfer gegen die Splitter der berstenden Gasflaschen geschützt?

Sie gingen in Deckung hinter Bäumen und Fahrzeugen oder lagen beim Löschen flach auf dem Boden. Die Leute haben automatisch richtig reagiert, ähnlich wie bei Kriegszustand, wenn Bomben explodieren.

Gab es Verletzte bei der Feuerwehr?

Nein, nichts Nennenswertes.

Wieso gab es so viele Verletzte unter den Zivilisten?

Wegen der Unvernunft der Leute. Der Wohnwagen, der das Feuer ausgelöst hatte, war nicht besetzt. Ich bin überzeugt, wenn alle beim ersten Rauch davongelaufen wären und nicht zurück zum Brandherd, um Habseligkeiten zu retten oder aus Sensationslust, hätten wir vermutlich keine Verletzten gehabt. Die gravierenden Blessuren zogen sich die Betroffenen zu, bevor wir am Brandherd eintrafen. Dazu kam, dass viele wegen der grossen Hitze und dem Stress in Ohnmacht gefallen sind und ärztlich betreut werden mussten.

Meistgesehen

Artboard 1